Das Haus der Melitele - inneres Heiligtum

Wyzima war die Hauptstadt von Temerien und einst Herrschersitz von König Foltest. Von hohen Stadtmauern umgeben, liegt sie an den Ufern des Wyzimasees; die Ismena fließt durch Wyzima und mündet in diesen. Das Bier "Wyzimas Gold" wird hier gebraut.
Nach der Ermordung des König streiten nun Herzoge und Barone um de Herrschaft.
Zeitweise war Wyzima der Sitze var Emreis, denn Temerien ist von Nilfgard besetzt.
in Wyzima ist der Orden der Flammenrose strak, inoffiziell regiert hier der Orden.
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Viktor
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von/nach: aus der Zone--> Portalsprung auf den Kontinent, Wyzima, Meliteletempel
Datum: Hochsommer; Juli 1278
betrifft: Jakob
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Die Welt war einmal mehr gerissen, die Zone hatte ihm einmal mehr gezeigt, was für ein unbedeutendes Licht er im Vergleich zu ihrer göttlichen Willkür war.
Fährtenleser.
Jäger.
Spurensucher.
Drauf geschissen. All das war nichts wert, wenn die Zone beschloss, einen von ihrer Landkarte zu radieren. Man musste nicht einmal einen Fehltritt tun – der Abgrund kam, tauchte einfach auf und verschlang einen, presste einen zu einem handlichen Paket und drillte einen zu einem dekorativen Objekt in der sonst so kargen Landschaft.
Und wozu?
Wozu, Slava? Wieso bin ich eigentlich hier? Wieso jage ich dir Hundesohn immer noch nach? Weil alles den Bach runter geht? Was interessiert es mich…
Lass mich einfach sterben, ich bin nur ein alter Mann.

Bleiche Kinderhände mischten waldgrüne Farbe in ein dunkles Violett, zogen Schlieren mit einem spitzen Finger, zogen einen grün und violett schillernden Faden, der sich wie ein Tuch aufspannte, tanzte und in der Bewegung erstarrte, als kristallenes Glas sich darum zu einer Kugel schloss.*

Diesmal sah er die Murmeln in der Hand des Kindes – nicht nur jene aus grün und violett, auch eine in blau und rot, die tief leuchtete, wie von einem eigenen, überirdischen Licht erfüllt.
Sah sie schweben.
Sah eine Dritte hinzukommen.
Dann verschob sich alles, durchdrang seine Wahrnehmung, löste ihn auf.

Erain legt auf ihn an – er hält eine AK in Händen, die Kugeln zerfetzen seine Beine. Entsetzt blickt er an sich herab, sah wieder auf und es ist Slava, der dort steht, den Lauf senkt und sich in aller Ruhe eine Kippe ansteckt. Er fragt ihn, was das nun wieder soll, doch er erhält keine Antwort. Nur eine wegwerfende Geste – dorthin dorthin. Er rennt – rennt auf was? Seine Beine sind jung und stark, seine Hand umkrallt einen Blumenstrauß, die Blüten lassen schon die Köpfe hängen. Die Krankenschwester schimpft auf Russisch, aber er versteht doch kein Russisch – do you speak english?… here, here, come. Ein Zimmer, hell und freundlich. Ana drückt ihm ein Kind in die Hand. Er heißt Iolas. Sein Sohn, sein Erstgeborener. Er fühlt unendliches Glück, dann stürzt die Welt vor den Fenstern in Dunkelheit und das Kind verschwindet aus seinen Armen. Eleonora schreit irgendwo seinen Namen, Schüsse aus automatischen Waffen zerreißen die Stille. Die Luft riecht nach Staub, Metall und Tod. Plötzlich ein gleißendes Leuchten jenseits eines langen Korridors. Er hört eine Stimme – sie stammt aus einem Radio und der Sprecher berichtet von einem kleineren Zwischenfall im Atomkraftwerk. Ana taucht aus der Dunkelheit auf, sie trägt ein umwerfendes Brautkleid, im Arm hält sie den schreienden Säugling. Mit traurigen Augen sieht sie ihn an, dann zerfasert ihre Gestalt, löst sich in dem Gleißen auf. Jemand packt ihn, zerrt ihn mit sich, hart prallt er gegen eine Autokarosserie. Unten bleiben. Aber meine Frau – mein Sohn… Er verliert das Kommando über den Einsatz, aus seiner Rage befreit ihn Alain mit einem gezielten Schlag. Dunkelheit. Daria stirbt in seinen Armen, die Kehle von vier Klauen aufgerissen. Ihr Leichnam wird zu Iolas, wird zu ihm selbst – nein, zu einem Mann mit dunklem Teint, schwarzem Haar und mitternachtsblauen Augen, die allmählich den Blick verlieren, während das Leben durch einen Bauchschuss aus ihm heraus sickert.
Die Sonne. Die Sonne brennt so.

Er stirbt und wird wieder geboren.
Eine Murmel zersprang klirrend.


Als er die Augen aufschlug, war es dunkel um ihn herum oder besser dämmrig. Das Licht einer Kerze – nicht unüblich im eher einfachen Kloster – erhellte einen schmalen Raum und das Profil eines jungen Mannes an seinem Bett. Er musste sich einen Moment besinnen, denn ihm war, als wäre er eben noch tödlich verwundet in der Wüste gewesen. Und dann fiel ihm ein, dass Jakob – unzweifelhaft der junge Mann an seinem Bett – seit Monaten verschwunden war.
Schnitt.
Viktor riss die Hände hoch und presste sie auf die Augen. Oder besser, er versuchte es, denn ein steckte in einer dicken Bandage. Etwas bewegte sich in seinem Kopf, etwas, dass sich nicht seiner Kontrolle unterwerfen wollte. Er rang damit, warf sich herum, stöhnte gequält. Das seltsame Gefühl fremder Gedanken war mit einem Mal zu einer düsteren Gewissheit geworden: etwas hatte sich in seinem Kopf festgesetzt. Etwas oder besser jemand. Und er drängte in den Vordergrund, überspülte Viktor mit fremden Gedanken, Emotionen und Wissen. So viel Wissen, so viel Verstand. Er war ein einfacher Mann, kein… Großmeister der armen Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel.
Er wurde verrückt. Was auch immer es war, es hatte so etwas wie eine Stimme…
Doch dann sprach der junge Mensch mit ihm und Viktor wurde bewusst, dass er einen Teil der Gedanken wohl ausgesprochen hatte, ohne Kontrolle über sein Bewusstsein zu haben. Oder besser während er die Kontrolle an den Anderen abgegeben oder dieser sie sich einfach genommen hatte.
Mit ein paar gemurmelten Flüchen wälzte er sich auf die Seite und stemmte sich hoch, wobei er es tunlichst vermied, die bandagierte Hand zu belasten. Etwas sagte ihm, dass er nicht so richtig scharf darauf war, zu erfahren, was unter dem Verband los war.
Er schwang die Beine aus dem Bett und musterte den fremden Mann.
“Man nennt mich Viktor. Aber dich hab ich noch nie gesehen.“ Dann erst stockte er, blinzelte ein paar mal nervös.
“Wir sprechen Englisch?“
Der junge Mann nickte seltsam mechanisch. Viktor nickte ebenfalls. Englisch. Da war es wieder. Wissen, das er nie hatte und auch nie brauchte. Plötzlich war es da, als hätte ihm jemand einen zusätzlichen Speicherchip verpasst.
“Wir sind nicht in der Zone?“
Kopfschütteln, genau so mechanisch wie das Nicken zuvor.
Viktor hob eine Braue. “Grad hattest du noch ’ne Zunge, Jungchen.“
Die schien dieser in diesem Moment wieder zu finden und der Blick, mit dem er ihn bedachte, war seltsam vertraut. “Woher kennen Sie meinen Namen?“, wiederholte er.
Viktor beschloss, ihn erstmal abzuwimmeln. “Siehst jemandem ähnlich. Hab dich verwechselt – der Kopf.“ Tatsächlich hatte er irgendwas auf den Kopf bekommen und bestätigend rieb er sich die Stelle mit der nicht bandagierten Linken. “Gibt’s hier was zu trinken? Tee oder Wasser?“
Der Fremde, den er Jakob genannt und damit scheinbar ins Schwarze getroffen hatte, wirkte nicht überzeugt, nickte aber einmal mehr und erhob sich. Wortlos verschwand er und Viktor sah ihm etwas verblüfft nach. Sein Volk war auch nicht gerade dafür bekannt, Fremden gleich mit goldener Zunge den Himmel auf Erden zu faseln, aber der Kerl war ja wirklich gesprächig wie ein Goldfisch. Er hieß ihn nichtmal warten – stand er also nicht unter Beobachtung? Arrest? Bei ihnen wäre das so gewesen… Sofort musste er an Kolja denken und dann an Amir – wieso fielen ihm die erst jetzt ein? Waren sie auch hier?
Mühsam hielt er sich davon ab, nicht einfach das Zimmer zu verlassen und auf eigene Faust herauszufinden, wo er war und wo die anderen gelandet sein mochten. Ungeduldig saß er auf dem Bett und wartete auf Jakobs Rückkehr.


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*siehe Viktors Ankunft
Zuletzt geändert von Viktor am Freitag 7. Oktober 2022, 22:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Jakob von Nagall
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Jakob ließ den fremden Mann zurück, der ihn so dermaßen irritiert hatte, dass er keinen graden Satz zusammen gebracht hatte. Zumal er inzwischen so lange in der Gemeinsprache und der Älteren Rede kommunizierte, dass ihm Englisch im ersten Moment nicht so recht hatte einfallen wollen. Aber es war nicht allein die Sprache gewesen, die ihn aus der Bahn geworfen hatte. Vielleicht hatte es auch am Licht gelegen, aber ihm war es so vorgekommen, als wäre da ein Wechselspiel der Augenfarbe gewesen und auch der Ausdruck darin hatte sich verändert. Eine andere Seele hatte ihn angeblickt, obwohl ihm das nüchtern betrachtet als völliger Unfug vorkam.
Nachdenklich ging er auf direktem Weg zu den Wirtschaftsräumen und der dort angeschlossenen Küche. Zum Einen wollte er Viktor seinen Wunsch erfüllen, zum anderen noch Proviant und Wasserschläuche packen. Er war sich inzwischen völlig im Klaren darüber, dass sie vorerst nicht hier bleiben konnten und das nicht einmal klar war, ob Jarel noch einmal hier her kam. Hin wie her, Jakob wollte seinem Ritter nach, egal wo der sich gerade herum trieb und jetzt da der Fremde erwacht war, würde er ihn einfach mitnehmen. Der Dämon – so hoffte er – war ja auch schon bei Jarel und die beiden gehörten irgendwie zusammen.
Im Geiste schon mit Brea in Diskussion gehend, platzte er in die Küche, wo zwei Schwestern schweigend beieinander saßen und Essen für den nächsten Tag vorbereiteten. Eine der beiden war Iola und wie so oft seit ihrer kleinen Liaison traf ihr Anblick ihn unerwartet heftig mitten unter das Sonnengeflecht. Zugleich wurde ihm bewusst, dass all seine Vorbereitungen zwei Dinge bedeuteten: Abschied von ihr und kein persönlicher Abschied von Jarel für sie. Nach dem Zwischenfall am heutigen Abend denkbar ungünstig.
Brea sah ebenfalls fragend auf.
“Der Patient – also der Fremde, Viktor, so heißt er – ich wollte ihm was zu trinken holen. Und außerdem...“ Bei der Flamme, er musste aufhören zu stammeln wie ein Schuljunge vor der Klasse. Einmal durchatmen. Aber die Kombination aus herrischer Küchenmatrone und eben Iola brachte ihn aus dem Gleichgewicht. “Außerdem werden wir im Morgengrauen aufbrechen und ich muss noch ein wenig Proviant packen. Nur eine Notration. Wir versorgen uns auf dem Weg.“, sortierte er seine Gedanken und damit die Zunge.
Und mit Iola musste er reden. Unbedingt. Unter vier Augen.
“Würdest du mir helfen, Iola? Packen, die Pferde beladen...“ Er versuchte Breas Blicke zu ignorieren und konzentrierte sich auf die jüngere der beiden Schwestern.
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ERZÄHLER
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Iola war natürlich sofort dabei, holte sich mit einem kurzen Blick das Einverständnis von Brea und eilte mit weit ausholenden Schritten in die Küche.
Gleich begann sie, alles Mögliche an haltbaren und gut zu transportierenden Lebensmitteln auf den großen Tisch in der Mitte des Raumes zu stellen.
Sie hatte es gesehen. Wie das Wesen sich gegen Jakob gewandt hatte. Wie Jarel vollkommen ausgerastet war und sich auf den Neuankömmling geworfen hatte wie ein Raubtier. Wie ein…was war das gewesen? Die Präsenz der beiden Kontrahenten hatte die Luft beinahe zu zäh zum Atmen gemacht. Und es war nicht das Wesen mit den Stacheln und Hörnern, dass sie schlimmer erschreckt hatte. So schlimm wie es draußen auch gewesen war, die Kälte in den Augen des Ritters, als er beim Erwachen Jakob angegriffen hatte…
Sie liebte beide. Jeden auf seine ganz eigene Art. Aber was da geschehen war, erschloss sich ihr einfach nicht. Sie hatte Varelia gefragt, doch die Antworten der Erzpriesterin hatten es ihr auch nicht erklärt.
Nicht Richter, nicht Henker sein. Auf ihr Herz hören.
Was sagte ihr Herz? Ihr Herz hatte Angst. Ihr Herz verstand nicht.
Wie sollte sie so darauf hören?
Mitten in ihrer Arbeit hörte sie auf Dinge zusammenzutragen und sah Jakob eine Weile an.
Sie musste es wissen. Unsicher ging sie zu einem der Schränke, an der eine kleine gerahmte Schiefertafel hing, nahm die ab, legte sie mit zitternden Händen auf den Tisch zu den Lebensmitteln, wischte mit dem Handballen die Einkaufsliste darauf weg und schrieb dann mit leicht schnörkeliger, aber gut lesbarer Schrift:
„Was ist da draußen passiert?“
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Jakob von Nagall
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Iola zögerte keine Sekunde und Jakob war dankbar. Brea erbot sich mit einem seltsamen Seitenblick, dem Fremden einen Tee zu bringen und ließ sie beide in der Küche allein, in der Iola geschäftig sogleich allerlei Proviant zusammen trug. Jakob beschäftigte seine Hände damit, Wasserschläuche zu füllen und die Lebensmittel in Wachstücher einzuschlagen, bevor er sie zu Paketen schnürte, die man gut in den Packtaschen verstauen konnte. Sicher bemerkte er, dass Iola ihn musterte, aber er gab sich beschäftigt, bis er ihr nicht mehr ausweichen konnte, weil sie ein Täfelchen in sein Sichtfeld schob.
Was ist da draußen passiert?
Seine Augen huschten nur einen Sekundenbruchteil lang über den Satz und kehrten dann auf seine Finger zurück, die gerade ein Stück harten Käse in das Wachstuch einschlugen. Seine Gedanken allerdings rasten. Wie sollte er antworten? Gleichzeitig Jarels Geheimnis wahren und Iola nicht anlügen? Wenn sie es nicht wusste, hatte der Ritter seine Gründe dafür. Andererseits gehörte Aufrichtigkeit zu Jakobs Glaubensauffassung.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.
Die Hände auf dem Käsepaket, hob er endlich den Blick und sah Iola an. Seltsamerweise war mit der Zeit der Wunsch sie zu berühren und zu küssen, dem Wunsch sie vor allem Übel zu beschützen gewichen. Er wusste, dass sie stark war, aber zugleich wirkte sie so schrecklich verletzlich, dass er die dunklen Seiten der Wahrheit von ihr fern halten wollte.
"So genau kann ich dir das nicht mal sagen.", erwiderte er mit einem leichten Heben einer Schulter. Was im Grunde stimmte, denn vor dem Auftauchen Nikolavos war Jarel noch wie ein kalter Fisch gewesen. Etwas war passiert, nur was, war dem Knappen selbst noch nicht ganz klar.
...mein Junge...
"Er hat die Kontrolle verloren." Er atmete durch, blickte kurz auf den Käse unter seiner Hand und dann zu dem halb fertigen Bündel. Entschlossen fügte er das Päckchen hinzu. "Er trägt seine Schatten mit sich herum, wie wir alle." Irgendwie hoffte er, das Thema damit beenden zu können. Wieder blickte er Iola an, dann griff er nach ihrer Hand. Brea würde bald zurück kehren und er wollte verdammt nochmal nicht über Jarel sprechen.
"Wir werden Wyzima verlassen und ich weiß nicht, wann oder ob wir noch einmal wieder kommen, Iola. Ich werde dich nicht vergessen. Vergiss mich auch nicht gleich, ja?" In ihrer Hand spürte die junge Priesterin plötzlich ein kleines, kantiges Objekt, welches die warme Hand des Knappen dort zurück ließ, als er sich seinem Tun wieder zuwandte - just in dem Moment, als Brea wieder zurück kehrte. Er hatte ihr den abgeschlagenen Zeil seines Siegels überlassen - jenen mit dem Kreuz, dem Teil, der ihn selbst darstellte und nicht das was er zu werden im Begriff war.
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ERZÄHLER
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‚…die Kontrolle verloren…‘
Violettas Gedanken überschlugen sich. Es war ein komplettes Leben her, als der Ritter sie aus dem brennenden Gebäude gezogen, ihr die Augen verbunden und raus getragen hatte.
Damals hatte sie nicht begriffen, warum er hatte verhindern wollen, dass sie irgendetwas sah. Und sie war ohnehin viel zu verängstigt gewesen, sich irgendwie zu wehren.
Aber den Geruch, als er sie durch die knisternden Flammen und einstürzenden Gebäudeteilen trug, würde sie nie vergessen. Blut und verbranntes Fleisch. Schweinebraten.
Damals waren Gerüchte umgegangen, dass eine ganze Abteilung Kämpfer die Banditen vernichtend geschlagen hatte. Sie wusste es besser. Der Ritter war allein gewesen.
Wie er das damals geschafft hatte, hatte sich ihr nie erschlossen. Heute dachte sie anders darüber. Ohne Magie…wie hätte es da möglich sein sollen?
Sie hatte nie gefragt. Hatte nie an ihrem Ritter gezweifelt.
War die verlorene Kontrolle genau das, was damals geschehen war?
Sie würde es nie erfahren. Der Ritter war fort. Jakob würde gehen.
Und sie würde beide nie wiedersehen.
Die schweigende Schwester senkte wortlos den Blick, tastete mit den Fingern über das Ding in ihrer Hand. Sie erkannte es gleich wieder. Das Medaillon, was sie mit Jarel zusammen zurückgeholt hatte.
Und wieder fiel ihr etwas ein. Der Mann, der Jakob dass Schmuckstück abgeluchst hatte…angeblich würde er sich den Rest seines Lebens nur noch von Suppe ernähren können. Der Teufel selber hatte ihn in der Nacht aufgesucht, so hieß es.
Violette erschauerte. So viele Geheimnisse. So viele Lügen. Und jetzt würde sie beide nicht wiedersehen.
Mit einer fahrigen Bewegung lies Violetta das Abschiedsgeschenk in der Tasche ihres Kittels verschwinden.
Sie hob den Blick nicht mehr. Trug weiter Lebensmittel zusammen, hielt dabei Abstand zum Knappen.
Und sah ihn nicht einmal mehr an. Das konnte sie nicht. Denn sie wollte nicht wieder weinen.
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Jakob von Nagall
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Lebenslauf: Jakob von Nagall

Das Gefühl, alles vermasselt zu haben, begleitete seine weiteren Wege durch den dunklen und zunehmend stiller werdenden Tempel. Er versuchte seine Gedanken auf das zu fokussieren, was jetzt vordringlich war: packen, die Pferde startklar machen, Viktor davon überzeugen, dass er mit ihm kommen musste, ohne zu viele Fragen zu stellen. Mit den Pferden hatte er zunächst ein Wolf-Schaf-Kohlkopf-Problem, denn er wollte das Gepäck nicht unbeaufsichtigt in diesem Mietstall lassen, aber die Pferde ins Heiligtum bringen war auch nicht möglich. Davor anbinden war hinsichtlich des Gepäcks genau so blöd wie der Mietstall und zusätzlich waren die Pferde auch noch interessantes Diebesgut. Also bei Viktor beginnen und hoffen, dass der sich überzeugen ließ und tragen half. Oder zumindest Wache schob.
Jakob packte also alles in der kleinen Kammer zusammen, die er bewohnt hatte, schleppte auch Jarels Gepäck heran, welches immer den Eindruck erweckte, der Mann wollte die Welt bereisen. Trotzdem war es alles in allem überschaubar - immerhin mussten die zwei Pferde den ganzen Kram auch schleppen. Dazu kam nun noch das Gepäck der Fremden - zwei Rucksäcke und drei Waffen, von denen eine in Jakobs Deckenrolle gewickelt war.
So vorbereitet kehrte er zu Viktors Kammer zurück und klopfte vorsichtig. Sofort wurde er herein gerufen und schlüpfte in den von einer Kerze erhellten Raum.
"Da bist du ja wieder.", ließ sich der fremde Mann sehr ruhig vernehmen. Er saß auf dem Bett, hatte die Beine auf der Matraze ausgestreckt und fingerte an der Bandage herum. Im Ganzen wirkte er, als habe er nur darauf gewartet, dass endlich wieder jemand zu Besuch kam, so als läge er in einem Krankenhaus und nicht in einem Tempel am anderen Ende eines fremden Universums. Jakob musterte ihn kurz und setzte sich dann wieder auf den Stuhl, der noch immer so stand, wie er ihn verlassen hatte.
"Wir müssen diesen Ort verlassen und Sie sollten mitkommen, Sir. Ich erklär's Ihnen später."
"Lass die Höflichkeitsfloskeln weg, Junge. Ich bin Viktor. Sir ist mein alter Herr." Als Jakob darauf nicht antwortete, sondern nur mit seiner Musterung fortfuhr, schnaubte der Ältere und atmete einmal durch. Kurz wirkte er, als wolle er eigentlich etwas anderes sagen, entschied sich aber dann für: "Wo sind Amir und Kolja?"
Jakob musste nur kurz überlegen. Arvijd hatte den Dämon Kolja genannt, dann musste Amir der andere sein. Er hatte eigentlich einfach schnell los gewollt, aber das schien Viktor nicht zu interessieren oder er wollte es nicht zulassen. Jedenfalls saß er ruhig an die Wand gelehnt und verlangte Antworten, wobei er aussah, als würde er sich ohne diese keinen Meter von hier weg bewegen. In einem anderen Leben hätte er ihn einfach hier sitzen lassen, definiert, dass genau hier der Pfeffer wuchs. Aber dieses Leben war vorbei und diesen Jakob gab es nur noch in der Erinnerung. Jarel hatte ihm aufgetragen, sich um diesen Reisenden zu kümmern, also würde er sich kümmern. Und wenn er ihn letzten Endes an den Füßen aus dem Heiligtum schleppen musste.
"Amir hat es leider nicht geschafft. Kolja ist der Grund, weshalb wir hier weg müssen. Ich erklär es dir - später. Wirklich.", versuchte er es nochmal in der kurzen Version. Daran, dass dieser Amir vielleicht ein Freund Viktors gewesen war, dachte er erst, als er dessen Reaktion auf seine zugegeben nicht sonderlich einfühlsame Antwort wahrnahm. Der Blick des Älteren zuckte kurz zur Seite, dann schloss er die Augen einen Moment. Das Spiel mit der Bandage stoppte.
Idiot! "Tut mir Leid, ich...
"Ich will ihn sehen."
"Wir sollten wirklich..."
"Wo ist Amir? Ich will ihn sehen."
Die eindringliche Ruhe, mit der Viktor sprach, entwaffnete den sonst so widerspenstigen Knappen fast sofort. Zumal dieser von den jüngsten Ereignissen mehr als nur angegriffen war und leicht ins Wanken geriet. Er versuchte also nicht weiter zu diskutieren und auf diese Art noch mehr Zeit zu verlieren, sondern nickte einfach stumm und erhob sich. Viktor kämpfte sich einhändig in seine Stiefel und folgte ihm dann, zunächst zum Behandlungsraum, aber da war der Leichnam schon nicht mehr. Jakob überlegte nur kurz und steuerte dann das innere Heiligtum an. In einem Seitenschiff wurden sie fündig. Die Schwestern hatten Amir hier her gebracht und aufgebahrt. Sein Körper war bereits gewaschen, bis zur Brust bedeckte ihn ein Leinentuch.
Jakob blieb an der Tür stehen, während Viktor sich an ihm vorbei drängte und neben den Toten trat. Die leisen Worte, die der Mann murmelte, konnte er nicht verstehen und den Lauten nach, die ab und zu heraus stachen, war es auch keine Sprache, die Jakob sprach. Er fühlte sich Fehl am Platz und irgendwie hilflos der Trauer gegenüber, die aus der Haltung und den Gesten Viktors sprach. Ihn selbst verband nichts mit diesem Mann, außer dass sein Auftauchen heute Nacht wieder alle Karten neu gemischt hatte. Für ihn war er nur ein Hindernis, das ihn vom Aufbruch abhielt.
"Das Ende eines jungen Lebens erscheint uns immer grausam, nicht wahr?" Wie aus dem Nichts war die Erzpriesterin neben Jakob aufgetaucht und beobachtete nun mit ihm den Abschied eines Reisenden von seinem Gefährten. Jakob schämte sich sogleich seiner Gedanken und schwieg.
"Doch bedenke: Das Göttliche, gleich welchen Namen du ihm gibst, kennt keine Grausamkeit. Nur die Sterblichen sind grausam, im Namen des Göttlichen. Die Allmacht wahrt nur ein Gleichgewicht, doch welche Gewichte es in den Waagschalen bedarf, vermag unser Verstand nicht zu erfassen.", sprach sie leise weiter und legte dann ihren lastenden Blick von der Seite auf ihn. "Ihr brecht auf?" Jakob nickte nur, erwiderte dann nach kurzem Zögern ihren Blick.
Etwas wie ein Lächeln färbte die Lippen der Erzpriesterin, dann hob sie das Kinn etwas. "Richte deinem Mentor aus, dass er es nicht wagen soll, Iola fortan sich selbst zu überlassen." Fast kam es Jakob so vor, als dringe eine Drohung durch die Worte und vor seinem inneren Auge entstand kurz ein Bild Varelias, die Jarel an einem Ohr gepackt hinter sich her zog. Eilig senkte er den Blick und dann trat auch schon Viktor zu ihnen.
"Kannst du sie fragen, was sie mit ihm machen werden?", bat er Jakob mit noch immer ruhiger Stimme. Dieser gab die Frage an Varelia weiter, deren Bernsteinaugen erst den Toten streiften und dann auf Viktor zur Ruhe kamen.
"Er wird mit allen Riten der Melitele in den Schoß der Erde zurück gegeben. Es sei denn, der Reisende wünscht eine andere Form der Bestattung, dann übergeben wir den Leichnam einem anderen Orden. Deinem zum Beispiel."
Jakob übersetzte und Viktor deutete ein Kopfnicken an. "Danke. Erde. Erde ist gut."
Der Knappe übersetzte erneut und endlich erklärte Viktor sich bereit, ihm ohne weitere Fragen zu folgen. Die Nacht war schon weit fortgeschritten, als sie die ersten Taschen zum Stall brachten und Jakob anfing, die Pferde zu satteln. Viktor war flink und schaffte alles restliche Gepäck heran, sodass der junge Mann sich nur ums Beladen kümmern musste. Trotzdem färbte sich der Himmel im Osten schon grau, als er mit allem fertig war und sie jeder einen Rucksack schulterten. Als Mariposa und Saubraten schließlich reisefertig auf der Straße standen, musterte Jakob den Reisenden erneut einen Moment lang.
"Schon mal auf einem Pferd gesessen?"
"Hmmm... so vor 30 oder 40 Jahren zuletzt... Ich mag die Biester nicht besonders. Keine Bremse."
"Da haben wir was gemeinsam. Hier, nimm Mari. Sie ist brav."
Sie führten die Tiere am Zügel zunächst bis zur Stadtwache, weil Jakob hoffte, dass Jarel vielleicht doch noch in den Kerkern war und Kolja "vernahm". Die Wächter schauten allerdings ziemlich skeptisch, als er nach ihm fragte und einer erklärte schließlich, dass Jarel den Dämon mitgenommen hatte.
"Wieder mal typisch. Weiß die eine Hand nich' was die and're tut.", maulte er noch und Jakob beeilte sich, weiter zu kommen, bevor der Mann noch anfing, sich zu fragen, weshalb der Knappe des Ritters Moore zwar dessen Pferd und Ausrüstung hatte, aber keine Ahnung davon, dass der Ritter mit einem Dämon nach Nowigrad wollte. Er hoffte einfach, dass er den Ärger damit nicht noch vergrößert hatte und führte Sauerbraten bis zur Hauptstraße. Hier half er erst Viktor in die luftige Höhe von Mariposas Rücken und schwang sich dann selbst in den Sattel.
Gemeinsam ritten sie RIchtung Stadttor.
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Arvijd Kostjunari
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von/nach: <von hier>
Datum: Ende Juli 1278 - am Morgen des gleichen Tages
betrifft: Jakob & Viktor
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Und etwa auf dieser Höhe kam ihnen Arvijd entgegen. Er war eine Weile gewandert, hatte gegrübelt und war zu keinem Ergebnis gekommen. Es war und blieb alles sehr merkwürdig und das schlimmste stand ihnen sogar noch bevor.
Er war in Gedanken durchgegangen, was er mitnehmen wollte... musste, doch tatsächlich trug er das meiste bei sich und er würde nicht mit einer Postkutsche reisen. Alle Apparate würden bleiben. Es kam einer Flucht gleich und einem Schuld Eingeständnis, er würde es wohl nicht wagen zurückzukommen, wenn er nun ging ohne auch nur noch einmal ein Wort mit der Erzpriesterin zu wechseln, doch die Zeit, zu packen und zu reden... die hatte er nicht.
Dabei...
Ihm waren geordnete Verhältnisse so wichtig.
Er war beim Abgrund kein Abenteurer.
Er hatte gern ein weiches Bett für seine alten Knochen. Er hatte gerne seine ordentlichen Kleider aus gutem Stoff, Hilf beim ankleiden, Personal. Er hatte immer einen gewissen Stand gehabt und es nie bewusst wahrgenommen. Er hatte früher Empfänge gehasst... Aber nun merkte er wie sehr er es vermisste sie zu hassen.
Und er brauchte seine Bücher, Wissen, eine Bibliothek um zu arbeiten, Licht, Vergrößerungsgläser... Er war eine andere Arbeitsweise gewohnt als man die hier praktizierte aber ohne das Wissen, dass er alles nicht im Kopf hatte war er nur wenig besser als die Menschen hier.
Er war, und das schmerzte zu erkennen, auch als Arzt nur ein Abbild seiner Gesellschaft. Er war nicht nur was er selbst erreicht hatte er war auch was andere für ihn erarbeitet hatten und ohne die Sprossen dieser Leiter stand er ein ganzes Stück tiefer unten als er sich selbst sah.
Das war ihm bewußt geworden während er des Nachts an der Mauer saß, über seine Zukunft nachdachte und wartete und döste, und während er jetzt ging um den Knappen zu holen und alles andere zurückzulassen.
Dennoch war auch ein Funken Freude, an den er sich klammern konnte: Kolja war wieder hier.
Auch wenn es nicht der kleine wilde Dämon war, wie er ihn, solange er in seiner Abwesenheit nicht das geistige Bild korrigierte, meist sah - sondern der große schlecht gelaunte... aber er war hier und vielleicht konnte si zusammen etwas aufbauen... irgendwo... irgendwie.
Kolja... und dann waren da auch die Bilder des Schwanzes, der sich wie aus dem Nichts regeneriert zu haben schien. Aber das war etwas womit er sich ein anderes mal beschäftigen würde.

Fast wäre er mit den beiden Reitern kollidiert.
Er hatte sich das Gesicht des Fremden kaum angesehen geschweige denn gemerkt, auch die Pferde kannte er nicht, obwohl das eine große Ähnlichkeit mit dem Tier aufwies, dass Nikolavo zuhause geritten hatte und das er der Einfachheit halber nur 'Pferd' nennte, mit dem schlagenden Argument, er habe ja nur das eine, wozu andere Namen?
Aber den Knappen kannte er.
Er hatte also alles gepackt und auch den Fremden mitgenommen und war auf dem Weg zu ihnen. Das war vielleicht gut so, entband es ihn davon, sich tatsächlich noch zu verabschieden und zu entscheiden was er und was er nicht mitnehmen sollte.
Besser er drehte jetzt einfach um und ging mit ihnen.
"Ich sehe ihr habt schon gepackt... Gut, kommt mit. Die beiden warten etwas außerhalb, ich führe euch hin."
Er selbst besaß kein Pferd auch wenn er natürlich reiten konnte, aber so ging er zügigen Schrittes neben den beiden her, den Weg wieder zurück. Seine Tasche trug er noch, übergab sie dann aber kurzerhand dem Knappen, damit der sie auf dem gigantischen schwarzen Pferd verstaute.
Dem Fremden wollte er dass nicht zumuten, er erinnerte sich an die Verletzung seiner Hand. Besser jedenfalls als an sein Gesicht. Er hätte auch nach dem kurzen Blick auch jetzt sofort sagen können war alles in Mitleidenschaft gezogen war, welche Knochen und Sehnen wo durchtrennt waren... Nur ein Gesicht hatte er nicht dazu.
Aber den Rest rief er dann wieder ab. Ein Reisender... Und so fiel auch bei dem Arzt der Groschen, reichlich spät.
Er runzelte die Stirn. "Spricht er auch unsere Sprache?" Wandte er sich etwas irritiert an Jakob.
Der Mann sah so fremd aus, aber irgendwie mußte Jakob ihn dazu bekommen haben mitzukommen.
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Jakob von Nagall
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Lebenslauf: Jakob von Nagall

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von/nach: Ordenskloster --> Tempel der Melitele
Datum: 25. August 1278
betrifft: Iola
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Mittagsandacht. Essen. Eine weitere Einheit mit den wyzimaer Knappen, diesmal Fernwaffen. Dann war endlich freie Zeit bis zur Abendglocke, die üblicherweise durch die Ritterväter gefüllt wurde und in Jakobs Fall für den Dienst im Waisenhaus zur Verfügung stand. Er beeilte sich, etwas Ordnung in sein Äußeres zu bringen und verließ dann mit langen Schritten das Ordenskloster. Bei einem Straßenhändler kaufte er kandierte Früchte und gebrannte Nüsse, am Wegrand pflückte er eine Malvenblüte und verbarg sie in seinem Pilgermantel. Wie seltsam dieses Gefühl war, das ihn vorwärts trieb.
Am Tor des Tempels musste er sich bemühen, seine miesepetrige Miene wiederzufinden, als er sich damit anmeldete, der Knappe zu sein, der - mal wieder - im Waisenhaus helfen sollte. Die Schwester ließ ihn ein und Jakob konnte sich so gerade beherrschen, nach Iola zu fragen. Trotzdem streckte er den Hals, spähte in jeden Gang, den er von der Haupthalle her einsehen konnte, in der Hoffnung, sie zu entdecken.
Wer ihn allerdings zuerst entdeckte, war Schwester Margerite, die ihn direkt kassierte und mit sich zu den Kindern schleppte. Und von denen erkannten ihn einige direkt wieder. Er konnte eben noch Mantel und seine kleinen Geschenke auf einer Bank in Sicherheit bringen, bevor die kreischende Masse ihn überspülte, an ihm hoch wallte und letztlich von den Füßen riss.
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Iola
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Ein erstaunlich raues aber grundehrliches Lachen ließ ihn aufmerken, noch ehe die Welle die ihn zu Boden gespült hatte abebbte.
„Kinder, lasst etwas von dem Knappen übrig, sonst kann er euch nicht vorlesen.“
Die Stimme hätte er immer und überall gekannt.
Am Rand des Rasens stand Iola, das Körbchen mit den Bechern und den Getränken am Arm.
Und schon ließen zumindest einige Kinder von ihm ab um sich ihre Erfrischung zu holen.
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Die Stimme sorgte dafür, dass sich in seinem Bauch etwas zusammenzog, aber auf die angenehme Weise. Als kippe der Wagen einer Achterbahn gerade über den Zenit und stürzte dann in die Tiefe auf den ersten Loop zu. Jakob drehte den Kopf ganz automatisch, während zumindest ein Teil der Kinder auf Iola zustürzte. Auf seinem Schoß hockte allerdings immernoch ein kleines Mädchen und plapperte ohne Luft zu holen, die Worte kamen allerdings nicht an. Der Knappe konnte nicht anders als Iola anzusehen und ein Lächeln breitete sich auf seinen Zügen aus.
Der Kleinen wurde es derweil zu blöd und sie nahm einfach sein Gesicht in ihre Händchen und versuchte es zu sich zu drehen, dabei leierte sie: "Jaaakobjaaakobjaaakob guck mal zu miiiir." Was er dann auch tat, notgedrungener Weise und fragend die Brauen hob. Bei der Sache war er nicht. "Machst du mir wieder die Haare? Wie eine Prinzessin!", drang das Gesagte nun allerdings wenigstens durch. Jakob zauste ihr die blonde Mähne und nickte. "Sicher. Aber erstmal was trinken, los.", damit befreite er sich vom Rest der Meute und rappelte sich auf die Füße, um möglichst lässig mit ihnen zu Iola zu schlendern. Angesichts der Grasflecken, die seine Hosen nun zierten, war der Coolnessfaktor allerdings eher nicht auf seiner Seite.
"Hallo Violetta." Rechtzeitig erinnerte er sich, dass sie mitten im Tempelgarten standen, denn er war schon drauf und dran gewesen, sie zur Begrüßung zu küssen. Etwas linkisch blieb er stehen und wusste nicht, was er sagen sollte.
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Iola
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Den Korb hatte Violetta so hingestellt, dass die Meute sich selber bedienen konnte. Eines der älteren Kinder übernahm den Ausschank des gesüßten Tees und verhinderte damit, dass die sechsbeinigen Ameisen im Gras mehr abbekamen als die zweibeinigen darüber.
Die Novizin erwiderte mit einem eleganten, tiefen Knicks, die Hände vor dem Schoß zusammengelegt.
Ohnehin sah Iola bezaubernd aus. Ein bodenlanges, einfach geschnittenes Leinenkleid in einem hellem Grün mit kleinen Stickereien am geschlitzten Rundkragen, nackte Füße und im Haar eingeflochtene Bänder in gleicher Farbe wie das Kleid, deren ändern lose Enden im seichten Wind federleicht flatterten.
Die dunkelblauen Augen funkelten ebenso wie die des Knappen.
„Hallo Jakob.“ Ihre Stimme war noch immer ungewohnt, rau wie das Schnurren einer Katze.
Und auch die angehende Priesterin wusste nicht so recht, wie sie sich verhalten sollte und entschied sich, ihr Augenmerk – zumindest für die Außenstehenden – auf die Kinder zu richten.
Während wie half, erklärte und herzte, wanderte ihr Blick aber immer wieder zu Jakob und er konnte spüren, wie sie ihn mit sehnsüchtigen Blicken nur so überhäufte.
Im Grunde musste es jeder sehen können, der Augen im Kopf hatte. Oder doch nicht?
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Jakob von Nagall
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Lebenslauf: Jakob von Nagall

Jeder Blinde musste das Knistern hören, jeder Taube die rosa Wolke sehen - Effekte, welche die jungen Leute umgaben und immer neues Futter in Blicken fanden, die einander streiften. In wie zufälligen Berührungen im Korb, beim Umgang mit den Kindern... Ein Tanz umeinander, sachte und doch im Einklang, der wirklich nur einem Stockfisch entgehen konnte. Die Schwestern sahen einfach darüber hinweg und sonst gab es nur die Kinder, die beider Aufmerksamkeit immer wieder forderten, abzogen, nur damit sie nach einer Weile ganz automatisch zum jeweils anderen zurück gezogen wurde. Magnetisch.
So verging der Nachmittag und als die Schatten länger wurden, kam ein Wagen zum Tempel - darauf ein hohes, in Tücher gewickeltes Paket und eine ebenfalls in Röcke und Tücher gewickelte Dame gehobenen Alters, die sich als Anisa Rovinsky vorstellte, kaum das Jakob ihr vom Wagen geholfen hatte. Das Paket lud er ebenso ab und die Erzpriesterin wies ihn an, dieses in das an die Küche angrenzende Zimmer zu bringen, in dem an kühlen Abenden musiziert und Handarbeiten getätigt wurden. Dort angekommen, staunte Jakob nicht schlecht, als er eine Harfe auspackte und die Dame sich als von Lothar angestellte Lehrmeisterin entpuppte.
Diese wurde zunächst davon geführt, um ein Zimmer zu beziehen und sich frisch zu machen. Derweil nutzte Jakob die Gelegenheit, Iola, die nie weit weg war, seit er im Tempel weilte, bei der Hand zu nehmen und mit sich zu dem Instrument zu nehmen. Nicht ohne ihr nach kurzem Umsehen einen Kuss auf die Finger zu drücken, auch wenn der brennende Blick in seinen Augen schon wieder ganz andere Küsse verhieß. Aber sie waren nie lange allein und Jakob riss sich mit Gewalt zusammen, lenkte sogleich ab: "Lothar will mich in der Harfe unterrichten. Ein bisschen kann ich schon... komm, hören wir mal, wie sie klingt." Er wirkte nun euphorisch. Musik. Ein Musikinstrument, welches er bedienen konnte und durfte! Wie lange hatte er das nun missen müssen?
Er rückte einen Stuhl zurecht, setzte sich und zupfte ein paar Saiten. Fast wie er erwartet hatte, war das Instrument gestimmt und gab eine harmonische Klangfolge von sich. Er probierte ein wenig herum, improvisierte ein paar Melodiefetzen, bevor er anfing, eine in seiner Welt sehr berühmte Melodie* zu spielen. Diese ging ihm nur leider nicht ganz so flüssig von der Hand wie Bach. Vor allem auf der Basshand vergriff er sich ab und an, was er sich selbst gegenüber mit einem Kopfschütteln zu quittieren pflegte und einen Takt vorher neu ansetzte. Doch im Großen und Ganzen war er ganz zufrieden mit sich, dafür, dass es kein Streicher und kein Klavier war, was er zu beherrschen versuchte.

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*Beethoven - Mondscheinsonate
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Madame Rovinsky wirkte noch etwas erschöpft von der Reise. Mit über Siebzig sollte man nicht mehr den Ochsenkarren besteigen, aber so weit war es ja nicht. Der gute Lothar hatte sie darum gebeten und ja würde sie auch bezahlen zumindest ein wenig. Nicht, dass er durch seine Position kein Vermögen zur Verfügung hatte. Aber Madame verweigerte sich der Almosen. Der Großmeister des Ordens der flammenden Rose hatte schon genug für sie getan und der Gedanke nun ihre alten Tage auf Meliteles heiligen Boden zu verbringen sagten ihr zu. Sentimental könnte man sie beide nennen. Anisa kannte ihn von Kindesbeinen. Sie wusste von seiner Leidenschaft für die Harfe und auch von den Lebkuchen.
Und nun ein junger Mann, der Knappe seines früheren Leibwächters soweit war sie informiert. Ein Talent hatte er geschwärmt, aber das wird man sehen. Zumindest machte der Junge keine halben Sachen und begann sofort eine Melodie zu spielen, die ganz so klang als könnte sie Lothar gefallen. Sie hielt am Türrahmen inne und lauschte bis die Übung geendet hatte. Ja, eine Übung, denn es klang nicht so, als ob er jemals gelernt hatte ein solches Instrument zu spielen. Auch wenn er eine gewisse Begabung für Tonfolgen zeigte.
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Iola
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Die junge Novizin stand einen Schritt von der Harfe entfernt und lauschte ihrem Liebsten mit tiefgreifender Faszination, die sich in einem verliebten Blick und dem leichten, der Melodie wie an einer Schnur gezogenem Wiegen äußerte.
Das die Dame an der Tür sie beobachtete – oder besser Jake lauschte -, bekam Iola erst lange Sekunden später mit.
Entsprechend schrak sie zusammen, begrüßte den Besucher mit einem tiefen Knicks und begann schon zu Gestikulieren, als ihr wieder einfiel, dass sie ja jetzt sprach.
„Seid ihr die Musiklehrerin?“, fragte sie sehr höflich mit der angenehm rauen Stimme, wenngleich diese gerade eine Spur zu hoch war vor Schreck.
Hoffentlich hatte die Dame ihren Blick nicht bemerkt. Und wenn doch bezog sie ihre Emotionalität mit etwas Glück auf die Melodie und nicht auf den Mann, der sie erklingen ließ.
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Musikleherin? Die alte Dame zog leicht das Näschen kraus und musterte ihr Gegenüber. So ganz unbemerkt, schien der gefühlvolle Blick nicht gewesen zu sein, aber sie überging es: „Die gütige Mutter Melitele auch mit euch, junge Schwester. Ja, ich habe diverse Instrumente und Musik in Oxenfurt studiert und diese ebenso über Jahre doziert bis meine Dienste mich nach Dreiberg trugen.“ Madame Rovinsky trat in den Raum hinein und besah sich ihren neuen Schüler und auch die Harfe streng. Sie schob sich eine Haarsträhne zurück in die straffe graue Duttfrisur, legte die letzten Schritte zu Jakob zurück und drückte sanft auf seine Schultern.

„Den Rücken und Schultern etwas lockerer, der junge Herr. Damit hat Lothar ebenfalls angefangen, als mit dem Schwerttraining anfing. Vergiss den Schwertarm, die Harfe ist nicht Euer Gegner, sie ist Eure Geliebte, die Eure beiden Hände, alle zehn Finger liebevoll umschmeicheln sollen.“ Es war nicht zu erkennen, ob sie diesen Vergleich mit Absicht gewählt hatte oder es ihrem musischen Naturell entsprach in solchen Bildern zu reden. Auf jeden Fall hatte sie recht, sollte Jakob ihrer Aufforderung nachgehen.
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Jakob von Nagall
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Lebenslauf: Jakob von Nagall

Jakob war noch halb gefangen in der Analyse, einem Gedankengang, der fast routinemäßig ablief, wenn er ein Stück wie dieses gespielt hatte und nicht zufrieden war. Fehleranalyse. Gedanklich die Noten abspulen. Ein nachdenkliches Zupfen dieses und jenes Takts. Das Instrument war so fremd, so anders und trotzdem grundlegend konzipiert wie Zither oder eben Klavier. Man schlug die Seiten eben direkt an, für jeden Ton eine Saite, keine Pedalerie.
Iola erhob sich und da erst merkte er, dass sie nicht mehr allein waren. Die Dame, die der Großmeister angekündigt hatte erschien. Nicht groß, aber streng. Das Bildnis einer Musikschullehrerin, auch wenn Jakob - typisch katholisches Internat - nur Lehrer gehabt hatte. Ihr Auftreten brachte ihn dazu sich zu erheben und die leichte Verbeugung anzudeuten, die so sehr an seinen Mentor erinnerte. Doch zu einer Begrüßung kam er gar nicht, da wurde er bereits wieder platziert und mit der ersten Lektion bedacht.
Wie eine Geliebte... Kurz, aber verräterisch glitt sein Blick zu Iola, bevor er sich selbst zur Räson rief, seine Position entsprechend anpasste und die Finger locker auf die Seiten legte, um eine fließende Tonabfolge aus dem Instrument zu locken. Plätschernd, mit weichen Bewegungen, als wäre da samtige Haut unter seinen Fingerkuppen und nicht gedrehte und mit feinen Drähten umwickelte Tierdärme. Die ersten Takte vom Intro zu "I don't like Mondays", das hier genauso wenig bekannt war wie Bach oder Beethoven.
"Danke, Sera. Ich bin ganz der Eure. Leider muss ich zwischen Schwert und Harfe wechseln, aber wir finden sicher einen Rhythmus und meine Schultern die Spannung für jedes der beiden Instrumente." Er lächelte sogar ein winziges Bisschen. "Wollt Ihr sofort beginnen?" Einmal am Haken, biss er sich freiwillig fest und ließ so bald nicht locker.
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Iola
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Die junge Novizin war hin und weg. Ob nun rosarote Brille oder Bewunderung der musikalischen Begabung des Mannes dort an der Harfe, wer konnte das schon genau sagen? Vielleicht eine satte Mischung aus beiden.
Jakob anzuhimmeln war mehr als einfach, dass tat sie von ganz allein. Viel schwieriger war es nicht nach außen durchscheinen zu lassen. Die einfachste Lösung war es als schüchternes Mädchen alles vom Rand aus zu betrachten, nichts zu sagen und nach außen hin nur leicht abwesend zu lächeln, während sie sich vorstellte, wie das junge Paar gemeinsam die Nacht verbringen würde, oder wie Jakob am Fuße des Balkons für seine Prinzessin – selbstverständlich für sie – Harfe spielte und um ihre Hand anhielt.
Doch das würde nie geschehen.
Nun seufzte Iola doch, was man jedoch leicht als Bewunderung der zarten Töne, die das exquisite Instrument hervorbrachte, auslegen konnte.
Wenn man wollte.
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Die Dame war einfach zu alt, um den Blick Jakobs nicht zu bemerken. Die beiden waren in dem Alter, in dem das alles neu und aufregend war. Dass einer von beiden Enthaltsamkeit geschworen hatte, war Madame Rovinsky dabei ziemlich egal. Ein junger Mann an einem Ort wie diesem musste schon besondere Interessen haben, um sich nicht für all die Mädchen zu interessieren. Aber deshalb war sie nicht hier und es interessierte sie auch nicht.

„Es freut mich, dass Ihr so eifrig bei der Sache seid. Aber ich bin nicht mehr die Jüngste und etwas erschöpft von der Reise.“ Dennoch kam sie näher, zupfte noch etwas an Jakobs Haltung herum und legte seine Finger ordentlich auf die Saiten. „Jetzt spiele noch mal diese fetzige Melodie.“ Sie hörte zu, nickte leicht im Takt: „Ringfinger, junger Mann. Nochmal von vorne.“ Wieder hörte sie zu, korrigierte. Sah die üblichen Fehler, wenn der kleine Finger und der Ringfinger nicht so ganz trennen wollten. Auch wenn das Klavier spielen da schon geholfen hatte, dennoch fehlte die Übung an der Harfe. Aber diese war Madame bereit dem Knappen zu geben. Weshalb man wiederholte bis das Intro saß.

Erst dann trat sie ein wenig zurück, um es sich endlich fehlerfrei, fast perfekt anzuhören. Diesmal hatte sie die Augen halb geschlossen und lauschte nur den Tönen, als könne sie hören, welcher Finger, welche Saite anschlug.

„Gar nicht schlecht. Wo habt Ihr gelernt?“ Ein solch junges Talent müsste doch eher jemand aufgefallen sein als Lothar.
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Jakob von Nagall
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Lebenslauf: Jakob von Nagall

Konzentriert nahm Jakob jedes Wort der Dame auf, setzte ihre Korrekturen so gut er es vermochte um. Man konnte ihm vieles nachsagen, aber mangelnder Ehrgeiz, wenn er sich einmal einer Sache angenommen hatte, gehörte nicht dazu. Außerdem war er viel zu sehr Perfektionist, wenn es um technische Details ging, egal ob es dabei darum ging, die Desmo einer Dukati auf den letzte Nikrometer genau einzustellen oder eben eine Saite genau da anzuschlagen, wo es vorgesehen war. Und keinen Millimeter zu hoch oder tief. Seine Finger waren eingerostet, so stellte er fest. Über ein Jahr keine Übung und nur Schwert oder Zügel in den Händen forderten eben ihren Tribut. Die Fingerfertigkeit würde mit dem Tun zurück kommen und die Harfe war nicht ganz so anspruchsvoll wie das Klavier, sodass die vom Training feste Muskulatur nur bedingt ein Störfaktor sein würde. Lothar war auch Schwertkämpfer und spielte ausgezeichnet - es musste also möglich sein, so war sich Jakob sicher.
So hart konzentriert, verlor er die Umgebung völlig aus dem Fokus. Was im Kampf fatal war, hatte ihm in der Musik schon immer vorwärts gebracht: das Ausblenden von allem, was nicht Instrument und Ton war. In diese Blase drang nur die Stimme der Dame, die ihn hier und da korrigierte. Und dann war er wieder allein mit sich und blieb es, während die Töne zum letzten Mal aus dem Instrument perlten. Klar und sauber, eine Kaskade wie von Wassertropfen, an deren Ende er in die Überleitung zum eigentlich Stück eintauchte, allerdings abbrach, weil ihm dann doch die Noten im Kopf ausgingen.
Die Hände beruhigend auf die Seiten gelegt, saß er stumm, noch einige Atemzüge lang in seiner Blase verharrend, bevor die Frage Sera Rovinskys zu ihm durch sickerte. Wo hatte er gelernt. Dünnes Eis, schwieriges Terrain. Bedacht setzte er die Harfe auf ihren Fuß, um noch etwas Zeit zu schinden, dann hob er den Blick. "Privat. Mein Vater hat mir und meiner Schwester zu Hause Musikunterricht erteilen lassen. Keine Harfe allerdings, sondern ein Saiteninstrument, bei dem man die Saite streicht. Wie eine Fidel, nur etwas größer." Nicht gelogen, denn das ließ sich mit seinem Glauben nicht vereinbaren. Er hoffte nur, sie wollte nicht mehr Details und er hatte auch hier schon Instrumente gesehen, die wie chinesische Erhus aussahen.
Die Dame hatte gesagt, sie sei müde und er hoffte einfach im Stillen, dass Iola auf dieses Pferd aufsprang.
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„Bei Gelegenheit…“ bemerkte Anisa Rovinsky. „...müsst Ihr mir den Namen Eures Lehrers verraten.“ Wäre doch gelacht, wenn sie ihn nicht kannte, schließlich kannte sie durch ihre Tage als Dozentin eine ganz Menge Personen aus der ‚Szene‘ und eigentlich sollte sie jede Musiklehrkraft der letzten Jahre selbst ausgebildet haben. Aber ihr fiel auch wieder ein, dass bei all den Ordensbrüdern die Vergangenheit nicht weiter hinterfragt wurde, sondern nur das hier und jetzt zählte. Falls das hier ein Problem sein sollte, dann hat der Junge so zumindest die Möglichkeit zu schweigen. Er wäre ja nicht das erste Bankert, das zu einer der Kirchen abgeschoben wurde.

„Aber vorerst werde ich mich zurückziehen und so unsere Stunde morgen Nachmittag weiterführen. Lothar ließ zumindest durchblicken, dass er selbst mal vorbeisehen würde. Wie immer unter Vorbehalt seit er diesen Titel hat…“ Madame musste leicht den Kopf schütteln, als sie daran dachte, wie sie den Fünfjährigen kennenlernte. „Bis dahin aber, wäre ich der jungen und lauschenden Schwester hier, sehr verbunden mich zu meiner Unterkunft zu begleiten.“

Eine Bitte die Iola natürlich nicht ausschlagen konnte, auch wenn es ihr wohl die Sprache verschlagen hatte und sie lieber mit Gesten die Musikleherin begleitete. „Wünsche angenehm zu ruhen, der junge Herr.“ Nach einem Nicken verließ Anisa den Raum.
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