Vorsichtig knabberte auch Jakob am Brot, allerdings machte es ihm die zunehmende Nervosität fast unmöglich, irgendetwas hinunter zu würgen. Wenn es nur erst vorbei wäre. Wenn er nur etwas mehr wüsste... Aber wieso sollte sich dieser Orden auch on seinem unterscheiden? Um den Aufnahmeritus wurde ein großes Geheimnis gemacht, obwohl eigentlich nicht viel dran war. Gebete, Gesang, Schwüre. Bei den Templern ging es erst zur Sache, wenn man zum Ritter geschlagen wurde, denn dann bekam man das Templerkreuz in die Haut des Halses gebrannt. Etwas, was Jakob bisher vermieden hatte, indem er untragbar war. Seine Angst vor Glut und Flamme wog schwerer, als der Wunsch zur Unabhängigkeit.
Er nippte wieder am Tee, grinste schief. "Ich hab bisher auf Alkohol verzichtet und ich denke, ich tue es weiterhin." Er vermied es, von seinem Glauben und seinem alten Orden zu sprechen, doch manche Regeln hatte er so stark verinnerlicht, dass er weiter daran festhielt. Ein Durchatmen.
"Ich bin schrecklich nervös.", gab er ehrlich zu. Ein Ritual, dass ihn erneuerte... Von allen Sünden frei. Eine hübsche Vorstellung, die nur leider nichts mit der Realität zu tun hatte. Niemand fragte mehr, aber damit leben musste man dennoch sein Leben lang.
Er nippte noch einmal am Tee, legte das Brot aber wieder weg. "Ich glaube, ich bin einfach froh, wenn es vorbei ist. Wann geht's los?"
Tempelinsel | Der Orden der Flammenrose | die Komturei in Nowigrad
- Jakob von Nagall
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„Das Ritual an sich ist nur das Zeichen. Was du daraus machst ist das Wichtige.“
Der Ritter hatte anscheinend genug gegessen.
„Nicht mehr lange, dann geht es los. Du wirst abgeholt. Ich lasse dich jetzt allein. Muss mich noch umziehen.“ Er mochte es nicht, im vollen Ornat aufzutreten. Da kam er sich immer wie verkleidet vor.
Aber heute, da war es etwas anderes. Heute konnte er fühlen, wofür all das stand.
Heute war er wirklich von ganzem Herzen der Ritter, den er nach draußen immer gab.
Jarel erhob sich mit einem leisen Seufzen.
„Mach mich stolz, Junge.“ Als ob er das nicht schon längst getan hätte-
Er nickte Jakob zu.
Und ging.
Zurück blieb der Knappe mit Brot und Tee. Mit seinen Ängsten und seiner Nervosität.
Keine halbe Stunde später öffnete jemand – ohne zu klopfen – die Tür.
Zwei Männer betraten den winzigen Raum.
Nun…eigentlich nur einer. Der andere passe nicht mehr hinein.
Jakob wusste nicht wer die beiden waren, denn sie trugen Büßergewänder.
Graubraun, bodenlang, darunter nackte Füße, eine tief ins Gesicht gezogene Kapuze.
Der sich mit ihm im Raum befand stellte ihm eine Waschschüssel mit kaltem Wasser hin, übergab ihm ein Tuch.
Waschen. Natürlich. Der Kappe wusste was zu tun war.
Als er fertig gewaschen und nur in Unterwäsche im Raum stand, ging der erste hinaus und der Zweite trat ein. Er reichte ihm ein Gewand, dass denen der beiden sehr ähnelte.
Ein Büßergewand. Kratziger, graubrauner Stoff, große Kapuze. Es unterschied sich dahingehend, dass es ärmellos war.
Er wurde vor den Raum gebracht und bekam dort die Hände „gebunden“.
Stumm schlangen die beiden ein raues Seil erst um das linke, dann das reche Handgelenk, die der Knappe vor sich streckte.
Es war nicht wirklich eine Fesselung. Es lag zwar eng und band seine Hände, aber es war nur um die recht schmalen Gelenke des jungen Mannes gewickelt. Keine Knoten. Hätte er gewollt, er hätte sich befreien können. Problemlos.
Es waren Symbole. Das Büßergewand. Er war der Sünder. Die Fesseln seine Sünden.
Es ging also in dem Ritual um Läuterung.
Womit sie ihn wohl läutern würden? Wasser? Eine Taufe vielleicht? Gebete?
Noch ahnte nicht, dass das Ritual in ihm auslösen würde. Und auch Jarel wusste nicht, was ihm bevorstand. Sonst hätten er alles anders gemacht. Doch so steuerten die beiden auf eine schwere Prüfung zu.
Der Ritter hatte anscheinend genug gegessen.
„Nicht mehr lange, dann geht es los. Du wirst abgeholt. Ich lasse dich jetzt allein. Muss mich noch umziehen.“ Er mochte es nicht, im vollen Ornat aufzutreten. Da kam er sich immer wie verkleidet vor.
Aber heute, da war es etwas anderes. Heute konnte er fühlen, wofür all das stand.
Heute war er wirklich von ganzem Herzen der Ritter, den er nach draußen immer gab.
Jarel erhob sich mit einem leisen Seufzen.
„Mach mich stolz, Junge.“ Als ob er das nicht schon längst getan hätte-
Er nickte Jakob zu.
Und ging.
Zurück blieb der Knappe mit Brot und Tee. Mit seinen Ängsten und seiner Nervosität.
Keine halbe Stunde später öffnete jemand – ohne zu klopfen – die Tür.
Zwei Männer betraten den winzigen Raum.
Nun…eigentlich nur einer. Der andere passe nicht mehr hinein.
Jakob wusste nicht wer die beiden waren, denn sie trugen Büßergewänder.
Graubraun, bodenlang, darunter nackte Füße, eine tief ins Gesicht gezogene Kapuze.
Der sich mit ihm im Raum befand stellte ihm eine Waschschüssel mit kaltem Wasser hin, übergab ihm ein Tuch.
Waschen. Natürlich. Der Kappe wusste was zu tun war.
Als er fertig gewaschen und nur in Unterwäsche im Raum stand, ging der erste hinaus und der Zweite trat ein. Er reichte ihm ein Gewand, dass denen der beiden sehr ähnelte.
Ein Büßergewand. Kratziger, graubrauner Stoff, große Kapuze. Es unterschied sich dahingehend, dass es ärmellos war.
Er wurde vor den Raum gebracht und bekam dort die Hände „gebunden“.
Stumm schlangen die beiden ein raues Seil erst um das linke, dann das reche Handgelenk, die der Knappe vor sich streckte.
Es war nicht wirklich eine Fesselung. Es lag zwar eng und band seine Hände, aber es war nur um die recht schmalen Gelenke des jungen Mannes gewickelt. Keine Knoten. Hätte er gewollt, er hätte sich befreien können. Problemlos.
Es waren Symbole. Das Büßergewand. Er war der Sünder. Die Fesseln seine Sünden.
Es ging also in dem Ritual um Läuterung.
Womit sie ihn wohl läutern würden? Wasser? Eine Taufe vielleicht? Gebete?
Noch ahnte nicht, dass das Ritual in ihm auslösen würde. Und auch Jarel wusste nicht, was ihm bevorstand. Sonst hätten er alles anders gemacht. Doch so steuerten die beiden auf eine schwere Prüfung zu.
Zuletzt geändert von Jarel Moore am Freitag 5. August 2022, 14:43, insgesamt 1-mal geändert.
- Jarel Moore
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Jarel stand draußen auf dem Platz, vor dem großen Gemauerten Pavillon. Alle Vorbereitungen waren getroffen, es konnte losgehen.
Sein Junge wurde heute vereidigt. Er hatte sich wirklich gut gemacht. Sich sogar ihm gegenüber etwas geöffnet. Und Jarel sich dem Jungen ebenso.
Es war eine Art Freundschaft entstanden, die zum Teil auf Vertrauen, zum Teil auf gemeinsam Erlebten aufbaute.
Was auch immer es war, für den Ritter fühlte es sich Richtig an.
Durchatmend und mit der Andeutung eines Lächelns auf den Lippen sah er sich um.
Er stand gemeinsam mit dem Großkomtur am Rand des sechs Schritt langen und breiten quadratischen Pavillons, an der der beeindruckenden Fassade des Ordenshauses abgewandten Seite. Durch das dekorative, an allen Seiten offene kleine Gebäude hindurch sah er die Treppe, die zum Haupthaus führte. Hinter ihm befanden sich weitere Stufen, gesäumt von den hochrangigsten Mitgliedern des Ordens. Diese würde Jakob als Mitglied hinab schreiten. Er hinter ihm, der Großkomtur hinter dem Ritter.
Auch zu den anderen beiden Durchgängen des Pavillons führten die in Stein gehauenen Stufen.
Etwas nervös sah der Ritter wieder zum Hauptgebäude. Von da würde er kommen. Dann würde er den Abstand zwischen sich und ihm hinter sich bringen und die vergangenen Sünden hinter sich lassen.
Die Knappen und Anwärter standen am Fuße der Treppe verteilt. Auch an den beiden Treppen, die seitlich vom Pavillon hinunterführten.
Zwischen den steinernen Säulen des kleinen dekorativen Gebäudes konnte waren hölzerne Konstruktionen angebracht, die den Durchgang einrahmten, einer vorne und hinten in der Flucht zum Haupttempel, die Seiten waren nicht präpariert.
Die beiden anderen Seiten des Gebäudes waren nicht präpariert. Sollte Jakob diesen Weg nehmen, würde er ausscheiden. An diese Möglichkeit dachte der Ritter nicht einmal im Ansatz. Es gab in seinen Gedanken keinen Grund, warum es schiefgehen konnte.
Noch unterhielten sich die Anwesenden leise.
Der Ritter ließ seinen Blick noch einmal schweifen. Alle Ritter standen im vollen Ornat da, sogar die Knappen hatten sich rausgeputzt, viele brennende flammrote Rosen leuchteten auf vielen strahlend weißen Wappenröcken.
Auch Jarel selber trug sein komplettes Gewand. Er unterschied sich von den anderen einzig darin, das auch sein Oberteil – wie das von Jake – keine Ärmel hatte und er – genau wie sein Knappe – barfuß ging.
Es war zwar kalt und der Herbst hatte die Bäume bereits in den buntesten Farben gefärbt, aber es machte dem Ritter nichts aus. Er war viel zu aufgeregt sich darüber Gedanken zu machen.
Dann war es endlich so weit.
Die Flügeltüren wurden geöffnet und drei Personen in Büßergewändern traten heraus. Die Gespräche und das Raunen verstummten.
Zwei Brüder und der ‚gebundene‘ Jake. In der Tür blieben die drei einen Moment stehen.
Den beiden Brüdern, die Jakob führten, wurden Fackeln gereicht.
Feierlich führten die beiden ihren ‚Gefangenen‘ hin zur ersten Öffnung des kleinen offenen Gebäudes.
Der erste Bruder ließ die Fesseln los, Trat hindurch durch den präparierten Durchgang hindurch, durchquerte die Strecke gemessenen Schrittes, trat auf der anderen Seite wieder heraus.
Auch der verbleibende Führer trat an das Gebäude, ließ seinen Teil des Seils los.
Jakob stand vor dem Durchgang, die beiden Enden des Seiles lagen lose am Boden. Er spürte, wie sich auch die Schlingen um seine Handgelenke lockerten. Sie abzustreifen würde mühelos gehen.
Auf der anderen Seite stand Jarel. Volles Ornat, ärmellose Tunika, barfuß wie er. Beeindruckende Erscheinung.
Eine Hand hielt das andere Handgelenk des Ritters vor dem Körper. Er strahlte Jakob hoch erhobenen Hauptes an.
Jakob war einen Moment abgelenkt, so dass er nicht mitbekam, wie die Brüder in den Büßergewänden gleichzeitig die Fackel an die der Öffnung angepassten Holzkonstruktion hielten.
Dann sah er Jarel nicht mehr. Fauchend schossen direkt vor ihm Flammen hoch, nahmen ihm die Sicht. Hitze prickelte auf seinem Gesicht und seinen nackten Armen und Händen.
Er bekam auch nicht mehr mit, wie die versammelten Männer anfingen eines der von ihm gerade erlernten Gebete zu singen. Auch die erstaunliche, dunkle Stimme die sich druckvoll von den anderen abhob nahm er nicht mehr wahr.
Wäre er bei Verstand gewesen, er hätte genau verstanden, was von ihm erwartet wurde.
Durchgehen. Es war keine Taufe. Kein Wasser. Die Läuterung sollte durch Feuer vollzogen werden.
Feuer!
FEUER!
- Jakob von Nagall
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- Lebenslauf: Jakob von Nagall
Jarel ging und er blieb zurück. Das vielleicht letzte Mal in seinem Leben, betete er ein Ave Maria, denn auch wenn er dem nun den Rücken kehren würde, der Glaube seiner Kindheit gab ihm mehr Rückhalt als all das Fremde, das er noch würde lernen müssen. Er schlug auch das Kreuz, verabschiedete sich stumm vom Christentum. Deutlich ruhiger leerte er seinen Tee.
Wartete.
Nicht besonders lang und doch kam es ihm wie eine Ewigkeit vor, dann erschienen zwei ihm fremde Brüder. Der Eine brachte Wasser, mit dem er sich wusch, der Andere ein Büßerhemd ohne Ärmel. An das raue Gefühl der Kleidung aus dieser Welt hatte er sich noch nicht zur Gänze gewöhnt, doch er murrte nicht, streifte das Gewand über und schlug die Kapuze hoch. Dann band man ihm die Hände und die beiden Männer führten ihn hinaus in Richtung Tempel.
Es war ein kühler Herbsttag, der sie empfing. Von Wolken gedämpftes Licht und hin und wieder ein Windstoß, der bunte Blätter herum wirbelte. Auf dem Vorplatz des Tempels drängten sich Ritter, Knappen und Ordensbrüder dicht an dicht - das Ritual schien etwas besonderes im Alltag des Ordens. Oder lag es daran, dass Jarel seinen Knappen empfing? Diese und tausend andere Gedanken rasten durch Jakobs Gehirn, während er den beiden Brüdern zum Pavillon folgte. Dort auf der anderen Seite stand Jarel, stolz erhobenen Hauptes, im vollen Ornat seiner Ritterschaft. Er wirkte zufrieden, platzte fast, so schien es. Jakob dagegen war unsicher. Was wurde von ihm verlangt?
Die beiden Brüder ließen ihn auf dem Treppenabsatz direkt vor dem Zugang in den Pavillon stehen und gingen in diesen hinein. Die Fackeln, die sie trugen, hatte er versucht zu ignorieren - Feuer war hier immer und überall. Wenn er darauf vorbereitet war, konnte er es ausblenden. Sein Blick glitt zu einer Seite hin, weil sich dort etwas geregt hatte: Henselt, ein Knappe, mit dem Jakob die meisten Dienste und Unterrichtseinheiten teilte, grinste ihm breit zu.
Dann ging die Welt in Flammen auf.
Hitze schoss aus dem Pavillon, wollte Jakob versengen, verbrennen und fressen. Der Schreck, der ihm durch die Glieder fuhr, war weit mehr, als geboren aus gewöhnlicher Überraschung.
Instinkt. Nackte Panik.
Ohne zu denken oder sich weiter zu überlegen, was nun zu tun sei, stolperte Jakob rückwärts... und rollte die Treppe hinab (6/100). Schmerzhaft schlug er zweimal auf dem Weg zurück hinab den Pfad auf, doch er spürte es kaum. Unten angekommen schob er sich noch einen Meter weiter rückwärts, das Seil nur noch um ein Handgelenk geschlungen.
Das Blut rauschte in seinen Ohren, sein Herz schlug heftig in seiner Brust, aber seine Lungen verweigerten ihm vernünftige Atemzüge. Statt dessen hyperventilierte er, japste wie Fisch auf dem Trockenen.
Feuer.
Natürlich.
Wie konnte er so blöd sein? Wie hatte er glauben können, eine Aufnahme in diesen Orden würde nichts mit der Ewigen Flamme zu tun haben? Mit der Läuterung durch die reinigende Kraft des Feuers. Er hatte Jarel doch zugehört, nur verinnerlicht hatte er das Gehörte nicht so recht.
Bebend, um jeden Atemzug ringend, saß Jakob auf dem Pflaster und starrte den brennenden Durchgang an, außer Stande, sich zu rühren. Das war's. Er würde versagen. Er würde Jarel bitter enttäuschen, hier und heute.
Mach mich stolz.
Bei Gott, wie verdammt?! Ihm war siedend heiß bewusst, dass er durch diese beiden Tore musste. Durch diese fauchenden Flammentore, die der Herbstwind, mal nieder drückte und mal aufflammen ließ, den Rauch empor riss oder in Jakobs Augen trieb. Zumindest erklärte er sich selbst so die tränenden Augen.
Eine Feuertaufe, auf deren anderer Seite Jarel stand, singend, wie er hin und wieder durch das Toben der Flammen hören konnte. Und die Gebete hörte er mit einem Mal auch, die Gesänge all derer, die ihn ihrer Mitte aufnehmen wollten.
Immerhin beruhigte sich mit etwas Abstand zum Feuer und dem ersten Schreck seine Atmung so weit, dass er zwischen würgenden Schluchzern auch Atemzüge zu Wege beachte.
Steh auf. Erstmal nur aufstehen. Seine Knie waren so weich, dass selbst das kaum gelang. Er brauchte mehrere Anläufe, stemmte sich gegen die Stufen zu Pavillon - seine Glieder wogen Tonnen, seine Muskeln waren zitternder Brei.
Das Feuer flammte vom Wind auf und Jakob stieß einen Laut aus, den er von sich selbst noch nie gehört hatte und hob schützend die Arme vor das Gesicht, obwohl ihn noch einige Meter vom Durchgang trennten.
Heilige Maria, Mutter Gottes, gib mir Kraft. Heilige Agnes, gib dass die Flammen mich verschonen, wie sie dich verschonten.
Ein stummes Stoßgebet nach dem anderen, alle samt an die Engel und Heiligen seines Glaubens und mit jedem ging er eine Stufe mehr, schleppte sich näher an das für seine Augen grauenvolle Inferno. Jakob zitterte am ganzen Leib, die ihn umgebenden Menschen längst wieder im Nebel seiner Panik versunken. Da war nur Angst, die kalten Schweiß auf seinem Körper niederschlug. Da war Rauch, der seine Kehle rau machte und grausame Erinnerungen weckte. Und da war Feuer.
Feuer und Hitze.
Dann stand er wieder da, wo man ihn zuerst hatte stehen lassen. Starrend. Bebend. Unfähig auch nur einen weiteren Schritt zu tun.
Mach mich stolz.
Um jeden Preis?
Er konnte Jarel auf der anderen Seite sehen, getrennt von ihm durch zwei brennende Vierecke. Er konnte und würde ihm nichts vorwerfen - woher sollte er wissen, was er seinem Knappen hiermit antat?
Ihm war, als fühle er seine rechte Körperseite wieder kochen, schmoren. Roch verbranntes Fleisch und schwelendes Haar. Das Verlangen, sich einfach umzudrehen und zu rennen, war stark. Die nächste Welle der Panik drohte seinen Kopf auszuschalten.
Wegsehen. Nur kurz.
Er drehte den Kopf. Knappen. Zu beiden Seiten. All jene, die es vor ihm geschafft hatten diesen Weg zu gehen. Unversehrt.
Es war nicht weit. Kaum mehr als anderthalb Schritt. Nicht weit.
In seinem Kopf schier unüberwindlich.
Anderthalb Schritt in ein neues Leben.
Ein Neuanfang.
Seine Brust verkrampfte sich, zwangsläufig hielt er den Atem an.
Mach mich stolz.
Mit einem verzweifelten Stöhnen, die Arme vor dem Kopf erhoben ging Jakob von Nagall, Knappe der Tempelritter, nun bald Knappe des Ordens der Flammenrose einen Schritt und dann noch einen (44/100).
Hitze. Rauch. Nun vorn und hinten.
Wie ein gefangenes Tier drehte er sich um Kreis. Zu den Seiten war der Fluchtweg frei, der Impuls dorthin zu laufen, war fast übermächtig... Dann fingen die in Panik geweiteten Augen den Blick aus ruhigem Braun von jenseits der zweiten Flammenwand. Jarel. Er hatte ihn fast vergessen. Er wartete. Streckte ihm die Hand entgegen, ganz hindurch durch das Feuer.
Atmen. Um Beherrschung ringen.
Hätte er was im Magen gehabt, er hätte es längst hoch gewürgt.
Er war wieder fünfzehn.
Er starb wieder.
Nein, er war nicht gestorben. Eine Hand hatte ihn gepackt und ihn ungefragt ins Leben zurück gezerrt - ein Leben, auf das er eigentlich keinen Wert mehr gelegt und das er fortan mit allen Mitteln an seine Grenzen getrieben hatte. Und dieses? Diesmal konnte er entscheiden, ob er die Hand nahm und sich in ein drittes Leben ziehen ließ.
Im Feuer war er verbrannt.
Aus dem Feuer sollte er neu geboren werden.
Jakob packte die Hand (30/100) - nicht wie ein Handschlag, sondern eher als wolle er Armdrücken. Und kaum umschlossen sich seine und Jarels Finger, fühlte er, wie er vorwärts gezogen wurde, kraftvoll und schnell, mitten durchs Feuer.
Er fiel mehr vorwärts, prallte gegen einen gepanzerten Körper. Zitternd, am Ende seiner seelischen Kräfte und noch immer mit den Wellen der Panik ringend, bis aus den stockenden Atemzügen ein haltloses Schluchzen wurde.
Egal was dieser Weg nun noch für ihn bereit halten mochte, es war offenkundig, dass Jakobs größtes Opfer eben erbracht worden war.
Wartete.
Nicht besonders lang und doch kam es ihm wie eine Ewigkeit vor, dann erschienen zwei ihm fremde Brüder. Der Eine brachte Wasser, mit dem er sich wusch, der Andere ein Büßerhemd ohne Ärmel. An das raue Gefühl der Kleidung aus dieser Welt hatte er sich noch nicht zur Gänze gewöhnt, doch er murrte nicht, streifte das Gewand über und schlug die Kapuze hoch. Dann band man ihm die Hände und die beiden Männer führten ihn hinaus in Richtung Tempel.
Es war ein kühler Herbsttag, der sie empfing. Von Wolken gedämpftes Licht und hin und wieder ein Windstoß, der bunte Blätter herum wirbelte. Auf dem Vorplatz des Tempels drängten sich Ritter, Knappen und Ordensbrüder dicht an dicht - das Ritual schien etwas besonderes im Alltag des Ordens. Oder lag es daran, dass Jarel seinen Knappen empfing? Diese und tausend andere Gedanken rasten durch Jakobs Gehirn, während er den beiden Brüdern zum Pavillon folgte. Dort auf der anderen Seite stand Jarel, stolz erhobenen Hauptes, im vollen Ornat seiner Ritterschaft. Er wirkte zufrieden, platzte fast, so schien es. Jakob dagegen war unsicher. Was wurde von ihm verlangt?
Die beiden Brüder ließen ihn auf dem Treppenabsatz direkt vor dem Zugang in den Pavillon stehen und gingen in diesen hinein. Die Fackeln, die sie trugen, hatte er versucht zu ignorieren - Feuer war hier immer und überall. Wenn er darauf vorbereitet war, konnte er es ausblenden. Sein Blick glitt zu einer Seite hin, weil sich dort etwas geregt hatte: Henselt, ein Knappe, mit dem Jakob die meisten Dienste und Unterrichtseinheiten teilte, grinste ihm breit zu.
Dann ging die Welt in Flammen auf.
Hitze schoss aus dem Pavillon, wollte Jakob versengen, verbrennen und fressen. Der Schreck, der ihm durch die Glieder fuhr, war weit mehr, als geboren aus gewöhnlicher Überraschung.
Instinkt. Nackte Panik.
Ohne zu denken oder sich weiter zu überlegen, was nun zu tun sei, stolperte Jakob rückwärts... und rollte die Treppe hinab (6/100). Schmerzhaft schlug er zweimal auf dem Weg zurück hinab den Pfad auf, doch er spürte es kaum. Unten angekommen schob er sich noch einen Meter weiter rückwärts, das Seil nur noch um ein Handgelenk geschlungen.
Das Blut rauschte in seinen Ohren, sein Herz schlug heftig in seiner Brust, aber seine Lungen verweigerten ihm vernünftige Atemzüge. Statt dessen hyperventilierte er, japste wie Fisch auf dem Trockenen.
Feuer.
Natürlich.
Wie konnte er so blöd sein? Wie hatte er glauben können, eine Aufnahme in diesen Orden würde nichts mit der Ewigen Flamme zu tun haben? Mit der Läuterung durch die reinigende Kraft des Feuers. Er hatte Jarel doch zugehört, nur verinnerlicht hatte er das Gehörte nicht so recht.
Bebend, um jeden Atemzug ringend, saß Jakob auf dem Pflaster und starrte den brennenden Durchgang an, außer Stande, sich zu rühren. Das war's. Er würde versagen. Er würde Jarel bitter enttäuschen, hier und heute.
Mach mich stolz.
Bei Gott, wie verdammt?! Ihm war siedend heiß bewusst, dass er durch diese beiden Tore musste. Durch diese fauchenden Flammentore, die der Herbstwind, mal nieder drückte und mal aufflammen ließ, den Rauch empor riss oder in Jakobs Augen trieb. Zumindest erklärte er sich selbst so die tränenden Augen.
Eine Feuertaufe, auf deren anderer Seite Jarel stand, singend, wie er hin und wieder durch das Toben der Flammen hören konnte. Und die Gebete hörte er mit einem Mal auch, die Gesänge all derer, die ihn ihrer Mitte aufnehmen wollten.
Immerhin beruhigte sich mit etwas Abstand zum Feuer und dem ersten Schreck seine Atmung so weit, dass er zwischen würgenden Schluchzern auch Atemzüge zu Wege beachte.
Steh auf. Erstmal nur aufstehen. Seine Knie waren so weich, dass selbst das kaum gelang. Er brauchte mehrere Anläufe, stemmte sich gegen die Stufen zu Pavillon - seine Glieder wogen Tonnen, seine Muskeln waren zitternder Brei.
Das Feuer flammte vom Wind auf und Jakob stieß einen Laut aus, den er von sich selbst noch nie gehört hatte und hob schützend die Arme vor das Gesicht, obwohl ihn noch einige Meter vom Durchgang trennten.
Heilige Maria, Mutter Gottes, gib mir Kraft. Heilige Agnes, gib dass die Flammen mich verschonen, wie sie dich verschonten.
Ein stummes Stoßgebet nach dem anderen, alle samt an die Engel und Heiligen seines Glaubens und mit jedem ging er eine Stufe mehr, schleppte sich näher an das für seine Augen grauenvolle Inferno. Jakob zitterte am ganzen Leib, die ihn umgebenden Menschen längst wieder im Nebel seiner Panik versunken. Da war nur Angst, die kalten Schweiß auf seinem Körper niederschlug. Da war Rauch, der seine Kehle rau machte und grausame Erinnerungen weckte. Und da war Feuer.
Feuer und Hitze.
Dann stand er wieder da, wo man ihn zuerst hatte stehen lassen. Starrend. Bebend. Unfähig auch nur einen weiteren Schritt zu tun.
Mach mich stolz.
Um jeden Preis?
Er konnte Jarel auf der anderen Seite sehen, getrennt von ihm durch zwei brennende Vierecke. Er konnte und würde ihm nichts vorwerfen - woher sollte er wissen, was er seinem Knappen hiermit antat?
Ihm war, als fühle er seine rechte Körperseite wieder kochen, schmoren. Roch verbranntes Fleisch und schwelendes Haar. Das Verlangen, sich einfach umzudrehen und zu rennen, war stark. Die nächste Welle der Panik drohte seinen Kopf auszuschalten.
Wegsehen. Nur kurz.
Er drehte den Kopf. Knappen. Zu beiden Seiten. All jene, die es vor ihm geschafft hatten diesen Weg zu gehen. Unversehrt.
Es war nicht weit. Kaum mehr als anderthalb Schritt. Nicht weit.
In seinem Kopf schier unüberwindlich.
Anderthalb Schritt in ein neues Leben.
Ein Neuanfang.
Seine Brust verkrampfte sich, zwangsläufig hielt er den Atem an.
Mach mich stolz.
Mit einem verzweifelten Stöhnen, die Arme vor dem Kopf erhoben ging Jakob von Nagall, Knappe der Tempelritter, nun bald Knappe des Ordens der Flammenrose einen Schritt und dann noch einen (44/100).
Hitze. Rauch. Nun vorn und hinten.
Wie ein gefangenes Tier drehte er sich um Kreis. Zu den Seiten war der Fluchtweg frei, der Impuls dorthin zu laufen, war fast übermächtig... Dann fingen die in Panik geweiteten Augen den Blick aus ruhigem Braun von jenseits der zweiten Flammenwand. Jarel. Er hatte ihn fast vergessen. Er wartete. Streckte ihm die Hand entgegen, ganz hindurch durch das Feuer.
Atmen. Um Beherrschung ringen.
Hätte er was im Magen gehabt, er hätte es längst hoch gewürgt.
Er war wieder fünfzehn.
Er starb wieder.
Nein, er war nicht gestorben. Eine Hand hatte ihn gepackt und ihn ungefragt ins Leben zurück gezerrt - ein Leben, auf das er eigentlich keinen Wert mehr gelegt und das er fortan mit allen Mitteln an seine Grenzen getrieben hatte. Und dieses? Diesmal konnte er entscheiden, ob er die Hand nahm und sich in ein drittes Leben ziehen ließ.
Im Feuer war er verbrannt.
Aus dem Feuer sollte er neu geboren werden.
Jakob packte die Hand (30/100) - nicht wie ein Handschlag, sondern eher als wolle er Armdrücken. Und kaum umschlossen sich seine und Jarels Finger, fühlte er, wie er vorwärts gezogen wurde, kraftvoll und schnell, mitten durchs Feuer.
Er fiel mehr vorwärts, prallte gegen einen gepanzerten Körper. Zitternd, am Ende seiner seelischen Kräfte und noch immer mit den Wellen der Panik ringend, bis aus den stockenden Atemzügen ein haltloses Schluchzen wurde.
Egal was dieser Weg nun noch für ihn bereit halten mochte, es war offenkundig, dass Jakobs größtes Opfer eben erbracht worden war.
- Jarel Moore
- Spieler Level 5
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- Lebenslauf: Jarel
Der Ritter hatte nicht mitbekommen, wie Jakob gestürzt war. Nur dass er sich kurz entfernt hatte und dann zurückkehrte. Dann flaute der Wind ab und die Flammen versperrte ihm abermals die Sicht.
Jetzt würde er durch das Feuer treten. Und jetzt wurde es Zeit ihm die Hand zu reichen.
Ohne zu zögern streckte er seinem Knappen – seinem Nachfolger – dem Jungen den er liebte wie einen Sohn – die Hand entgegen.
Es dauerte. Es dauerte ungewöhnlich lange. Als erstes begann die tiefe Stimme des Ritters zu zittern.
Ein weiterer Liedschlag. Jarel verstummte und knirschte mit den Zähnen.
Was war los? War der Junge gestürzt? Ging es ihm gut? Hatte er seine Prüfung vergeigt, weil er durch den Seitenausgang…
Nein! Nicht Jakob. Der einzige, der noch sturer war als der Junge war er selber. Der Kleine würde nicht aufgeben.
Jarel fletschte die Zähne, stieß ein gepresstes, leises „Jaaa-kob…“ zwischen den Zähne hervor, sah kurz mit verzerrter Miene zu Wenzel.
Ein weiterer Liedschlag. Der Ritter kämpfte an zwei Stellen gleichzeitig um Beherrschung. Einmal die Hand nicht zurückzuziehen und seinen Knappen somit im Stich zu lassen.
Und an der anderen war da der Schwarze.
Doch dann griff jemand seine Hand, hakte seinen Daumen in seinen ein, schlang zitternde Finger um seinen Handballen.
Jarel zog.
Und hielt Sekunden später ein Bündel Elend im Arm. Jake war regelrecht in ihn hineingestürzt.
Der Ritter fing ihn auf, drückte ihn an sich. Ein weiterer erstaunter, besorgter Blick zum Großkomtur.
Die Gesänge gerieten ins Stocken, verstummten.
Mit der linken hielt Jarel den Jungen an sich gedrückt. Die rechte lag zwischen ihnen. Weder der Ritter noch sein Knappe hatten losgelassen.
Raunen ging durch die Menge. Einer der Knappen löste sich sogar und wollte zu ihnen kommen.
„Bei Elunes Güte…was ist passiert? Hast du dich verbrannt? Bist du verletzt?“, die flüsternde Stimme des Ritters direkt an Jakobs Ohr. Er verstand noch immer nicht, was geschehen war.
Er hörte seinen Schützling weinen, schluchzen.
Und langsam, viel zu spät ging ihm ein Licht auf. Die Narben… Der Ritter stöhnte auf.
In der Zwischenzeit hatten ALLE mitbekommen, dass etwas nicht stimmte.
Wieder hob der ehemalige Schattenläufer den Blick zu seinem Schwertherrn.
„Lass löschen. Ich bringe ihn rein zu mir. Ruf einen Heiler. Bitte.“
Was hatte er getan? Wer, wenn nicht er selbst wusste, dass sich hinter der bissigen, aggressiven Maske des Jungen etwas anders verbarg. Ein schutzbedürftiger Junge mit längst nicht bewältigten Problemen.
Was hatte er nur getan?!
„Ich bringe dich in mein Quartier.“, erklärte er im sanften Ton und versuchte einen ersten Schritt.
Wie hatte er so blind sein können? So dumm?
Einige der Brüder wollten sich nähern, aber der Blick des Ritters ließ sie sofort zurückweichen.
„Kannst du gehen?“, fragte er heiser.
Jetzt würde er durch das Feuer treten. Und jetzt wurde es Zeit ihm die Hand zu reichen.
Ohne zu zögern streckte er seinem Knappen – seinem Nachfolger – dem Jungen den er liebte wie einen Sohn – die Hand entgegen.
Es dauerte. Es dauerte ungewöhnlich lange. Als erstes begann die tiefe Stimme des Ritters zu zittern.
Ein weiterer Liedschlag. Jarel verstummte und knirschte mit den Zähnen.
Was war los? War der Junge gestürzt? Ging es ihm gut? Hatte er seine Prüfung vergeigt, weil er durch den Seitenausgang…
Nein! Nicht Jakob. Der einzige, der noch sturer war als der Junge war er selber. Der Kleine würde nicht aufgeben.
Jarel fletschte die Zähne, stieß ein gepresstes, leises „Jaaa-kob…“ zwischen den Zähne hervor, sah kurz mit verzerrter Miene zu Wenzel.
Ein weiterer Liedschlag. Der Ritter kämpfte an zwei Stellen gleichzeitig um Beherrschung. Einmal die Hand nicht zurückzuziehen und seinen Knappen somit im Stich zu lassen.
Und an der anderen war da der Schwarze.
Doch dann griff jemand seine Hand, hakte seinen Daumen in seinen ein, schlang zitternde Finger um seinen Handballen.
Jarel zog.
Und hielt Sekunden später ein Bündel Elend im Arm. Jake war regelrecht in ihn hineingestürzt.
Der Ritter fing ihn auf, drückte ihn an sich. Ein weiterer erstaunter, besorgter Blick zum Großkomtur.
Die Gesänge gerieten ins Stocken, verstummten.
Mit der linken hielt Jarel den Jungen an sich gedrückt. Die rechte lag zwischen ihnen. Weder der Ritter noch sein Knappe hatten losgelassen.
Raunen ging durch die Menge. Einer der Knappen löste sich sogar und wollte zu ihnen kommen.
„Bei Elunes Güte…was ist passiert? Hast du dich verbrannt? Bist du verletzt?“, die flüsternde Stimme des Ritters direkt an Jakobs Ohr. Er verstand noch immer nicht, was geschehen war.
Er hörte seinen Schützling weinen, schluchzen.
Und langsam, viel zu spät ging ihm ein Licht auf. Die Narben… Der Ritter stöhnte auf.
In der Zwischenzeit hatten ALLE mitbekommen, dass etwas nicht stimmte.
Wieder hob der ehemalige Schattenläufer den Blick zu seinem Schwertherrn.
„Lass löschen. Ich bringe ihn rein zu mir. Ruf einen Heiler. Bitte.“
Was hatte er getan? Wer, wenn nicht er selbst wusste, dass sich hinter der bissigen, aggressiven Maske des Jungen etwas anders verbarg. Ein schutzbedürftiger Junge mit längst nicht bewältigten Problemen.
Was hatte er nur getan?!
„Ich bringe dich in mein Quartier.“, erklärte er im sanften Ton und versuchte einen ersten Schritt.
Wie hatte er so blind sein können? So dumm?
Einige der Brüder wollten sich nähern, aber der Blick des Ritters ließ sie sofort zurückweichen.
„Kannst du gehen?“, fragte er heiser.
Der Ritter Jarel Moore hatte seine Rechnung ohne Wenzel von Herrenloh gemacht. Der Großkomtur war kein Unmensch, doch er war dennoch der erste Mann in dieser Ritterschaft, bedacht die Herde gesund und den Schwertarm der Flammenrose stark zu halten. Schwäche im Angesicht der allmächtigen Flamme war für den Herrn über die Ritter indiskutabel, aber er kannte auch seinen einstigen Zögling und dessen manchmal viel zu weiches Herz. Wenzel straffte sich - wenn das überhaupt möglich war - noch ein wenig mehr und auch wenn seine Gestalt nicht so hoch aufragte, wie jene Jarels, so gelang es ihm doch irgendwie immer, von oben herab zu blicken, wenn er es wünschte.
Sicher sah auch er in welchem Zustand sich Jarels erwählter Knappe befand, aber Wenzel entdeckte keine äußerlichen Verletzungen, also würde er den Ritus auch irgendwie beenden können. Wenn ihm dafür schon die Kraft fehlte, würde er auch nicht die Stärke haben, seinen Weg weiter zu gehen.
Eine herrische Geste hielt also die Brüder auf, die tatsächlich schon den Pavillon löschen wollten, obwohl die Äußerung von Jarel kam und nicht von ihm. Fast hätte er dem Zorn darüber auch noch freien Lauf gelassen - noch war ER der Großkomtur, auch wenn viele seine Nachfolge schon wie in Stein gemeißelt sahen - aber er war ein bis in die Haarspitzen beherrschter Mann, den zu lesen selbst sein einstiger Zögling nicht immer vollends verstand.
Sein Blick legte sich auf den jungen Mann, den Jarel fort führen wollte und seine Stimme hatte den Klang tiefkalten Stahls, erbarmungslos und an Gehorsam gewöhnt. "Ritter Moore, Euer Knappe wird die Initiation beenden." Er sparte sich das 'oder', so gut kannte Jarel ihn dann wohl doch.
Ein wenig, doch nicht viel, milder, setzte er hinzu: "Jakob von Nagall, die Ewige Flamme hat dich angenommen und in unsere Mitte schreiten lassen. Weise das Geschenk nicht ab. In ihrem Feuer schmieden wir den Stahl unseres Glaubens. Nur jene, die nicht reinen Herzens sind, müssen die Flamme fürchten." Er tat einen Schritt zurück, wartend, dass Knappe und Ritter mit ihm zum Tempel schreiten würden. Ein Blick zum Kantor und der sorgte zugleich dafür, dass die Brüder wieder anfingen zu singen. Dann erst blickte er Jarel in die Augen, unerbittlich. Der Herr über die Ritterschaft der Flammenrose in Nowigrad würde keine weiteren Szenen dulden
Sicher sah auch er in welchem Zustand sich Jarels erwählter Knappe befand, aber Wenzel entdeckte keine äußerlichen Verletzungen, also würde er den Ritus auch irgendwie beenden können. Wenn ihm dafür schon die Kraft fehlte, würde er auch nicht die Stärke haben, seinen Weg weiter zu gehen.
Eine herrische Geste hielt also die Brüder auf, die tatsächlich schon den Pavillon löschen wollten, obwohl die Äußerung von Jarel kam und nicht von ihm. Fast hätte er dem Zorn darüber auch noch freien Lauf gelassen - noch war ER der Großkomtur, auch wenn viele seine Nachfolge schon wie in Stein gemeißelt sahen - aber er war ein bis in die Haarspitzen beherrschter Mann, den zu lesen selbst sein einstiger Zögling nicht immer vollends verstand.
Sein Blick legte sich auf den jungen Mann, den Jarel fort führen wollte und seine Stimme hatte den Klang tiefkalten Stahls, erbarmungslos und an Gehorsam gewöhnt. "Ritter Moore, Euer Knappe wird die Initiation beenden." Er sparte sich das 'oder', so gut kannte Jarel ihn dann wohl doch.
Ein wenig, doch nicht viel, milder, setzte er hinzu: "Jakob von Nagall, die Ewige Flamme hat dich angenommen und in unsere Mitte schreiten lassen. Weise das Geschenk nicht ab. In ihrem Feuer schmieden wir den Stahl unseres Glaubens. Nur jene, die nicht reinen Herzens sind, müssen die Flamme fürchten." Er tat einen Schritt zurück, wartend, dass Knappe und Ritter mit ihm zum Tempel schreiten würden. Ein Blick zum Kantor und der sorgte zugleich dafür, dass die Brüder wieder anfingen zu singen. Dann erst blickte er Jarel in die Augen, unerbittlich. Der Herr über die Ritterschaft der Flammenrose in Nowigrad würde keine weiteren Szenen dulden
- Jakob von Nagall
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- Registriert: Sonntag 7. November 2021, 10:18
- Lebenslauf: Jakob von Nagall
Jakob hörte lange gar nichts, außer seinen eigenen rasenden Puls und seine krampfhaften Atemzüge. Die Umarmung, in der er mehr hing als stand, gab ihm einen Kokon aus Sicherheit, in dem sein aufgewühltes Inneres irgendwie wieder zu sich kommen konnte.
Es war vorbei.
Er war durch.
Er brannte nicht.
Jarels Stimme drang zuerst zu ihm durch, doch viel präsenter waren die Worte des Großkomturs. Sicher, am liebsten hätte er sich jetzt irgendwo verkrochen. Allein. Fernab all dieser Menschen, nur für sich. Aber es war noch nicht zu Ende, das stellte von Herrenloh mit der Autorität seines Amtes klar.
Jakob presste seine Stirn noch einen fragilen Moment der Hilflosigkeit lang gegen Jarel. Dann sagte er etwas und für die meisten Ohren ging es im erneut aufflammenden Gesang unter, doch Jarel war ihm nah genug, um jedes Wort zu verstehen. Ein Teil der Liturgie, die der Ritter selbst noch mit Jakob einstudiert hatte und deren Wahrheit diesem nun schmerzlich zu Bewusstsein gekommen war.
"Die Ewige Flamme ist das Licht des Lebens und das Ende all dessen. Ins Licht werden wir geboren und ins Feuer gehen wir nach unserem Tod. Die Ewige Flamme reinigt unsere Seele, auf das wir wiedergeboren werden durch ihre Gnade. Im Kreis von Werden und Vergehen. Ende und Neuanfang."
Anfangs war seine Stimme bebend, unterbrochen von heftigen Atemzügen, doch wie Gebete es bei ihm taten, bewirkte auch diese kurze Rezitation, dass Jakob zumindest zu sich kam. Sein Körper zitterte noch immer unkontrolliert und der Blick, den er zu Jarel hob, wirkte zutiefst gequält, aber er würde das hier beenden und wenn es ihn endgültig zerbrach. Nun war er schon so weit gekommen.
Mit dem freien Arm wischte er sich fahrig über das Gesicht, Ruß und Tränen zu einer Kriegsbemalung verschmierend, bevor er die Augen eine Sekunde lang schloss, um sich genügend zu sammeln, damit seine eigenen Füße ihn wieder trugen.
Jakob hatte jahrelange Übung darin, sich in sich selbst zu Verbarrikadieren, auch wenn es ihm das eben erlebte deutlich erschwerte, diese Kontrolle wieder zu erlangen. Es reichte, genügend Gleichgültigkeit aufzubringen, um die Ritter und Knappen auszublenden, die seinen Absturz verfolgt hatten.
Als er die Augen wieder aufschlug, waren sie noch immer glasig, doch das kranke Kind hinter der Fenstern war einmal mehr in der Dunkelheit verschwunden.
"Geht schon. Geh'n wir."
Es war vorbei.
Er war durch.
Er brannte nicht.
Jarels Stimme drang zuerst zu ihm durch, doch viel präsenter waren die Worte des Großkomturs. Sicher, am liebsten hätte er sich jetzt irgendwo verkrochen. Allein. Fernab all dieser Menschen, nur für sich. Aber es war noch nicht zu Ende, das stellte von Herrenloh mit der Autorität seines Amtes klar.
Jakob presste seine Stirn noch einen fragilen Moment der Hilflosigkeit lang gegen Jarel. Dann sagte er etwas und für die meisten Ohren ging es im erneut aufflammenden Gesang unter, doch Jarel war ihm nah genug, um jedes Wort zu verstehen. Ein Teil der Liturgie, die der Ritter selbst noch mit Jakob einstudiert hatte und deren Wahrheit diesem nun schmerzlich zu Bewusstsein gekommen war.
"Die Ewige Flamme ist das Licht des Lebens und das Ende all dessen. Ins Licht werden wir geboren und ins Feuer gehen wir nach unserem Tod. Die Ewige Flamme reinigt unsere Seele, auf das wir wiedergeboren werden durch ihre Gnade. Im Kreis von Werden und Vergehen. Ende und Neuanfang."
Anfangs war seine Stimme bebend, unterbrochen von heftigen Atemzügen, doch wie Gebete es bei ihm taten, bewirkte auch diese kurze Rezitation, dass Jakob zumindest zu sich kam. Sein Körper zitterte noch immer unkontrolliert und der Blick, den er zu Jarel hob, wirkte zutiefst gequält, aber er würde das hier beenden und wenn es ihn endgültig zerbrach. Nun war er schon so weit gekommen.
Mit dem freien Arm wischte er sich fahrig über das Gesicht, Ruß und Tränen zu einer Kriegsbemalung verschmierend, bevor er die Augen eine Sekunde lang schloss, um sich genügend zu sammeln, damit seine eigenen Füße ihn wieder trugen.
Jakob hatte jahrelange Übung darin, sich in sich selbst zu Verbarrikadieren, auch wenn es ihm das eben erlebte deutlich erschwerte, diese Kontrolle wieder zu erlangen. Es reichte, genügend Gleichgültigkeit aufzubringen, um die Ritter und Knappen auszublenden, die seinen Absturz verfolgt hatten.
Als er die Augen wieder aufschlug, waren sie noch immer glasig, doch das kranke Kind hinter der Fenstern war einmal mehr in der Dunkelheit verschwunden.
"Geht schon. Geh'n wir."
- Jarel Moore
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- Lebenslauf: Jarel
Sein Schwertherr wies ihn zu Recht. Jakob sollte weiter gehen. Allein. Wenzel von Herrenloh verlangte es. Sein Großkomtur verlangte es.
Der Ritter war hin und her gerissen zwischen der Sorge um den Verstand seines Schützlings und dem Gehorsam, den er noch niemals verweigert hatte.
Nicht ein einziges Mal. Er hatte den Großkomtur immer gehorcht. Manchmal mit Fluchen und Zähneknirschen, doch verweigert hat er sich ihm nie.
Nun musste er wählen. Sein Orden, oder der Junge.
Fest sah er seinem Großkomtur in die Augen.
Er würde wählen. Und er wählte…
Ein Gebet! Jarels Blick ruckte herum, fixierte Jake.
Der Junge sprach die Worte, die sie zusammen eingeübt hatten!
Unglaublich! Er hatte zurückgefunden. Aus eigenen Kräften.
Der Ritter stimmte erleichtert lächelnd ein. Erst leise, nur für Jakobs Ohren bestimmt. Dann etwas lauter, doch nur so laut, dass es Jakobs Worte unterstrich, nicht übertönte.
Als der Junge ihn so gequält ansah, strich er ihm mit der Hand tröstend über den Kopf.
„Verzeih mir.“, flüsterte der Ritter leise.
Ganz vorsichtig drückte er Jakob auf Armlänge von sich weg, heilt ihn mit der linken noch an der Schulter. Die rechte hatten beide noch immer nicht gelöst.
„Du musst vor gehen. Allein.“, erklärte der Ältere sanft und löste vorsichtig seine Hand aus der seines Knappen. „Ich bin direkt hinter dir.“
Und das war er. Aufrecht ging er hinter Jakob her. Er sang nicht, nahm nur den Mann vor sich wahr.
Was hatte er ihm zugemutet…
Fest presste er die Zähne aufeinander. Hintereinander schritten sie zwischen den Brüdern her.
Jakob, Jarel, Wenzel. Der Junge ging aufrecht und gerade, auch wenn das Zittern für Jarel unübersehbar war.
Erst als sich die Tore des Tempels hinter ihm schlossen atmete er auf.
Und erst jetzt spürte er das Brennen des Unterarmes und nahm den Geruch von Schweinebraten wahr. Doch das war nebensächlich.
„Jakob…“ es fehlten ihm die Worte.
„Willkommen im Orden.“
Der Ritter war hin und her gerissen zwischen der Sorge um den Verstand seines Schützlings und dem Gehorsam, den er noch niemals verweigert hatte.
Nicht ein einziges Mal. Er hatte den Großkomtur immer gehorcht. Manchmal mit Fluchen und Zähneknirschen, doch verweigert hat er sich ihm nie.
Nun musste er wählen. Sein Orden, oder der Junge.
Fest sah er seinem Großkomtur in die Augen.
Er würde wählen. Und er wählte…
Ein Gebet! Jarels Blick ruckte herum, fixierte Jake.
Der Junge sprach die Worte, die sie zusammen eingeübt hatten!
Unglaublich! Er hatte zurückgefunden. Aus eigenen Kräften.
Der Ritter stimmte erleichtert lächelnd ein. Erst leise, nur für Jakobs Ohren bestimmt. Dann etwas lauter, doch nur so laut, dass es Jakobs Worte unterstrich, nicht übertönte.
Als der Junge ihn so gequält ansah, strich er ihm mit der Hand tröstend über den Kopf.
„Verzeih mir.“, flüsterte der Ritter leise.
Ganz vorsichtig drückte er Jakob auf Armlänge von sich weg, heilt ihn mit der linken noch an der Schulter. Die rechte hatten beide noch immer nicht gelöst.
„Du musst vor gehen. Allein.“, erklärte der Ältere sanft und löste vorsichtig seine Hand aus der seines Knappen. „Ich bin direkt hinter dir.“
Und das war er. Aufrecht ging er hinter Jakob her. Er sang nicht, nahm nur den Mann vor sich wahr.
Was hatte er ihm zugemutet…
Fest presste er die Zähne aufeinander. Hintereinander schritten sie zwischen den Brüdern her.
Jakob, Jarel, Wenzel. Der Junge ging aufrecht und gerade, auch wenn das Zittern für Jarel unübersehbar war.
Erst als sich die Tore des Tempels hinter ihm schlossen atmete er auf.
Und erst jetzt spürte er das Brennen des Unterarmes und nahm den Geruch von Schweinebraten wahr. Doch das war nebensächlich.
„Jakob…“ es fehlten ihm die Worte.
„Willkommen im Orden.“
- Jarel Moore
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- Registriert: Freitag 25. März 2022, 23:06
- Lebenslauf: Jarel
Der Tag zog wie hinter einem waberndem Nebel an Jake vorbei.
Obwohl seine Knie ihm mehr als einmal den Dienst zu verweigern drohte hatte er es geschafft, aufrecht und eigenständig zum Tempel zu gehen, als Anführer eines Zuges der ihm gemessenen Schrittes und mit der üblichen Stocksteifen Körperhaltung folgte. Alle Ritter hinter ihm. In Reih und Glied.
Die Knappen und Anwärter standen Spalier, ein Teil johlte, einige sahen ihn seltsam an, viele tuschelten. In einem Augenpaar entdeckte man sogar so etwas wie aufrichtige Sorge.
Der leichte Herbstwind strich ihm wohltuend kühl über die erhitzte Stirn und die Stimmen und Geräusche verschwammen zu einem angenehm monotonen Rauschen.
Er betrat als erstes den Tempel. Ein seltsames Gefühl, irgendwie erhebend. Er war noch nie der erste gewesen, der über die Schwelle trat. Er war noch nie allein hier gewesen. Bis zu der Sekunde, in der sein Ritter hinter ihm die Schwelle überquerte war ihm, als gehörte dieser Moment ganz ihm. Ihm allein.
Eine erstaunlich warme Hand legte sich auf seine Schulter und schob ihn sanft quer durch den Raum an eine bestimmte Stelle.
Dort, am Fuße eines drei Stufen hohen Absatzes aus fuglos gehauenem Stein, platzierte sein Ritter ihn, nahm die Hand weg. Jake stand nun direkt unterhalb des Altars, einem Quader karmesinroten Steines mit einer Feuerschale darauf, mittig im großen Raum des Tempels. In der Schale brannte – natürlich – das ewige Feuer in seltsam hellweißer Farbe mit einem roten Kern. Jede Seite des imposanten Opfertisches zierte eine in den Stein gehauene Rose.
„Halt aus. Ich komme gleich wieder.“, raunte Jarel.
Er verschwand. Ließ ihn allein mit den Rittern, die sich im Halbkreis um ihn und den der Flamme geweihtem Stein scharten. Einzig ein Gang zur Tür, die in die hinteren Räume führte, hielten sie frei.
Alle Augen hafteten auf dem Anwärter und drohen ihn wie Ketten herunterzuziehen. Er stand im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. Es war sein Tag. Sein Tag, an dem er knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt war.
Das Herbstlicht durch die hohen Butzenglasfenstern malte kleine, scharf umrandete Rechtecke auf den Boden. Bis auf das Atmen der Ritter, das sich Räuspern, Scharren der Schuhe, leisen Klirren von Rüstungsteilen und dem Knirschen von Leder war es bedrückend still.
Es dauerte einige Minuten, bis Jarel zurückkam. Er hatte sich umgezogen, trug zum vollen Ornat nun das Oberteil mit den langen Armen. Neben ihm schritt der Großkomtur. Obwohl einige Zentimeter kleiner als der breitschultrige Ritter, wirkte er präsenter. Sogar deutlich präsenter. Mit seinem Erscheinen verstummte jegliches Geräusch. Sogar ihren Atem schienen die Brüder zu kontrollieren zu wollen.
Komtur und Ritter schritten in einem gut einstudierten Rhythmus mit kontrolliert ernster Miene durch den Raum. Jakob ahnte, wäre der Tag anders verlaufen, würde Jarel Stolz – oder zumindest der blanke Schalk – in den Augen stehen. Jetzt jedoch war außer dem einstudierten Ernst nur Schuld und Sorge in der versteinerten Mimik abzulesen. Und noch etwas, das Jakob nicht zu deuten wusste. Etwas, was ihn dazu brachte die Zähne aufeinanderzubeißen, bis die Sehnen in seinem Hals hervortraten.
Die zwei traten an den Treppenabsatz und platzierten sich neben ihn.
Eine Sekunde bleiben die drei nebeneinander stehen. Dann setzen sich von Herrenloh und Moore gleichzeitig in Bewegungen und erklommen gemeinsam eine Stufe. Ein Schritt, eine Sekunde Pause, dann erstieg der Großkomtur die letzte Stufe und stand nun direkt vor dem Altar.
Das Bild bedurfte keinerlei Erklärung, zu simpel war die Symbolik darin.
Jakob war im Grunde klar was nun folgte und doch fuhr er zusammen, als die Ritter vielstimmig und inbrünstig zu einem Gebet anhoben.
Eben dem Gebet, dass ihm vor einigen Minuten ermöglicht hatte sich aus der Umarmung seiner schlimmsten Ängste zu befreien und seine Prüfung zu beenden.
Wenzel von Herrenloh nahm etwas vom Altar und „reinigte“ es, in dem er es einige Male durch die Flamme führte. Es war ein Schwert. SEIN Schwert.
Der Großkomtur schob es in eine Scheide und reichte es dann Jarel. Und dieser trat damit vor seinen Knappen. Er hielt es so hoch, dass es direkt waagerecht vor Jakobs Augen schwebte.
Wieder Stille. Dieses Mal schien nicht einmal mehr jemand zu atmen.
Er wusste, was er zu tun hatte, was von ihm erwartet wurde.
In den letzten vier Wochen war dies der schwerwiegendste Inhalt der Gebete und Texte gewesen, die Jarel ihm eingebläut hatte. Der Schwur.
Als würde er neben sich stehen, hörte er sich die Worte sagen und spürte die Bedeutung doch bis tief in sein Innerstes.
„Ich schwöre bei der ewigen Flamme, dem Orden und seinen Idealen treu zu dienen, Unrecht und Böses zu vernichten, die Unschuld und Tugend zu schützen, meinem Ritter zu jeder Zeit zu gehorchen, den Pfad der Tugend zu beschreiten, niemals zu weichen oder zu schwanken.
Ich schwöre, das Licht der ewigen Flamme hoch zu halten und immer im Herzen zu tragen, von jetzt an bis zum Tage meines Ablebens.“
Er hob die Hände und Jarel übergab ihm sein Schwert. Das Schwert der Templer. Unverändert.
Ungewöhnlich! Ein weiteres Ding, an dem Jarel definitiv gedreht hatte.
Einzig die Scheide war eine andere. Auf dem dunklen Leder prangte nun das Zeichen der flammenden Rose. Aber sie war aushängbar, so wie die ursprüngliche Scheide, den Aufbau genau kopiert.
Kaum hielt er seine Waffe in den Händen, fiel die Anspannung von ihm ab. Von den anderen Anwesenden ebenso. Ihm wurde gratuliert, so oft auf die Schulter geklopft das er Schräglage bekam. Gespräche brandeten auf, die mächtigen Flügeltüren wurden geöffnet und nun sahen ihn auch die anderen Knappen und Anwärter mit seinem Schwert.
Er kam sich vor wie auf der Feier zu seiner Volljährigkeit. Der Mittelpunkt war unangenehm, doch schnell verlor sich der Pulk um ihn herum und der angehende Teil der Feierlichkeiten begann.
Draußen war einiges aufgebaut. Auf Zurückhaltung und Bescheidenheit wurde heute gepfiffen. In einer Feuerstelle glomm Glut, auf der ein Schwein am Spieß landete. Offensichtlich bereits halb fertig gegart, denn schnell wurde angefangen das Tier zu zerschneiden. Und Glut war ja auch nicht mit einem Fingerschnippen verfügbar.
Es gab ausreichend Brot, Getränke und für die Ritter - und ihn – sogar Wein.
Auch Jarel stand abseits und hielt ein Glas in der linken Hand. Ein Getränk in einem bläulichen Rot schwappte darin.
Traubensaft. Die typische Art des Ritters sich vor umnehmen Fragen zu drücken.
Für die Knappen und Anwärter war die freie Verfügbarkeit von Lebensmitteln besonders reizvoll. Nicht die übliche streng bemessene Portion, sondern Essen, bis nichts mehr rein ging.
Heute würde so manch einer mit wohlverdienten Leibschmerzen zu Bett gehen.
Der Ritter war immer in seiner Nähe. Immer greifbar, aber auch immer seltsam abwesend.
Er schaffte sich aus den sie überall umgebenen Gesprächen heraus zu halten. Sollte doch jemand versuchen mit ihm zu reden, verlief das Gespräch so unproduktiv, dass derjenige schnell den Versuch aufgab. Unhöflich war er nicht. Aber er strahlte seinen Wunsch sich nicht zu unterhalten aus, als hätte ihn jemand in Stacheldraht eingewickelt.
Der Tag verging und so manch einer fiel durch ausgelassene Laune und leichte Trunkenheit auf. Es war schon sehr spät, als die Anwesenden sich ihrer ihnen am nächsten Morgen bevorstehenden Verpflichtungen erinnerten und verschwanden.
Die Anwärter natürlich nicht. Die mussten aufräumen. Doch zu denen gehörte der Knappe nicht mehr. Er hatte jetzt neben Pflichten auch Rechte.
Es wurde ruhig.
Zurück bleiben nur Jakob, Jarel, ein wolkenloser sternenreicher Nachthimmel und eine langsam verlöschende Feuerstelle, die ihre unmittelbare Umgehung in blutrotes Licht färbte.
Jarel stand dort wie eine Statue, sah den Knappen nur an.
Er rang mit sich. War dies der richtige Zeitpunkt anzusprechen, was ihm auf der Seele brannte? Gab es überhaupt einen richtigen Zeitpunkt? Oder war dies der einzige richtige Zeitpunkt?
Der Ritter, der sich sonst kopfüber in jeden Konflikt stürze wie ein von der Sehne gelassener Pfeil, zögerte.
Er war in letzter Zeit so sehr mit dem Gedanken woanders – um nicht zu sagen bei einer bestimmten Person – gewesen, dass er etwas so wichtiges wie Jakobs Trauma nicht wahrgenommen hatte.
Er atmete durch, bewegte sich aber immer noch nicht vom Fleck.
Obwohl seine Knie ihm mehr als einmal den Dienst zu verweigern drohte hatte er es geschafft, aufrecht und eigenständig zum Tempel zu gehen, als Anführer eines Zuges der ihm gemessenen Schrittes und mit der üblichen Stocksteifen Körperhaltung folgte. Alle Ritter hinter ihm. In Reih und Glied.
Die Knappen und Anwärter standen Spalier, ein Teil johlte, einige sahen ihn seltsam an, viele tuschelten. In einem Augenpaar entdeckte man sogar so etwas wie aufrichtige Sorge.
Der leichte Herbstwind strich ihm wohltuend kühl über die erhitzte Stirn und die Stimmen und Geräusche verschwammen zu einem angenehm monotonen Rauschen.
Er betrat als erstes den Tempel. Ein seltsames Gefühl, irgendwie erhebend. Er war noch nie der erste gewesen, der über die Schwelle trat. Er war noch nie allein hier gewesen. Bis zu der Sekunde, in der sein Ritter hinter ihm die Schwelle überquerte war ihm, als gehörte dieser Moment ganz ihm. Ihm allein.
Eine erstaunlich warme Hand legte sich auf seine Schulter und schob ihn sanft quer durch den Raum an eine bestimmte Stelle.
Dort, am Fuße eines drei Stufen hohen Absatzes aus fuglos gehauenem Stein, platzierte sein Ritter ihn, nahm die Hand weg. Jake stand nun direkt unterhalb des Altars, einem Quader karmesinroten Steines mit einer Feuerschale darauf, mittig im großen Raum des Tempels. In der Schale brannte – natürlich – das ewige Feuer in seltsam hellweißer Farbe mit einem roten Kern. Jede Seite des imposanten Opfertisches zierte eine in den Stein gehauene Rose.
„Halt aus. Ich komme gleich wieder.“, raunte Jarel.
Er verschwand. Ließ ihn allein mit den Rittern, die sich im Halbkreis um ihn und den der Flamme geweihtem Stein scharten. Einzig ein Gang zur Tür, die in die hinteren Räume führte, hielten sie frei.
Alle Augen hafteten auf dem Anwärter und drohen ihn wie Ketten herunterzuziehen. Er stand im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit. Es war sein Tag. Sein Tag, an dem er knapp an einer Katastrophe vorbei geschrammt war.
Das Herbstlicht durch die hohen Butzenglasfenstern malte kleine, scharf umrandete Rechtecke auf den Boden. Bis auf das Atmen der Ritter, das sich Räuspern, Scharren der Schuhe, leisen Klirren von Rüstungsteilen und dem Knirschen von Leder war es bedrückend still.
Es dauerte einige Minuten, bis Jarel zurückkam. Er hatte sich umgezogen, trug zum vollen Ornat nun das Oberteil mit den langen Armen. Neben ihm schritt der Großkomtur. Obwohl einige Zentimeter kleiner als der breitschultrige Ritter, wirkte er präsenter. Sogar deutlich präsenter. Mit seinem Erscheinen verstummte jegliches Geräusch. Sogar ihren Atem schienen die Brüder zu kontrollieren zu wollen.
Komtur und Ritter schritten in einem gut einstudierten Rhythmus mit kontrolliert ernster Miene durch den Raum. Jakob ahnte, wäre der Tag anders verlaufen, würde Jarel Stolz – oder zumindest der blanke Schalk – in den Augen stehen. Jetzt jedoch war außer dem einstudierten Ernst nur Schuld und Sorge in der versteinerten Mimik abzulesen. Und noch etwas, das Jakob nicht zu deuten wusste. Etwas, was ihn dazu brachte die Zähne aufeinanderzubeißen, bis die Sehnen in seinem Hals hervortraten.
Die zwei traten an den Treppenabsatz und platzierten sich neben ihn.
Eine Sekunde bleiben die drei nebeneinander stehen. Dann setzen sich von Herrenloh und Moore gleichzeitig in Bewegungen und erklommen gemeinsam eine Stufe. Ein Schritt, eine Sekunde Pause, dann erstieg der Großkomtur die letzte Stufe und stand nun direkt vor dem Altar.
Das Bild bedurfte keinerlei Erklärung, zu simpel war die Symbolik darin.
Jakob war im Grunde klar was nun folgte und doch fuhr er zusammen, als die Ritter vielstimmig und inbrünstig zu einem Gebet anhoben.
Eben dem Gebet, dass ihm vor einigen Minuten ermöglicht hatte sich aus der Umarmung seiner schlimmsten Ängste zu befreien und seine Prüfung zu beenden.
Wenzel von Herrenloh nahm etwas vom Altar und „reinigte“ es, in dem er es einige Male durch die Flamme führte. Es war ein Schwert. SEIN Schwert.
Der Großkomtur schob es in eine Scheide und reichte es dann Jarel. Und dieser trat damit vor seinen Knappen. Er hielt es so hoch, dass es direkt waagerecht vor Jakobs Augen schwebte.
Wieder Stille. Dieses Mal schien nicht einmal mehr jemand zu atmen.
Er wusste, was er zu tun hatte, was von ihm erwartet wurde.
In den letzten vier Wochen war dies der schwerwiegendste Inhalt der Gebete und Texte gewesen, die Jarel ihm eingebläut hatte. Der Schwur.
Als würde er neben sich stehen, hörte er sich die Worte sagen und spürte die Bedeutung doch bis tief in sein Innerstes.
„Ich schwöre bei der ewigen Flamme, dem Orden und seinen Idealen treu zu dienen, Unrecht und Böses zu vernichten, die Unschuld und Tugend zu schützen, meinem Ritter zu jeder Zeit zu gehorchen, den Pfad der Tugend zu beschreiten, niemals zu weichen oder zu schwanken.
Ich schwöre, das Licht der ewigen Flamme hoch zu halten und immer im Herzen zu tragen, von jetzt an bis zum Tage meines Ablebens.“
Er hob die Hände und Jarel übergab ihm sein Schwert. Das Schwert der Templer. Unverändert.
Ungewöhnlich! Ein weiteres Ding, an dem Jarel definitiv gedreht hatte.
Einzig die Scheide war eine andere. Auf dem dunklen Leder prangte nun das Zeichen der flammenden Rose. Aber sie war aushängbar, so wie die ursprüngliche Scheide, den Aufbau genau kopiert.
Kaum hielt er seine Waffe in den Händen, fiel die Anspannung von ihm ab. Von den anderen Anwesenden ebenso. Ihm wurde gratuliert, so oft auf die Schulter geklopft das er Schräglage bekam. Gespräche brandeten auf, die mächtigen Flügeltüren wurden geöffnet und nun sahen ihn auch die anderen Knappen und Anwärter mit seinem Schwert.
Er kam sich vor wie auf der Feier zu seiner Volljährigkeit. Der Mittelpunkt war unangenehm, doch schnell verlor sich der Pulk um ihn herum und der angehende Teil der Feierlichkeiten begann.
Draußen war einiges aufgebaut. Auf Zurückhaltung und Bescheidenheit wurde heute gepfiffen. In einer Feuerstelle glomm Glut, auf der ein Schwein am Spieß landete. Offensichtlich bereits halb fertig gegart, denn schnell wurde angefangen das Tier zu zerschneiden. Und Glut war ja auch nicht mit einem Fingerschnippen verfügbar.
Es gab ausreichend Brot, Getränke und für die Ritter - und ihn – sogar Wein.
Auch Jarel stand abseits und hielt ein Glas in der linken Hand. Ein Getränk in einem bläulichen Rot schwappte darin.
Traubensaft. Die typische Art des Ritters sich vor umnehmen Fragen zu drücken.
Für die Knappen und Anwärter war die freie Verfügbarkeit von Lebensmitteln besonders reizvoll. Nicht die übliche streng bemessene Portion, sondern Essen, bis nichts mehr rein ging.
Heute würde so manch einer mit wohlverdienten Leibschmerzen zu Bett gehen.
Der Ritter war immer in seiner Nähe. Immer greifbar, aber auch immer seltsam abwesend.
Er schaffte sich aus den sie überall umgebenen Gesprächen heraus zu halten. Sollte doch jemand versuchen mit ihm zu reden, verlief das Gespräch so unproduktiv, dass derjenige schnell den Versuch aufgab. Unhöflich war er nicht. Aber er strahlte seinen Wunsch sich nicht zu unterhalten aus, als hätte ihn jemand in Stacheldraht eingewickelt.
Der Tag verging und so manch einer fiel durch ausgelassene Laune und leichte Trunkenheit auf. Es war schon sehr spät, als die Anwesenden sich ihrer ihnen am nächsten Morgen bevorstehenden Verpflichtungen erinnerten und verschwanden.
Die Anwärter natürlich nicht. Die mussten aufräumen. Doch zu denen gehörte der Knappe nicht mehr. Er hatte jetzt neben Pflichten auch Rechte.
Es wurde ruhig.
Zurück bleiben nur Jakob, Jarel, ein wolkenloser sternenreicher Nachthimmel und eine langsam verlöschende Feuerstelle, die ihre unmittelbare Umgehung in blutrotes Licht färbte.
Jarel stand dort wie eine Statue, sah den Knappen nur an.
Er rang mit sich. War dies der richtige Zeitpunkt anzusprechen, was ihm auf der Seele brannte? Gab es überhaupt einen richtigen Zeitpunkt? Oder war dies der einzige richtige Zeitpunkt?
Der Ritter, der sich sonst kopfüber in jeden Konflikt stürze wie ein von der Sehne gelassener Pfeil, zögerte.
Er war in letzter Zeit so sehr mit dem Gedanken woanders – um nicht zu sagen bei einer bestimmten Person – gewesen, dass er etwas so wichtiges wie Jakobs Trauma nicht wahrgenommen hatte.
Er atmete durch, bewegte sich aber immer noch nicht vom Fleck.
- Jakob von Nagall
- Spieler Level 4
- Beiträge: 664
- Registriert: Sonntag 7. November 2021, 10:18
- Lebenslauf: Jakob von Nagall
Jakob bewegte sich wie in Trance - erst die Stufen des Pavillons hinunter, dann den sauber gepflasterten Pfad zum Tempel entlang und dort die Stufen wieder hinauf. Die Ignoranz, die er seit dem Sturz seiner Komturei der Welt gegenüber kultiviert hatte, kam ihm nun zu Gute - er nahm weder die Ritter, noch die anderen Knappen wahr. Da war nur die Aufgabe des Gehens, des Füße Hebens und nicht Stolperns, auf die er sich konzentrieren musste. Seine Lippen bewegten sich, aber es kam kein Laut mehr darüber. Es war nicht einmal ganz klar, was er da vor sich hin murmelte, während er die Augen auf das Tor gerichtet hielt, welches ihn gleich verschlingen würde. Ein Gebet? Ein Dank? Sicher etwas Würdevolles.
Doch in Wahrheit flehte er seinen Körper an, ihn nicht im Stich zu lassen. Ihm war flau, schrecklich zittrig. So schlecht hatte er sich nicht einmal gefühlt, als er vom Fieber geschüttelt in diesem Sumpf gelegen hatte. Er hatte Jarel heute schon genug Ärger gemacht - alles konnte er ausblenden, die Ordensbrüder konnten alle samt seinen verlängerten Rücken küssen. Nur Jarel wollte er nicht ein weiteres Mal enttäuschen.
Schatten.
Die Dunkelheit des Tempels war vertraut, fast wie der Eingang einer Kathedrale. Bewusst dunkel gehalten, damit das mit strategisch durch Fenster erhellte Innere den Eintretenden noch stärker an das Licht Gottes gemahnte. Im Falle des Tempels der Ewigen Flamme war es die Feuerschale auf dem Altar. Jakob hatte sich schon oft gefragt, was sie dort verbrannten, um diesen Effekt zu erzielen, aber unter dem Eindruck der eben erst überstandenen Marter war es nur ein weiteres Feuer, dem er sich stellen musste. Immerhin nicht allein... Er fühlte Jarels Hand auf seiner Schulter und kurz legte sich die Seine auf die Finger des Ritters. Stumm dankend, dass er da war. Hier, in dieser Höhle voller tanzender Schatten, aus denen Jakobs überreizte Nerven allerlei Trugbilder schufen. Plötzlich sah er die Wegbegleiter seiner Vergangenheit an den Säulen stehen. Ritter und Knappen, Freunde und Feinde.
Vorwärts gehen.
Sie sind nicht real.
Da stand kein Alexej. Keine Jade. Kein Andrej. Keine Lydia. Kein Samuel, Und auch kein Seth.
Er richtete den Blick auf die Ewige Flamme, blieb flankiert von den beiden älteren Rittern vor dem Altar stehen. Der Rest war Theater, bis zu dem Punkt da Jarel ihm das Schwert reichte. Einen Herzschlag lang blickte Jakob den Ritter ungläubig an. Sein Schwert. SEINES. Das Schwert seines Vaters. Er fühlte seine Kehle eng werden, als Jarel es in seine geöffneten Hände legte. Die eben durchgestandenen Sekunden der Angst, hatten die Erinnerung an den Feuertod seiner Familie hervor geholt und sofort schimmerten Jakobs Augen wieder verräterisch, als er die Hände fest um die neue Schwertscheide schloss. Trotzdem schaffte er es irgendwie, den Schwur mit fester Stimme vorzutragen und jeder im Raum würde seine Rührung wohl dem Ritual als solchem zuschreiben.
Und dann war es mit einem Mal aus und die feierliche Stimmung zerplatzte in ausgelassene Feierlaune. Die anderen Knappen spülten Jakob geradezu mit sich fort, sodass er Jarel für lange Zeit aus den Augen verlor - auch wenn dieser immer in der Nähe war. Zuerst wurde ihm schamlos das Büßerhemd abgenommen und unter lautem Johlen die Tracht der Knappen über gestülpt - eine Art Wappenrock, jedoch nicht so aufwändig gearbeitet wie der der Ritter und auch nur mit einer kleinen Flammenrose auf der rechten Brust, statt dem großen Symbol vorn und hinten. Jemand drückte ihm einen Kelch mit Wein in die Hand, man stieß an, aber er stellte den Kelch irgendwann unauffällig beiseite.
Essen wurde aufgefahren, aber er sah sich außerstande, irgendetwas hinunter zu würgen. So viele Leute redeten auf ihn ein, gratulierten ihm, fragten ihn Dinge... er würde sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern, was er alles geantwortet hatte. Vermutlich nicht viel. Schwatzen war nicht seine Art.
Es gab auch einige RItuale der Knappen - eines blöder als das andere und alle ließ er über sich ergehen. Henselt zog ihn einmal beiseite, als es etwas ruhiger wurde, wollte wissen, was dort am Pavillon los gewesen sei. Nichts Nichts... nur ein Schreck, ein falscher Schritt. Alles in Ordnung. Jakob wiegelte ab, vergraulte den angehenden Freund mit wortkargen Antworten, wie es seine Art war. Er sehnte sich zurück in die Einsamkeit jener Zelle, in der Jarel ihn vorbereitet hatte. Zurück zu den Meditationen und dem Gebet. Sogar zurück zu diesem widerlichen Brei aus Hafer und Wasser. Er wollte gerne verschwinden, doch das Fest galt ihm und ihm allein - er konnte nicht einfach davon laufen. Es würde Jarel nur noch mehr erzürnen.
Jarel. Sein Ritter, der seit der Vereidigung so düster am Rand der Veranstaltung stand. Ohne Gesellschaft. Ein Glas in Händen, von dem er nur selten einen Schluck nahm. Und die ganze Zeit über lag der Blick aus den dunklen Augen auf Jakob, beobachtend, taxierend. Er sah nicht die Besorgnis, er sah nur das dumpfe Grollen wie ein fernes Gewitter. Er hatte ihn fast enttäuscht - vielleicht hatte er ihn enttäuscht. Mit seinem Zögern. Seiner Angst vor dem Feuer, jenem Symbol dieses Glaubens. Oder weil er ihn nicht ins Vertrauen gezogen hatte. Jarel verlangte viel, auch Vertrauen. Manche Dinge durften nicht ungesagt bleiben und waren es doch geblieben. Vielleicht war er deswegen enttäuscht und zürnte ihm. Und jetzt waren sie aneinander gebunden... der denkbar schlechteste Start.
Das Fest trieb dahin, Jakob beobachtete mit Staunen, wie die Ritter dem Wein und dem Essen zusprachen, ganz entgegen der sonstigen Regeln. Und die jungen Männer erst. Wieder hatte er einen Kelch in Händen - woher auch immer - und rührte den Inhalt nicht an. Roch nur einmal kurz daran. Und an Essen war nicht zu denken. Der Geruch des bratenden Fleisches bereitete ihm Übelkeit.
Längst wanderte er nur noch herum, fand sich hin und wieder unter einem schweren Arm, während ihm ein anderer Knappe irgendwelchen Unsinn ins Ohr lallte und dann in der Nacht verschwand. Feste wie diese waren ihm von jeher zuwider. Nicht unbekannt, aber auch nichts, worauf er Wert legte.
Sein Weg führte ihn und den unangetasteten Weinkelch zu einem der Feuer, welches nur noch ein Glutnest war. Feuer. Immer wieder. Eigentlich sollte er stolz sein auf das, was er geschafft hatte, aber da war kein Stolz. Da war nichts. Müde ließ er sich zu Boden sinken, schlug die Beine unter, starrte in die schwelende Glut. Jakob roch am Wein. Irgendwo sang ein Mann ein Poem von Rittersporn - furchtbar schief und der Text war auch nicht mehr das, was er im Ursprung mal gewesen war - so viel hatte der durchaus musikalische junge Mann in der Zeit seines Aufenthalts hier schon gelernt. Rittersporn war hier so etwas wie Beethoven in seiner Welt. Oder vielleicht eher Mozart. Ja, das passte besser.
Er ließ den Wein kreisen.
Dann schüttete er ihn in die Glut.
Die Nähe des Ritters spürte er mehr, als das er ihn im Dunkel wirklich sah. Es war wie eine Aura, die Jarel um sich her trug und die Jakob auf ihn aufmerksam machte. Den ganzen Abend schon war er immer in seiner Nähe gewesen, nun waren sie allein zwischen all den trunkenen Brüdern und ersterbenden Flammen.
Die Beine unter geschlagen, die Arme locker auf die Knie gelegt, beobachtete Jakob, wie der Wein auf der Glut verkochte. Mit Jarel schweigen war leicht. Die ersten Worte finden dagegen unfassbar schwer. Er wägte viele Möglichkeiten ab und entschied sich dann doch für den direkten Weg: "Es tut mir Leid. Ich habe deine Erwartungen enttäuscht." Ohne den Blick zu heben oder seine Haltung zu ändern.
Doch in Wahrheit flehte er seinen Körper an, ihn nicht im Stich zu lassen. Ihm war flau, schrecklich zittrig. So schlecht hatte er sich nicht einmal gefühlt, als er vom Fieber geschüttelt in diesem Sumpf gelegen hatte. Er hatte Jarel heute schon genug Ärger gemacht - alles konnte er ausblenden, die Ordensbrüder konnten alle samt seinen verlängerten Rücken küssen. Nur Jarel wollte er nicht ein weiteres Mal enttäuschen.
Schatten.
Die Dunkelheit des Tempels war vertraut, fast wie der Eingang einer Kathedrale. Bewusst dunkel gehalten, damit das mit strategisch durch Fenster erhellte Innere den Eintretenden noch stärker an das Licht Gottes gemahnte. Im Falle des Tempels der Ewigen Flamme war es die Feuerschale auf dem Altar. Jakob hatte sich schon oft gefragt, was sie dort verbrannten, um diesen Effekt zu erzielen, aber unter dem Eindruck der eben erst überstandenen Marter war es nur ein weiteres Feuer, dem er sich stellen musste. Immerhin nicht allein... Er fühlte Jarels Hand auf seiner Schulter und kurz legte sich die Seine auf die Finger des Ritters. Stumm dankend, dass er da war. Hier, in dieser Höhle voller tanzender Schatten, aus denen Jakobs überreizte Nerven allerlei Trugbilder schufen. Plötzlich sah er die Wegbegleiter seiner Vergangenheit an den Säulen stehen. Ritter und Knappen, Freunde und Feinde.
Vorwärts gehen.
Sie sind nicht real.
Da stand kein Alexej. Keine Jade. Kein Andrej. Keine Lydia. Kein Samuel, Und auch kein Seth.
Er richtete den Blick auf die Ewige Flamme, blieb flankiert von den beiden älteren Rittern vor dem Altar stehen. Der Rest war Theater, bis zu dem Punkt da Jarel ihm das Schwert reichte. Einen Herzschlag lang blickte Jakob den Ritter ungläubig an. Sein Schwert. SEINES. Das Schwert seines Vaters. Er fühlte seine Kehle eng werden, als Jarel es in seine geöffneten Hände legte. Die eben durchgestandenen Sekunden der Angst, hatten die Erinnerung an den Feuertod seiner Familie hervor geholt und sofort schimmerten Jakobs Augen wieder verräterisch, als er die Hände fest um die neue Schwertscheide schloss. Trotzdem schaffte er es irgendwie, den Schwur mit fester Stimme vorzutragen und jeder im Raum würde seine Rührung wohl dem Ritual als solchem zuschreiben.
Und dann war es mit einem Mal aus und die feierliche Stimmung zerplatzte in ausgelassene Feierlaune. Die anderen Knappen spülten Jakob geradezu mit sich fort, sodass er Jarel für lange Zeit aus den Augen verlor - auch wenn dieser immer in der Nähe war. Zuerst wurde ihm schamlos das Büßerhemd abgenommen und unter lautem Johlen die Tracht der Knappen über gestülpt - eine Art Wappenrock, jedoch nicht so aufwändig gearbeitet wie der der Ritter und auch nur mit einer kleinen Flammenrose auf der rechten Brust, statt dem großen Symbol vorn und hinten. Jemand drückte ihm einen Kelch mit Wein in die Hand, man stieß an, aber er stellte den Kelch irgendwann unauffällig beiseite.
Essen wurde aufgefahren, aber er sah sich außerstande, irgendetwas hinunter zu würgen. So viele Leute redeten auf ihn ein, gratulierten ihm, fragten ihn Dinge... er würde sich am nächsten Tag nicht mehr erinnern, was er alles geantwortet hatte. Vermutlich nicht viel. Schwatzen war nicht seine Art.
Es gab auch einige RItuale der Knappen - eines blöder als das andere und alle ließ er über sich ergehen. Henselt zog ihn einmal beiseite, als es etwas ruhiger wurde, wollte wissen, was dort am Pavillon los gewesen sei. Nichts Nichts... nur ein Schreck, ein falscher Schritt. Alles in Ordnung. Jakob wiegelte ab, vergraulte den angehenden Freund mit wortkargen Antworten, wie es seine Art war. Er sehnte sich zurück in die Einsamkeit jener Zelle, in der Jarel ihn vorbereitet hatte. Zurück zu den Meditationen und dem Gebet. Sogar zurück zu diesem widerlichen Brei aus Hafer und Wasser. Er wollte gerne verschwinden, doch das Fest galt ihm und ihm allein - er konnte nicht einfach davon laufen. Es würde Jarel nur noch mehr erzürnen.
Jarel. Sein Ritter, der seit der Vereidigung so düster am Rand der Veranstaltung stand. Ohne Gesellschaft. Ein Glas in Händen, von dem er nur selten einen Schluck nahm. Und die ganze Zeit über lag der Blick aus den dunklen Augen auf Jakob, beobachtend, taxierend. Er sah nicht die Besorgnis, er sah nur das dumpfe Grollen wie ein fernes Gewitter. Er hatte ihn fast enttäuscht - vielleicht hatte er ihn enttäuscht. Mit seinem Zögern. Seiner Angst vor dem Feuer, jenem Symbol dieses Glaubens. Oder weil er ihn nicht ins Vertrauen gezogen hatte. Jarel verlangte viel, auch Vertrauen. Manche Dinge durften nicht ungesagt bleiben und waren es doch geblieben. Vielleicht war er deswegen enttäuscht und zürnte ihm. Und jetzt waren sie aneinander gebunden... der denkbar schlechteste Start.
Das Fest trieb dahin, Jakob beobachtete mit Staunen, wie die Ritter dem Wein und dem Essen zusprachen, ganz entgegen der sonstigen Regeln. Und die jungen Männer erst. Wieder hatte er einen Kelch in Händen - woher auch immer - und rührte den Inhalt nicht an. Roch nur einmal kurz daran. Und an Essen war nicht zu denken. Der Geruch des bratenden Fleisches bereitete ihm Übelkeit.
Längst wanderte er nur noch herum, fand sich hin und wieder unter einem schweren Arm, während ihm ein anderer Knappe irgendwelchen Unsinn ins Ohr lallte und dann in der Nacht verschwand. Feste wie diese waren ihm von jeher zuwider. Nicht unbekannt, aber auch nichts, worauf er Wert legte.
Sein Weg führte ihn und den unangetasteten Weinkelch zu einem der Feuer, welches nur noch ein Glutnest war. Feuer. Immer wieder. Eigentlich sollte er stolz sein auf das, was er geschafft hatte, aber da war kein Stolz. Da war nichts. Müde ließ er sich zu Boden sinken, schlug die Beine unter, starrte in die schwelende Glut. Jakob roch am Wein. Irgendwo sang ein Mann ein Poem von Rittersporn - furchtbar schief und der Text war auch nicht mehr das, was er im Ursprung mal gewesen war - so viel hatte der durchaus musikalische junge Mann in der Zeit seines Aufenthalts hier schon gelernt. Rittersporn war hier so etwas wie Beethoven in seiner Welt. Oder vielleicht eher Mozart. Ja, das passte besser.
Er ließ den Wein kreisen.
Dann schüttete er ihn in die Glut.
Die Nähe des Ritters spürte er mehr, als das er ihn im Dunkel wirklich sah. Es war wie eine Aura, die Jarel um sich her trug und die Jakob auf ihn aufmerksam machte. Den ganzen Abend schon war er immer in seiner Nähe gewesen, nun waren sie allein zwischen all den trunkenen Brüdern und ersterbenden Flammen.
Die Beine unter geschlagen, die Arme locker auf die Knie gelegt, beobachtete Jakob, wie der Wein auf der Glut verkochte. Mit Jarel schweigen war leicht. Die ersten Worte finden dagegen unfassbar schwer. Er wägte viele Möglichkeiten ab und entschied sich dann doch für den direkten Weg: "Es tut mir Leid. Ich habe deine Erwartungen enttäuscht." Ohne den Blick zu heben oder seine Haltung zu ändern.
- Jarel Moore
- Spieler Level 5
- Beiträge: 1049
- Registriert: Freitag 25. März 2022, 23:06
- Lebenslauf: Jarel
Jarel beobachtete ihn von der anderen Seite der Feuerstelle.
Als der Junge sein Wort an ihn richtete, zuckte seine Augenbraue hoch er blinzelte mehrmals.
Ein paar Sekunden geschah gar nichts. Für Jarel rückte alles weit, weit weg. Gespräche verschwammen zu einem Rauschen, die anwesenden Brüder wirkten auf ihn wie flüchtige Gespenster, nicht einmal das Brennen am Arm nahm er nicht mehr wahr.
Ohne genau zu wissen warum, kippte er ebenfalls den Rest seines Getränkes in die Glut und stellte seinen Pokal ab.
Zögerlich umrundete er die schwächer werdende Glut und ging langsam rechts des Knappen in die Knie, das Schwert dabei sorgsam nach hinten abstreckend. Von der Seite betrachtete er den verstörten jungen Mann. Das Glühen der verkohlten Holzscheite zauberten ein dunkles rot in das ebenmäßige, junge Gesicht. Aber der Ritter wusste, sein Junge war blass wie Kalk darunter.
Er wand den Blick ab und starrte einige Sekunden in die Glut.
Erst dann hatte er sich so weit im Griff zu tun, was er den ganzen Tag hatte tun wollen.
Mit einem leisen Räuspern legte er seine linke Hand auf Jakes rechte Schulter.
„Ich habe es nicht bemerkt. Ich war blind. Es tut mir so leid.“ Die Stimme des Ritters war kaum mehr als ein raues, leises Flüstern.
Als der Junge sein Wort an ihn richtete, zuckte seine Augenbraue hoch er blinzelte mehrmals.
Ein paar Sekunden geschah gar nichts. Für Jarel rückte alles weit, weit weg. Gespräche verschwammen zu einem Rauschen, die anwesenden Brüder wirkten auf ihn wie flüchtige Gespenster, nicht einmal das Brennen am Arm nahm er nicht mehr wahr.
Ohne genau zu wissen warum, kippte er ebenfalls den Rest seines Getränkes in die Glut und stellte seinen Pokal ab.
Zögerlich umrundete er die schwächer werdende Glut und ging langsam rechts des Knappen in die Knie, das Schwert dabei sorgsam nach hinten abstreckend. Von der Seite betrachtete er den verstörten jungen Mann. Das Glühen der verkohlten Holzscheite zauberten ein dunkles rot in das ebenmäßige, junge Gesicht. Aber der Ritter wusste, sein Junge war blass wie Kalk darunter.
Er wand den Blick ab und starrte einige Sekunden in die Glut.
Erst dann hatte er sich so weit im Griff zu tun, was er den ganzen Tag hatte tun wollen.
Mit einem leisen Räuspern legte er seine linke Hand auf Jakes rechte Schulter.
„Ich habe es nicht bemerkt. Ich war blind. Es tut mir so leid.“ Die Stimme des Ritters war kaum mehr als ein raues, leises Flüstern.
Jakob brauchte einen Moment länger, um zu begreifen, was Jarel ihm mitzuteilen versuchte. Er war nicht wütend. Er entschuldigte sich. Nur für was? Jakob drehte den Kopf, sodass er Jarel ansehen konnte. Die Züge des Ritters spiegelten vieles, was in ihm vorgehen mochte. Jakob begriff es einfach nicht. Er hatte heute zu viel erlebt. Sein Ausdruck blieb entsprechend der, den Jarel zur genüge kannte: stoisch-gleichgültig. Immerhin ließ er sich zu einer Erwiderung hinreißen. "Was? Ich hab es doch fast vergeigt."
„Du bist mein Schützling. Mein Junge. Ich habe nicht gesehen, wie sehr du der Flamme wegen leidest.“ Noch immer starrte er in die Glut. „Du hast es nicht vergeigt.“ Nach einer kleinen Pause drehte er den Kopf wie in Zeitlupe und sah Jake eine Weile an. „Du hast es überwunden. Ohne die Hilfe, die du dir so sehr verdient hättest. Ohne meine Hilfe.“ Die linke Hand des Ritters löste sich von der rechten Schulter des Knappen. Er streckte den Arm aus und legte ihn stattdessen auf die linke Schulter. Und dann zog der Ritter den Jungen an sich heran, drückte ihn an seine Schulter. „Kannst du mit vergeben?“
Seltsam. Es war vorbei. Er hatte alles einmal mehr erfolgreich verdrängt und wollte gar nicht mehr darüber nachdenken. Nur dass die Art, wie Jarel weiter sprach, ihn geradezu zwang, sich wieder damit auseinander zu setzen. Er hatte es nicht vergeigt? Nein, sicher nicht. Er war ja durch gekommen, irgendwie und ohne Hilfe. Schon. Aber war das relevant? Er hatte sich daran gewöhnt, auf sich allein gestellt zu sein. Wortlos ließ er sich an die Schulter des Ritters ziehen. Ein nichtiges Bündel Gleichgültigkeit. Wieso sollte er irgendwem irgendwas vergeben müssen? Die Dinge liefen, wie sie immer liefen und er war am Ende der Blöde. Alles gut. Alles normal. Jarel war längst noch nicht wirklich zu Jakob durch gedrungen. Der versteckte sich gut in seinem Häuschen. "Klar. Ich hab dir ja nichts gesagt. Du kannst ja nicht Gedanken lesen." Tat er alles ab. Leichtfertig.
Der Ritter atmete tief durch, seufzte. Da war er wieder. Zurückgefallen in seine alten Verhaltensmuster. Die Erfolge der letzten Wochen und Monate...fortgespült. Jarel schloss die Augen. Unmerklich änderte sich seine Körpersprache, Er löste die Hand von Jakob und legte seine Hände in den Schoß, die Schultern sanken etwas herab, der Blick des Ritters richtete sich auf den verdorrten Streifen Gras zwischen sich und der Feuerstätte. "Was ist passiert. Damals. Im Feuer.", fragte er direkt heraus.
Was? Was war passiert? Damals im Feuer? Alles. Alles und das eine nicht. "Ich habe überlebt." Erstaunlich schnell erhielt Jarel seine Antwort. Schnell und auf den ersten Blick nichtssagend.
"Ich....verstehe." Schweigen. Der Ritter schloss die Augen. Atmete durch. Öffnete sie wieder. Er straffte die Schultern und hob den Blick. "Vergiss den Kaffee morgen nicht." Er stand auf. "Komm zu mir, wenn du reden willst."
Morgen. Vielleicht. Morgen. Jakob nickte. Mehrfach. Kaffee. Kaffee morgen. Das klang gut. Bis dahin war alles wieder normal. Wollte er reden? Keine Ahnung. Und jetzt? Wollte er schlafen? Er würde kein Auge zu tun, wie so oft. Die Träume würden kommen, wie so oft. Heute schlimmer als je zuvor, dessen war er sich sicher. Um Beistand bitten? Dazu war er zu stolz.
Zu stur. Zu sehr er selbst.
Der Ritter nickte ihm zu und wandte sich in Richtung Hauptgebäude. Er hatte noch etwas zu erledigen. Ohne zurückzusehen ging er hinein, Flure entlang, wie ferngesteuert. Endlich angekommen betrat er den Raum, schloss die Tür hinter sich und presste sich mit dem Rücken dagegen.
Jakobs Ritter ging und der Knappe blieb mit dem Gefühl zurück, es nun doch vergeigt zu haben. Der Ältere verlangte viel... Jakob atmete durch. Lange blieb er an der zusehends erkaltenden Feuerstelle. Ins Dormitorium der Knappen ging er in dieser Nacht nicht mehr.
Eine knappe halbe Stunde später kam Jarel zurück. Alle Brüder waren fort. Nur Jake kniete vor der erkalteten Asche. Ja. Damit hatte er gerechnet. Keine Grenzen anerkennen. Vor allem nicht die eigenen. Wieder trat der Ritter neben ihn und ging in die Knie. Das Schwert trug er nicht mehr. "Jakob?", sprach er den Jungen an. Irgendetwas war anders. Und der ältere roch irgendwie...alkoholisch?
Er war in einen Halbschlaf gedriftet, irgendwo zwischen Meditation und wirklichem Schlaf. Als der Ritter wieder neben ihn trat, schreckte er auf und wäre wohl auf die Füße gesprungen, wenn seine Beine nicht inzwischen eingeschlafen gewesen wären. Mit einem Fluch auf den Lippen kippte er gegen Jarel, nahm dessen Odeur in vollen Zügen auf. Eben hatte er noch nicht so gerochen... Eben. Wann war eben gewesen?? Jakob blinzelte. Er hatte Stoff in der geschlossenen Faust. "Jarel? Wieso stinkst du plötzlich nach Destille?"
"Das ist nicht dein Problem, Junge.", sagte er sanft und wie noch gestern ruhig. Er legte den linken Arm um ihn. Eine Fahne hatte er nicht. Und er lallte nicht. Der Geruch war aber unverkennbar scharf. "Komm, ich bring dich ins Bett. Möchtest du vorher noch in der Küche vorbei sehen?"
Endlich wieder wach, beäugte Jakob Jarel misstrauisch. Er wusste tatsächlich so wenig von seinem neuen Ritter wie der von ihm. Vielleicht sogar noch weniger. Langsam atmete er durch. Von Alkohol hatte Jakob wenig Ahnung, aber nach Desinfektion roch es nicht. Eher... Süß? "Küche klingt gut." Obwohl er keinen Hunger hatte. Er folgte eher einem Bauchgefühl, abseits des Magens.
Der Ritter lächelte erfreut. "Na, dann komm..." Er ging neben ihm her, in Richtung Küche. "Schön, dass du es einsiehst. Der Tag war anstrengend. Dein Körper braucht Brennstoff. Sonst kommst du morgen nicht hoch." In der Küche begab sich der Ritter gleich an den Herd kniete sich davor hin. "Rührei?", fragte er und stocherte im Herd herum, um das Feuer wieder anzufachen.
Etwas linkisch ging er mit Jarel durch die Reste des Festes in Richtung Refektorium, während der Ältere referierte. Brennstoff. Er brauchte hauptsächlich Schlaf, aber vor dem fürchtete er sich und außerdem war etwas komisch an Jarel, was Jakob dazu brachte, folgsam zu sein. Der Ritter stocherte im Herd, sein Knappe setzte sich mangels Alternativen wieder auf den Boden, Rücken gegen die Wand. "Klar." Immernoch einsilbig und im Grunde war es ihm ganz egal. Eingemachte Kellertreppe seinetwegen.
Mit einem satten FUMB flammte das Feuer im Herd auf. Der Ritter beobachtet Jake und hielt inne. "Bei Elunes gültigem Blick, warte einen Moment." Erst jetzt kann er darauf, dass er für Jake zu dunkel sein könnte in der Küche. Hatte schließlich nicht jeder die Nachsicht eines Schattenläufers. Er griff sich einen bereit liegenden Span mit der linken, hantierte noch einmal an Herd und entzündete mehrere bereitstehende Kerzen. (Bearbeitet)
Dann erhob er sich steif, während die sich langsam beruhigenden Kerzen de Raum spärlich ausleuchteten. Er war nicht einmal klein. Platz war dennoch Mangelware. Die komplette Mitte des Raumes bestand aus einer von zwei Seiten durch einen Halbbogen beschickbaren gemauerten Feuerstelle, vielleicht drei Schritt lang und zwei Schritt breit. Auf dem niedrigen Herd war eine riesige geschmiedete Vorrichtung angebracht, bestehend aus einem eisernen Rahmen, bestückt mit mehr als daumendicken eisernen Stangen. Darüber befand sich eine ebenso geschmiedete Esse in der gleichen Größe. An den Außenseiten der Esse war eine Art Reling angebracht. Und hier hingen Jarels liebste Werkzeuge. Eine Unzahl an Töpfen und Pfannen, Kesseln und Kellen. Die Wände waren gepflastert mit Schränken und Regalen, vollgestellt waren mit einem wilden Sammelsurium von weiterem Geschirr und Behältern aus Holz und Ton. In einer Ecke des Raumes befand sich ein abgetrennter separater Raum, mit einer abschließbaren Tür versehen. Alles war, besonders im spärlichen Licht der Kerzen und des Feuers, in ineinander verschwimmende Sand- Braun und Rosttöne getaucht. Einzig vor dem Fenster konnte man andere Farben erahnen. Hier hingen Kräuterbüschel zum Trocken und verströmten eine Vielzahl von Gerüchen.
Der Ritter erhob sich langsam und ging zu einer Wand. Dort stand eine völlig überladene Bank, die er freiräumte, in dem er sie Dinge davon in die wenigen freien Plätze der Schränke schob oder einfach auf den Boden stellte. Mit der Bank unter dem Arm kehrte er zurück zum Herd und stellte das Möbel in mittelbarer Nähe der Feueröffnung ab. Er ging zu Jake und hielt ihm die linke hin. Das Kerzenlicht malte lange Schatten in das Gesicht des Ritters und Jakobs Fantasie machte die seltsamsten Erscheinungen daraus. Und ja. Der Geruch nach Alkohol war noch immer wahrnehmbar. Hauptsächlich scharf. Desinfektionsmittel? Nein. Es war mehr. „Komm. Setz dich ans Feuer. Wir essen schnell und dann bringe ich dich zum Schlafsaal.“ Noch immer hielt er ihm die Linke hin. Jake wusste, er musste sie nur greifen und der Mann vor ihm würde ihn sozusagen eigenständig auf die Bank befördern. Nur zugreifen.
Die Küche. Ein Ort, an dem sich Ritter und Knappe zukünftig oft aufhalten würden, aber das ahnte Jakob noch nicht. Für ihn war es im Moment nur ein weiterer, fremder Raum, dunkel und höhlenartig, gefüllt mit dem Geruch von Rauch und Kräutern. Dann flammten Kerzen auf, erhellten Jarels Züge, die noch immer von den zwei Fastenwochen gezeichnet waren und auf denen die Schatten nur tiefere Furchen malten. Elune. Schon zum zweiten Mal heute. Für einen Anhänger der Ewigen Flamme rief er erstaunlich oft diesen fremd klingenden Namen an, der offenkundig eine andere Gottheit beschrieb. Oder war es nur ein weiterer Aspekt? Jakob war zu müde für theologische Diskussionen und schob den Gedanken zu vielen anderen in die Warteschleife, während er Jarels Tun auf die ihm eigene Art verfolgte, ohne ein einziges Mal zu blinzeln. Dann kam der Ritter zu ihm und reichte ihm die Hand, wollte ihn zum Feuer führen. Schon wieder. "Ich würde lieber hier bleiben." Am Rand des Lichtkreises, der aus dem Herd kam. Wie Jarel es schon von ihrer Reise kannte - immer maximal weit weg vom Lagerfeuer. Dennoch griff Jakob die gereichte Hand, aber er zog seinerseits an Jarel, anstatt sich auf die Füße ziehen zu lassen. "Was ist los? Was ist das für ein Geruch?", platzte er einfach heraus, was ihn gerade wirklich beschäftigte.
Die Art, wie der Junge ihn zu sich zog war eindeutig. Und seine Stimme...vielleicht nicht so leer wie er es vorher wahrgenommen hatte. Machte er sich Sorgen? "Jakob. Keine Sorge. Ich habe nicht getrunken. Nur ein kleines, peinliches Ungeschick." Wieder eine schwere Hand auf einer schmalen Schulter. Der Junge sah ihn immer noch aus, als würde er kein Wort glauben. Der Ritter kniete sich langsam hin, folgte dem Zug. "Das solltest du eigentlich nicht erfahren. Ich war im Krankenzimmer, wollte eine Kleinigkeit desinfizieren. Meine Hände zitterten so stark.." Der ältere schmunzelte und senkte verlegen den Blick. "Ich hab die Flasche fallen lassen. Der Raum wird noch Wochen stinken. aber so sauber war der Boden noch nie." Er hob den Blick wieder. Ruhig, warm, fast schon gelassen. "Es war die letzte Flasche. Aber der Brandwein war noch da. Damit ging es auch." Nach einer kurzen Pause wollte er es dann doch wissen. "Du hast gedacht, ich hätte getrunken?"
Er zuckte mit den Schultern, plötzlich selbst verlegen. "Ich weiß nicht. Wäre ja nichts dabei, heute. Oder? Die anderen..." Wieder das Schulterzucken. Er hatte ja keine Ahnung, dass es bei Jarel um mehr ging, als ein paar schnöde Regeln.
"Wieso überhaupt? Du kannst doch nichts dafür. Für nichts." Er merkte, dass er unverständliches Zeug redete.
"Du sagtest heute, ich hätte dein Leid nicht ahnen können, weil du nicht geredet hast." Der Ritter schlug die Beine unter und setzte sich seinem Knappen gegenüber, legte seine Handgelenke auf den Knien ab. "Dann soll heute der Tag sein, an dem ich das Schweigen breche." Er sah seinem Gegenüber ruhig in die Augen. "Ich bin trockener Alkoholiker und drogenabhängig. Daher trinke ich nie." Kleine Pause. "Wenn du etwas wissen willst, frag. Ich gelobe dir zu allem die Wahrheit zusagen. Ich vertraue dir."
Er begegnete dem Blick der ruhigen, braunen Augen wie immer, wenn er innerlich abgekehrt war. Jarel kannte das inzwischen auch zur Genüge und war äußerst geduldig darin, es zu ignorieren. Sein Knappe war eine Nuss und er meißelte seit Velen daran herum wie ein emsiger Specht, war sogar sehr weit gekommen, hatte Löcher geschlagen, die sich allerdings mit dem Ritus heute wieder verklebt hatten. Nicht gänzlich geschlossen, aber doch mit dem Mut der Verzweiflung blockiert. Doch dann änderte sich etwas in den Augen des jungen Mannes - man konnte förmlich sehen, dass er innerlich hoch fuhr als hätte er bis hierhin im Standby-Modus verbracht. Alkohol. Drogen. Von einem Moment auf den anderen war ihm zu gleichen Teilen nach Lachen und Weinen zumute. Mit einem Mal ergab alles Sinn - wieso Jarel so genau wusste, was mit Slava zu tun gewesen war. Jakob rieb sich das Gesicht, nickte fahrig. Schon verrückt, aber die Offenbarung öffnete Jarel eine Tür in Jakobs Innerem, denn er zog sofort die Parallele zu Jade. "Hast du das mit dem Eintritt hier hinter dir gelassen?" Vielleicht nicht, was man als erste Frage erwarten würde.
„Du bist mein Schützling. Mein Junge. Ich habe nicht gesehen, wie sehr du der Flamme wegen leidest.“ Noch immer starrte er in die Glut. „Du hast es nicht vergeigt.“ Nach einer kleinen Pause drehte er den Kopf wie in Zeitlupe und sah Jake eine Weile an. „Du hast es überwunden. Ohne die Hilfe, die du dir so sehr verdient hättest. Ohne meine Hilfe.“ Die linke Hand des Ritters löste sich von der rechten Schulter des Knappen. Er streckte den Arm aus und legte ihn stattdessen auf die linke Schulter. Und dann zog der Ritter den Jungen an sich heran, drückte ihn an seine Schulter. „Kannst du mit vergeben?“
Seltsam. Es war vorbei. Er hatte alles einmal mehr erfolgreich verdrängt und wollte gar nicht mehr darüber nachdenken. Nur dass die Art, wie Jarel weiter sprach, ihn geradezu zwang, sich wieder damit auseinander zu setzen. Er hatte es nicht vergeigt? Nein, sicher nicht. Er war ja durch gekommen, irgendwie und ohne Hilfe. Schon. Aber war das relevant? Er hatte sich daran gewöhnt, auf sich allein gestellt zu sein. Wortlos ließ er sich an die Schulter des Ritters ziehen. Ein nichtiges Bündel Gleichgültigkeit. Wieso sollte er irgendwem irgendwas vergeben müssen? Die Dinge liefen, wie sie immer liefen und er war am Ende der Blöde. Alles gut. Alles normal. Jarel war längst noch nicht wirklich zu Jakob durch gedrungen. Der versteckte sich gut in seinem Häuschen. "Klar. Ich hab dir ja nichts gesagt. Du kannst ja nicht Gedanken lesen." Tat er alles ab. Leichtfertig.
Der Ritter atmete tief durch, seufzte. Da war er wieder. Zurückgefallen in seine alten Verhaltensmuster. Die Erfolge der letzten Wochen und Monate...fortgespült. Jarel schloss die Augen. Unmerklich änderte sich seine Körpersprache, Er löste die Hand von Jakob und legte seine Hände in den Schoß, die Schultern sanken etwas herab, der Blick des Ritters richtete sich auf den verdorrten Streifen Gras zwischen sich und der Feuerstätte. "Was ist passiert. Damals. Im Feuer.", fragte er direkt heraus.
Was? Was war passiert? Damals im Feuer? Alles. Alles und das eine nicht. "Ich habe überlebt." Erstaunlich schnell erhielt Jarel seine Antwort. Schnell und auf den ersten Blick nichtssagend.
"Ich....verstehe." Schweigen. Der Ritter schloss die Augen. Atmete durch. Öffnete sie wieder. Er straffte die Schultern und hob den Blick. "Vergiss den Kaffee morgen nicht." Er stand auf. "Komm zu mir, wenn du reden willst."
Morgen. Vielleicht. Morgen. Jakob nickte. Mehrfach. Kaffee. Kaffee morgen. Das klang gut. Bis dahin war alles wieder normal. Wollte er reden? Keine Ahnung. Und jetzt? Wollte er schlafen? Er würde kein Auge zu tun, wie so oft. Die Träume würden kommen, wie so oft. Heute schlimmer als je zuvor, dessen war er sich sicher. Um Beistand bitten? Dazu war er zu stolz.
Zu stur. Zu sehr er selbst.
Der Ritter nickte ihm zu und wandte sich in Richtung Hauptgebäude. Er hatte noch etwas zu erledigen. Ohne zurückzusehen ging er hinein, Flure entlang, wie ferngesteuert. Endlich angekommen betrat er den Raum, schloss die Tür hinter sich und presste sich mit dem Rücken dagegen.
Jakobs Ritter ging und der Knappe blieb mit dem Gefühl zurück, es nun doch vergeigt zu haben. Der Ältere verlangte viel... Jakob atmete durch. Lange blieb er an der zusehends erkaltenden Feuerstelle. Ins Dormitorium der Knappen ging er in dieser Nacht nicht mehr.
Eine knappe halbe Stunde später kam Jarel zurück. Alle Brüder waren fort. Nur Jake kniete vor der erkalteten Asche. Ja. Damit hatte er gerechnet. Keine Grenzen anerkennen. Vor allem nicht die eigenen. Wieder trat der Ritter neben ihn und ging in die Knie. Das Schwert trug er nicht mehr. "Jakob?", sprach er den Jungen an. Irgendetwas war anders. Und der ältere roch irgendwie...alkoholisch?
Er war in einen Halbschlaf gedriftet, irgendwo zwischen Meditation und wirklichem Schlaf. Als der Ritter wieder neben ihn trat, schreckte er auf und wäre wohl auf die Füße gesprungen, wenn seine Beine nicht inzwischen eingeschlafen gewesen wären. Mit einem Fluch auf den Lippen kippte er gegen Jarel, nahm dessen Odeur in vollen Zügen auf. Eben hatte er noch nicht so gerochen... Eben. Wann war eben gewesen?? Jakob blinzelte. Er hatte Stoff in der geschlossenen Faust. "Jarel? Wieso stinkst du plötzlich nach Destille?"
"Das ist nicht dein Problem, Junge.", sagte er sanft und wie noch gestern ruhig. Er legte den linken Arm um ihn. Eine Fahne hatte er nicht. Und er lallte nicht. Der Geruch war aber unverkennbar scharf. "Komm, ich bring dich ins Bett. Möchtest du vorher noch in der Küche vorbei sehen?"
Endlich wieder wach, beäugte Jakob Jarel misstrauisch. Er wusste tatsächlich so wenig von seinem neuen Ritter wie der von ihm. Vielleicht sogar noch weniger. Langsam atmete er durch. Von Alkohol hatte Jakob wenig Ahnung, aber nach Desinfektion roch es nicht. Eher... Süß? "Küche klingt gut." Obwohl er keinen Hunger hatte. Er folgte eher einem Bauchgefühl, abseits des Magens.
Der Ritter lächelte erfreut. "Na, dann komm..." Er ging neben ihm her, in Richtung Küche. "Schön, dass du es einsiehst. Der Tag war anstrengend. Dein Körper braucht Brennstoff. Sonst kommst du morgen nicht hoch." In der Küche begab sich der Ritter gleich an den Herd kniete sich davor hin. "Rührei?", fragte er und stocherte im Herd herum, um das Feuer wieder anzufachen.
Etwas linkisch ging er mit Jarel durch die Reste des Festes in Richtung Refektorium, während der Ältere referierte. Brennstoff. Er brauchte hauptsächlich Schlaf, aber vor dem fürchtete er sich und außerdem war etwas komisch an Jarel, was Jakob dazu brachte, folgsam zu sein. Der Ritter stocherte im Herd, sein Knappe setzte sich mangels Alternativen wieder auf den Boden, Rücken gegen die Wand. "Klar." Immernoch einsilbig und im Grunde war es ihm ganz egal. Eingemachte Kellertreppe seinetwegen.
Mit einem satten FUMB flammte das Feuer im Herd auf. Der Ritter beobachtet Jake und hielt inne. "Bei Elunes gültigem Blick, warte einen Moment." Erst jetzt kann er darauf, dass er für Jake zu dunkel sein könnte in der Küche. Hatte schließlich nicht jeder die Nachsicht eines Schattenläufers. Er griff sich einen bereit liegenden Span mit der linken, hantierte noch einmal an Herd und entzündete mehrere bereitstehende Kerzen. (Bearbeitet)
Dann erhob er sich steif, während die sich langsam beruhigenden Kerzen de Raum spärlich ausleuchteten. Er war nicht einmal klein. Platz war dennoch Mangelware. Die komplette Mitte des Raumes bestand aus einer von zwei Seiten durch einen Halbbogen beschickbaren gemauerten Feuerstelle, vielleicht drei Schritt lang und zwei Schritt breit. Auf dem niedrigen Herd war eine riesige geschmiedete Vorrichtung angebracht, bestehend aus einem eisernen Rahmen, bestückt mit mehr als daumendicken eisernen Stangen. Darüber befand sich eine ebenso geschmiedete Esse in der gleichen Größe. An den Außenseiten der Esse war eine Art Reling angebracht. Und hier hingen Jarels liebste Werkzeuge. Eine Unzahl an Töpfen und Pfannen, Kesseln und Kellen. Die Wände waren gepflastert mit Schränken und Regalen, vollgestellt waren mit einem wilden Sammelsurium von weiterem Geschirr und Behältern aus Holz und Ton. In einer Ecke des Raumes befand sich ein abgetrennter separater Raum, mit einer abschließbaren Tür versehen. Alles war, besonders im spärlichen Licht der Kerzen und des Feuers, in ineinander verschwimmende Sand- Braun und Rosttöne getaucht. Einzig vor dem Fenster konnte man andere Farben erahnen. Hier hingen Kräuterbüschel zum Trocken und verströmten eine Vielzahl von Gerüchen.
Der Ritter erhob sich langsam und ging zu einer Wand. Dort stand eine völlig überladene Bank, die er freiräumte, in dem er sie Dinge davon in die wenigen freien Plätze der Schränke schob oder einfach auf den Boden stellte. Mit der Bank unter dem Arm kehrte er zurück zum Herd und stellte das Möbel in mittelbarer Nähe der Feueröffnung ab. Er ging zu Jake und hielt ihm die linke hin. Das Kerzenlicht malte lange Schatten in das Gesicht des Ritters und Jakobs Fantasie machte die seltsamsten Erscheinungen daraus. Und ja. Der Geruch nach Alkohol war noch immer wahrnehmbar. Hauptsächlich scharf. Desinfektionsmittel? Nein. Es war mehr. „Komm. Setz dich ans Feuer. Wir essen schnell und dann bringe ich dich zum Schlafsaal.“ Noch immer hielt er ihm die Linke hin. Jake wusste, er musste sie nur greifen und der Mann vor ihm würde ihn sozusagen eigenständig auf die Bank befördern. Nur zugreifen.
Die Küche. Ein Ort, an dem sich Ritter und Knappe zukünftig oft aufhalten würden, aber das ahnte Jakob noch nicht. Für ihn war es im Moment nur ein weiterer, fremder Raum, dunkel und höhlenartig, gefüllt mit dem Geruch von Rauch und Kräutern. Dann flammten Kerzen auf, erhellten Jarels Züge, die noch immer von den zwei Fastenwochen gezeichnet waren und auf denen die Schatten nur tiefere Furchen malten. Elune. Schon zum zweiten Mal heute. Für einen Anhänger der Ewigen Flamme rief er erstaunlich oft diesen fremd klingenden Namen an, der offenkundig eine andere Gottheit beschrieb. Oder war es nur ein weiterer Aspekt? Jakob war zu müde für theologische Diskussionen und schob den Gedanken zu vielen anderen in die Warteschleife, während er Jarels Tun auf die ihm eigene Art verfolgte, ohne ein einziges Mal zu blinzeln. Dann kam der Ritter zu ihm und reichte ihm die Hand, wollte ihn zum Feuer führen. Schon wieder. "Ich würde lieber hier bleiben." Am Rand des Lichtkreises, der aus dem Herd kam. Wie Jarel es schon von ihrer Reise kannte - immer maximal weit weg vom Lagerfeuer. Dennoch griff Jakob die gereichte Hand, aber er zog seinerseits an Jarel, anstatt sich auf die Füße ziehen zu lassen. "Was ist los? Was ist das für ein Geruch?", platzte er einfach heraus, was ihn gerade wirklich beschäftigte.
Die Art, wie der Junge ihn zu sich zog war eindeutig. Und seine Stimme...vielleicht nicht so leer wie er es vorher wahrgenommen hatte. Machte er sich Sorgen? "Jakob. Keine Sorge. Ich habe nicht getrunken. Nur ein kleines, peinliches Ungeschick." Wieder eine schwere Hand auf einer schmalen Schulter. Der Junge sah ihn immer noch aus, als würde er kein Wort glauben. Der Ritter kniete sich langsam hin, folgte dem Zug. "Das solltest du eigentlich nicht erfahren. Ich war im Krankenzimmer, wollte eine Kleinigkeit desinfizieren. Meine Hände zitterten so stark.." Der ältere schmunzelte und senkte verlegen den Blick. "Ich hab die Flasche fallen lassen. Der Raum wird noch Wochen stinken. aber so sauber war der Boden noch nie." Er hob den Blick wieder. Ruhig, warm, fast schon gelassen. "Es war die letzte Flasche. Aber der Brandwein war noch da. Damit ging es auch." Nach einer kurzen Pause wollte er es dann doch wissen. "Du hast gedacht, ich hätte getrunken?"
Er zuckte mit den Schultern, plötzlich selbst verlegen. "Ich weiß nicht. Wäre ja nichts dabei, heute. Oder? Die anderen..." Wieder das Schulterzucken. Er hatte ja keine Ahnung, dass es bei Jarel um mehr ging, als ein paar schnöde Regeln.
"Wieso überhaupt? Du kannst doch nichts dafür. Für nichts." Er merkte, dass er unverständliches Zeug redete.
"Du sagtest heute, ich hätte dein Leid nicht ahnen können, weil du nicht geredet hast." Der Ritter schlug die Beine unter und setzte sich seinem Knappen gegenüber, legte seine Handgelenke auf den Knien ab. "Dann soll heute der Tag sein, an dem ich das Schweigen breche." Er sah seinem Gegenüber ruhig in die Augen. "Ich bin trockener Alkoholiker und drogenabhängig. Daher trinke ich nie." Kleine Pause. "Wenn du etwas wissen willst, frag. Ich gelobe dir zu allem die Wahrheit zusagen. Ich vertraue dir."
Er begegnete dem Blick der ruhigen, braunen Augen wie immer, wenn er innerlich abgekehrt war. Jarel kannte das inzwischen auch zur Genüge und war äußerst geduldig darin, es zu ignorieren. Sein Knappe war eine Nuss und er meißelte seit Velen daran herum wie ein emsiger Specht, war sogar sehr weit gekommen, hatte Löcher geschlagen, die sich allerdings mit dem Ritus heute wieder verklebt hatten. Nicht gänzlich geschlossen, aber doch mit dem Mut der Verzweiflung blockiert. Doch dann änderte sich etwas in den Augen des jungen Mannes - man konnte förmlich sehen, dass er innerlich hoch fuhr als hätte er bis hierhin im Standby-Modus verbracht. Alkohol. Drogen. Von einem Moment auf den anderen war ihm zu gleichen Teilen nach Lachen und Weinen zumute. Mit einem Mal ergab alles Sinn - wieso Jarel so genau wusste, was mit Slava zu tun gewesen war. Jakob rieb sich das Gesicht, nickte fahrig. Schon verrückt, aber die Offenbarung öffnete Jarel eine Tür in Jakobs Innerem, denn er zog sofort die Parallele zu Jade. "Hast du das mit dem Eintritt hier hinter dir gelassen?" Vielleicht nicht, was man als erste Frage erwarten würde.
- Jarel Moore
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„Nein.“ Jarel schüttelte den Kopf.
„Ich war schon trocken, bevor ich in diese Welt fiel. Der Anfang hier war schwierig, da ich durch einen Irrtum gleich während der ersten Tage an die falschen Pilze geraten bin. Von Herrenloh half mir da durch und auf die Beine.“
Er sah auf seine Hände.
„Frag ruhig weiter. Heute gehören meine Erinnerungen dir.“
Jarel wusste, welche Gefahr er einging.
Doch dass war es ihm wert. Vertrauen war kein Lippenbekenntnis. Sondern Offenheit.
Und die hatte keinen Preis.
„Ich war schon trocken, bevor ich in diese Welt fiel. Der Anfang hier war schwierig, da ich durch einen Irrtum gleich während der ersten Tage an die falschen Pilze geraten bin. Von Herrenloh half mir da durch und auf die Beine.“
Er sah auf seine Hände.
„Frag ruhig weiter. Heute gehören meine Erinnerungen dir.“
Jarel wusste, welche Gefahr er einging.
Doch dass war es ihm wert. Vertrauen war kein Lippenbekenntnis. Sondern Offenheit.
Und die hatte keinen Preis.
- Vyacheslav Sokolov
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Noch ein Schatten hatte sich verabschiedet als die meisten Ritter verschwunden waren und ebenso die Knappen.
Der Schatten einer grauen Eminenz der Stadt, von der bisher noch niemand wußte, aber der in nur wenigen Monaten oder sogar nur Wochen sogar dem Regenten der Stadt auffallen sollte ob seiner Talente in einem besteimmten Metier.
Nun hatte er genau diese genutzt um sich Zugang zum Innenhof vor dem Tempel des ewigen Feuers zu verschaffen und Zugang zu einem Wehrgang an der Aussenmauer. Die geschlossene Veranstaltung des Ordens hätte das nicht zulassen dürfen, aber er hatte seine Methoden.
Und er war nicht einmal eines gewissen Ritters wegen hier, war sogar bemüht, nicht in sein Blickfeld zu geraten. Wann immer Jarel seinen Bick schweifen ließ war der Schatten verschwunden. Und das war einige Male nötig gewesen, denn der Ritter spürte die Präsenz vielleicht sogar. Aber darum ging es ihm nicht. Ihn hatte tatsächlich nur der Werdegang des Knappen interessiert.
Er hatte gesehen, wie er vor dem Feuer fast in Panik ausgebrochen und geflohen wäre, hatte gesehen wie er die Stufen hinabgefallen war dann aber seinen Weg gegangen war, durch das Feuer in den Tempel.
Und dann war draußen das Fest zu seinen Ehren gewesen und er hatte sich leicht denken können, was Jake davon hielt. Jakob von Nagall... nur zu gerne hätte er das Archiv seiner Behörde dazu befragt, ein interessanter Name der sicher auch in seiner Version der Erde Niederschlag gefunden hatte und den man sich hier wohl merken sollte.
Für diesen Tag aber verschwand er wieder, sprach mit niemandem. Nur ein Schatten.
Bald würde er der Schatten eines mächtigen Mannes sein. Bald.
Der Schatten einer grauen Eminenz der Stadt, von der bisher noch niemand wußte, aber der in nur wenigen Monaten oder sogar nur Wochen sogar dem Regenten der Stadt auffallen sollte ob seiner Talente in einem besteimmten Metier.
Nun hatte er genau diese genutzt um sich Zugang zum Innenhof vor dem Tempel des ewigen Feuers zu verschaffen und Zugang zu einem Wehrgang an der Aussenmauer. Die geschlossene Veranstaltung des Ordens hätte das nicht zulassen dürfen, aber er hatte seine Methoden.
Und er war nicht einmal eines gewissen Ritters wegen hier, war sogar bemüht, nicht in sein Blickfeld zu geraten. Wann immer Jarel seinen Bick schweifen ließ war der Schatten verschwunden. Und das war einige Male nötig gewesen, denn der Ritter spürte die Präsenz vielleicht sogar. Aber darum ging es ihm nicht. Ihn hatte tatsächlich nur der Werdegang des Knappen interessiert.
Er hatte gesehen, wie er vor dem Feuer fast in Panik ausgebrochen und geflohen wäre, hatte gesehen wie er die Stufen hinabgefallen war dann aber seinen Weg gegangen war, durch das Feuer in den Tempel.
Und dann war draußen das Fest zu seinen Ehren gewesen und er hatte sich leicht denken können, was Jake davon hielt. Jakob von Nagall... nur zu gerne hätte er das Archiv seiner Behörde dazu befragt, ein interessanter Name der sicher auch in seiner Version der Erde Niederschlag gefunden hatte und den man sich hier wohl merken sollte.
Für diesen Tag aber verschwand er wieder, sprach mit niemandem. Nur ein Schatten.
Bald würde er der Schatten eines mächtigen Mannes sein. Bald.
- Jakob von Nagall
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- Lebenslauf: Jakob von Nagall
Er sah einen Moment lang weg, aber nichts direkt an. Vieles ging ihm durch den Kopf, aber Jarel hätte sich wohl ziemlich gewundert, wenn über seinem Knappen ein Wölkchen mit dessen Gedanken gestanden wäre. Denn Jakob kam zu dem Schluss, dass Jarel das gleiche Recht auf eine leere Akte hatte, wie das Schicksal es ihm geschenkt hatte. Er wusste nun die wichtigsten zwei Dinge, zusammen mit der Wolfsache drei, mehr wollte er dem Ritter vorerst nicht aus der Nase ziehen. Es reichte, um ein paar Dinge zu begreifen, ein paar Voraussetzungen zu kennen und der Rest würde sich mit der Zeit entwickeln. So schlicht. Wenn es wichtige Dinge gab, die in Jarels Vergangenheit begründet lagen, würde dieser es Jakob wissen lassen.
Jakobs helle Augen kehrten zu Jarel zurück. "Weißt du, in dieser Zelle in Oxenfurt, da hab ich was begriffen. Bisher ist mir immer viel Papier voraus gereist, in dem drin stand, wer ich bin und was alles schlecht an mir ist. Aber hierhin nicht. Mit dir durfte ich einfach bei Null anfangen." Gleich fiel sein Blick wieder auf den Steinboden zwischen ihnen. Besonders rühmlich war dieser Anfang auch nicht gewesen, aber trotzdem... "Und wenn ich mit dir bei Null anfangen darf, wieso solltest du dann nicht auch bei mir ohne Kerben anfangen dürfen?" So viele Worte. Eine wahre Seltenheit. Er hob den Blick nicht wieder, streckte statt dessen seine Rechte zwischen sie, deren vernarbte, unförmige Finger im Kerzenlicht noch grotesker wirkten, als bei Tage schon, und betrachtete sie nachdenklich. Er hatte also vorerst nicht vor, weitere Fragen zu stellen, die Jarels Kerbholz unnötig füllten. Er mochte ihn. Akzeptierte ihn. Einfach so als der, der er heute war. Aber andersrum stand noch eine Frage im Raum, die er nur unzufriedenstellend beantwortet hatte: Was war damals passiert?
Erst wich er sich selbst noch aus. "Danke, dass ich mein Schwert behalten durfte. Es bedeutet mir viel. Das Erste Schwert der Komturei. Es gehörte meinem Vater und davor seinem..." Sein Blick ruhte weiter angestrengt auf seinen deformierten Fingern. Transplantierte Haut, teils künstlich, teils von anderen Körperstellen, fleckig und unnatürlich glatt, frei von Fingerabdrücken. Er gäbe einen guten Dieb oder Meuchler ab... Die Finger ballten sich, formten eine Klaue und dann eine Faust, bevor er sie wieder streckte. Die fremde Haut war flexibel, aber die Falten, die sie warf, waren so seltsam wie das ganze Handkonstrukt.
"Er hat immer Hemden aus... künstlichen Fasern getragen.", es gab kein Wort für Polymere in der Gemeinsprache. "Es ist mit meiner Haut verschmolzen." Typisch. Er fing irgendwo in der Mitte an, aber das war einfach die eindrücklichste seiner Erinnerungen. Ein ehemals hellblaues Hemd, schwelend und schmelzend, seine Finger darin verkrallt, bis alles nur noch schwarz und eins war.
"Ich wollte ihn raus ziehen, aber ab dem Punkt konnte ich es nicht mehr. Ich hab ihn feige im Stich gelassen."
Dunkle Flecken bildeten sich auf dem Stein vor Jakobs Füßen, Kerzenlicht schimmerte kurz in wässrigen Perlen, die sich an der Nasenspitze des jungen Menschen sammelten, bevor sie abtropften. Mehr Flecken verursachend. Seine Stimme blieb allerdings leer.
"Menschen können brennen. Lichterloh. Obwohl sie noch laufen. Und schreien." Ein tiefes Atmen. "Unsere Komturei brannte in dieser Nacht bis auf die Grundmauern nieder. So viele sind gestorben - mein Vater, meine Schwester, mein erster Ritter - und ausgerechnet ich bin da irgendwie raus gekommen. Gott hat mich nicht gewollt. Er hat mich mit weiter leben bestraft." Mit Jakobs Komturei war in dieser Nacht das letzte Templerhaus Europas gefallen und damit ein ganzer Kontinent in die Hand des Feindes. Etwas, was ihm als fest in die Weltsicht der Templer eingefügtem Mitglied des Ordens fast genauso heftig zugesetzt hatte, wie der Verlust selbst. Der Alleingang, den er kaum aus dem Krankenhaus entlassen, mit eben jenem Schwert unternommen und wie durch ein Wunder unverletzt überstanden hatte, war nur der Anfang einer Reihe lebensmüder Aktionen, die seine Mutter sukzessive zur Verzweiflung trieben und seine Ritter einen nach dem anderen zur Aufgabe zwangen.
Jakobs helle Augen kehrten zu Jarel zurück. "Weißt du, in dieser Zelle in Oxenfurt, da hab ich was begriffen. Bisher ist mir immer viel Papier voraus gereist, in dem drin stand, wer ich bin und was alles schlecht an mir ist. Aber hierhin nicht. Mit dir durfte ich einfach bei Null anfangen." Gleich fiel sein Blick wieder auf den Steinboden zwischen ihnen. Besonders rühmlich war dieser Anfang auch nicht gewesen, aber trotzdem... "Und wenn ich mit dir bei Null anfangen darf, wieso solltest du dann nicht auch bei mir ohne Kerben anfangen dürfen?" So viele Worte. Eine wahre Seltenheit. Er hob den Blick nicht wieder, streckte statt dessen seine Rechte zwischen sie, deren vernarbte, unförmige Finger im Kerzenlicht noch grotesker wirkten, als bei Tage schon, und betrachtete sie nachdenklich. Er hatte also vorerst nicht vor, weitere Fragen zu stellen, die Jarels Kerbholz unnötig füllten. Er mochte ihn. Akzeptierte ihn. Einfach so als der, der er heute war. Aber andersrum stand noch eine Frage im Raum, die er nur unzufriedenstellend beantwortet hatte: Was war damals passiert?
Erst wich er sich selbst noch aus. "Danke, dass ich mein Schwert behalten durfte. Es bedeutet mir viel. Das Erste Schwert der Komturei. Es gehörte meinem Vater und davor seinem..." Sein Blick ruhte weiter angestrengt auf seinen deformierten Fingern. Transplantierte Haut, teils künstlich, teils von anderen Körperstellen, fleckig und unnatürlich glatt, frei von Fingerabdrücken. Er gäbe einen guten Dieb oder Meuchler ab... Die Finger ballten sich, formten eine Klaue und dann eine Faust, bevor er sie wieder streckte. Die fremde Haut war flexibel, aber die Falten, die sie warf, waren so seltsam wie das ganze Handkonstrukt.
"Er hat immer Hemden aus... künstlichen Fasern getragen.", es gab kein Wort für Polymere in der Gemeinsprache. "Es ist mit meiner Haut verschmolzen." Typisch. Er fing irgendwo in der Mitte an, aber das war einfach die eindrücklichste seiner Erinnerungen. Ein ehemals hellblaues Hemd, schwelend und schmelzend, seine Finger darin verkrallt, bis alles nur noch schwarz und eins war.
"Ich wollte ihn raus ziehen, aber ab dem Punkt konnte ich es nicht mehr. Ich hab ihn feige im Stich gelassen."
Dunkle Flecken bildeten sich auf dem Stein vor Jakobs Füßen, Kerzenlicht schimmerte kurz in wässrigen Perlen, die sich an der Nasenspitze des jungen Menschen sammelten, bevor sie abtropften. Mehr Flecken verursachend. Seine Stimme blieb allerdings leer.
"Menschen können brennen. Lichterloh. Obwohl sie noch laufen. Und schreien." Ein tiefes Atmen. "Unsere Komturei brannte in dieser Nacht bis auf die Grundmauern nieder. So viele sind gestorben - mein Vater, meine Schwester, mein erster Ritter - und ausgerechnet ich bin da irgendwie raus gekommen. Gott hat mich nicht gewollt. Er hat mich mit weiter leben bestraft." Mit Jakobs Komturei war in dieser Nacht das letzte Templerhaus Europas gefallen und damit ein ganzer Kontinent in die Hand des Feindes. Etwas, was ihm als fest in die Weltsicht der Templer eingefügtem Mitglied des Ordens fast genauso heftig zugesetzt hatte, wie der Verlust selbst. Der Alleingang, den er kaum aus dem Krankenhaus entlassen, mit eben jenem Schwert unternommen und wie durch ein Wunder unverletzt überstanden hatte, war nur der Anfang einer Reihe lebensmüder Aktionen, die seine Mutter sukzessive zur Verzweiflung trieben und seine Ritter einen nach dem anderen zur Aufgabe zwangen.
Zuletzt geändert von Jakob von Nagall am Freitag 19. August 2022, 20:37, insgesamt 1-mal geändert.
- Jarel Moore
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- Lebenslauf: Jarel
Die Schuld des Überlebenden.
Jarel wusste wie sich das anfühlte.
Er legte seine linke leicht auf die verunstalteten Finger des Jungen. Er hatte sich wieder geöffnet. Weit sogar.
Auch wenn der Grund für die harte Rüstung um das Herz des Jungen ein wirklich schrecklicher war, das aufblitzen durch den Spalt der Nussschale gab dem Ritter Hoffnung.
„Gib dir nicht die Schuld dafür.“ Die Bilder, die die Worte des Jungen erzeugten waren so grässlich, dass der ältere sie schnell vertrieb. Dafür huschte einen Moment ein anderes Bild vor seinem inneren Auge vorbei. Ein Bild, das er so geübt verdrängte, dass es nicht einmal den Weg in sein Bewusstsein fand. Etwas, das Jake nicht konnte. Und nie können wurde. Die Seele seines Knappen Seele brannte seitdem.
„Du hast deine Familie mit deinem Leben zu retten versucht. Dir gebührt Ehre. Nicht Schuld. Und egal an welchen Gott du glaubst, vielleicht hat er dich nicht verflucht, sondern mit einer Aufgabe hierher geschickt.“
Jarel schlang die Finger seiner linken Hand um die Klaue, die die Finger des Jungen bildeten.
Gebranntes Kind.
„Ich kann dir den Schmerz nicht nehmen. Der wird dein ewiger Begleiter sein. Aber ich kann dir helfen ihn zu tragen. Du musst es nur zulassen.“
Er blieb einfach hocken, die Augen auf denen des Jungen ruhend und dankbar, noch eine Chance zu bekommen.
Jarel wusste wie sich das anfühlte.
Er legte seine linke leicht auf die verunstalteten Finger des Jungen. Er hatte sich wieder geöffnet. Weit sogar.
Auch wenn der Grund für die harte Rüstung um das Herz des Jungen ein wirklich schrecklicher war, das aufblitzen durch den Spalt der Nussschale gab dem Ritter Hoffnung.
„Gib dir nicht die Schuld dafür.“ Die Bilder, die die Worte des Jungen erzeugten waren so grässlich, dass der ältere sie schnell vertrieb. Dafür huschte einen Moment ein anderes Bild vor seinem inneren Auge vorbei. Ein Bild, das er so geübt verdrängte, dass es nicht einmal den Weg in sein Bewusstsein fand. Etwas, das Jake nicht konnte. Und nie können wurde. Die Seele seines Knappen Seele brannte seitdem.
„Du hast deine Familie mit deinem Leben zu retten versucht. Dir gebührt Ehre. Nicht Schuld. Und egal an welchen Gott du glaubst, vielleicht hat er dich nicht verflucht, sondern mit einer Aufgabe hierher geschickt.“
Jarel schlang die Finger seiner linken Hand um die Klaue, die die Finger des Jungen bildeten.
Gebranntes Kind.
„Ich kann dir den Schmerz nicht nehmen. Der wird dein ewiger Begleiter sein. Aber ich kann dir helfen ihn zu tragen. Du musst es nur zulassen.“
Er blieb einfach hocken, die Augen auf denen des Jungen ruhend und dankbar, noch eine Chance zu bekommen.
- Jakob von Nagall
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- Lebenslauf: Jakob von Nagall
Jarels riesige Linke schloss seine verkrüppelten Finger, die in der Pranke des Ritters fast verschwand. Selten hatte Jakob jemanden mit so großen und trotzdem keineswegs groben Händen kennen gelernt - andererseits hatte er auch schon lange niemanden so nah heran gelassen, dass er dessen Hände hätte studieren können. Die dunkle Stimme des anderen Mannes drang an sein Ohr, aber zunächst war es nur der gleiche Singsang, den die Seelsorger und bezahlten Zuhörer auch von sich gegeben hatten. Gott hat einen Plan, er hat noch eine Aufgabe für dich... Blabla blubber... Ganz automatisch schüttelte er den Kopf. Gott schiss auf die Menschen. Gott war tot. So dachte er oft und dann betete er doch wieder, weil er nichts anderes kannte, um seine Seele zu beruhigen. Vor allem als Miriam noch um ihr Leben gerungen hatte. Nichts hatte es gebracht. Gar nichts. Der letzte Faden zu jenem Gott war an diesem Tag gerissen und er hatte das Ziel aus den Augen verloren. Und betete dennoch weiter, meistens aber nur noch zur Gottmutter und den Heiligen. Am Ende war es wohl nur das Ritual, das ihm half, aber wahrer Glaube stand seit jener Zeit nicht mehr dahinter.
Doch dann sprach Jarel davon, ihm helfen zu wollen, es tragen zu lernen. Das war neu und sorgte dafür, dass die Rädchen in Jakobs Kopf wieder anfingen zu tickern und er die Scheuklappen seiner Ängste zu durchschauen versuchte. Wie hatte Jarel noch in Oxenfurt gesagt? Er stand sich oft genug selbst in der Sicht... Sein Selbstmitleid half niemandem, zu allerletzt ihm und es führte dazu, dass er alle anderen nicht sah. Nicht zuhörte und nicht hin sah.
Sein Blick ruhte weiter auf der Linken des Ritters.
Die LINKE.
Er musste eine Kleinigkeit desinfizieren.
Die hellen Augen wanderten nach rechts, dann nach oben, um endlich wieder in Jarels Gesicht zu blicken. Wie lange hatte er mit der Hand im Feuer wohl auf ihn gewartet? Ihm war der Weg durch die Flammen wie eine Ewigkeit vorgekommen. Unglauben breitete sich auf seinen Zügen aus. Wieso sollte irgendjemand so etwas für ihn tun?
"Es tut mir Leid. Du hast dich wegen mir verbrannt.", stellte er tonlos fest, presste die Lippen aufeinander. Tränen hatte er für heute keine mehr. "Schlimm?" Er fühlte sofort wieder seinen Magen krampfen - wer, wenn nich er wusste, wie schmerzhaft solche Wunden waren? Dann zog er noch weitere Konsequenzen in Betracht. "Ich hoffe, du bekommst wegen mir keinen Ärger." Noch ahnte er nicht, dass es vielleicht das erste, aber nicht das letzte Mal sein würde. Oder doch, eigentlich ahnte er es schon, denn er kannte sich. 21 Jahre ließen sich nicht einfach aus seinem Verhaltensmuster streichen, nur weil er gerade sehr handzahm war.
Entschlossen raffte Jakob die Scherben seiner selbst zusammen und erhob sich mit der Flexibilität seiner Jugend, um nun seinerseits Jarel auf die Beine helfen zu wollen. Er zwang sich dem Ritter zuliebe sogar zu einem schiefen Grinsen. "Das Ei wird kalt." Ihm war nicht nach essen, aber auch das würde er Jarel zuliebe tun.
Doch dann sprach Jarel davon, ihm helfen zu wollen, es tragen zu lernen. Das war neu und sorgte dafür, dass die Rädchen in Jakobs Kopf wieder anfingen zu tickern und er die Scheuklappen seiner Ängste zu durchschauen versuchte. Wie hatte Jarel noch in Oxenfurt gesagt? Er stand sich oft genug selbst in der Sicht... Sein Selbstmitleid half niemandem, zu allerletzt ihm und es führte dazu, dass er alle anderen nicht sah. Nicht zuhörte und nicht hin sah.
Sein Blick ruhte weiter auf der Linken des Ritters.
Die LINKE.
Er musste eine Kleinigkeit desinfizieren.
Die hellen Augen wanderten nach rechts, dann nach oben, um endlich wieder in Jarels Gesicht zu blicken. Wie lange hatte er mit der Hand im Feuer wohl auf ihn gewartet? Ihm war der Weg durch die Flammen wie eine Ewigkeit vorgekommen. Unglauben breitete sich auf seinen Zügen aus. Wieso sollte irgendjemand so etwas für ihn tun?
"Es tut mir Leid. Du hast dich wegen mir verbrannt.", stellte er tonlos fest, presste die Lippen aufeinander. Tränen hatte er für heute keine mehr. "Schlimm?" Er fühlte sofort wieder seinen Magen krampfen - wer, wenn nich er wusste, wie schmerzhaft solche Wunden waren? Dann zog er noch weitere Konsequenzen in Betracht. "Ich hoffe, du bekommst wegen mir keinen Ärger." Noch ahnte er nicht, dass es vielleicht das erste, aber nicht das letzte Mal sein würde. Oder doch, eigentlich ahnte er es schon, denn er kannte sich. 21 Jahre ließen sich nicht einfach aus seinem Verhaltensmuster streichen, nur weil er gerade sehr handzahm war.
Entschlossen raffte Jakob die Scherben seiner selbst zusammen und erhob sich mit der Flexibilität seiner Jugend, um nun seinerseits Jarel auf die Beine helfen zu wollen. Er zwang sich dem Ritter zuliebe sogar zu einem schiefen Grinsen. "Das Ei wird kalt." Ihm war nicht nach essen, aber auch das würde er Jarel zuliebe tun.
- Jarel Moore
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- Registriert: Freitag 25. März 2022, 23:06
- Lebenslauf: Jarel
„Nein, nicht schlimm.“, antwortete Jarel. Das kam der Wahrheit sogar recht nahe. Es gab schlimmeres als Schmerzen.
Sein Knappe hatte seine Worte verneint. Durchgehend. Und trotzdem war da wieder Leben in seinen Augen. Verstand. Anwesenheit. Elune sei Dank.
Mit irgendwas hatte er ihn erreicht. Mit was, spielte keine Rolle. Hauptsache Jake stürzte nicht weiter ab.
Er rang sich sogar ein Lächeln ab. Schief wie Sargeras Zähne, aber ein Lächeln. Er gab sich Mühe.
Das wusste der Ritter zu schätzen. Mit einem leisen Ächzen ließ er sich hoch helfen.
Verdammt, das war ein langer Tag gewesen.
„Möchtest du Speck zu deinen Eiern?“
Viel geredet wurde nicht mehr. Es wurde viel geschwiegen. Ein angenehmes Schweigen. Ein zufriedenes Schweigen.
Beide waren ausgelaugt und müde. Vor allem mental müde.
Der Ritter hätte seinen Knappen zu gern zu den Schlafräumen begleitet, aber der drohte ihm leise schimpfend etwas Unverständliches an, sollte er ihn nicht allein gehen lassen.
Lachend ließ Jarel Jakob allein gehen. Die beiden trennten sich für diese Nacht. Jakob in den Schlafsaal, Jarel in das kleine Gebäude, dass er allein bewohnte.
Und zumindest Jarel schlief in dieser Nacht traumlos und tief.
Sein Knappe hatte seine Worte verneint. Durchgehend. Und trotzdem war da wieder Leben in seinen Augen. Verstand. Anwesenheit. Elune sei Dank.
Mit irgendwas hatte er ihn erreicht. Mit was, spielte keine Rolle. Hauptsache Jake stürzte nicht weiter ab.
Er rang sich sogar ein Lächeln ab. Schief wie Sargeras Zähne, aber ein Lächeln. Er gab sich Mühe.
Das wusste der Ritter zu schätzen. Mit einem leisen Ächzen ließ er sich hoch helfen.
Verdammt, das war ein langer Tag gewesen.
„Möchtest du Speck zu deinen Eiern?“
Viel geredet wurde nicht mehr. Es wurde viel geschwiegen. Ein angenehmes Schweigen. Ein zufriedenes Schweigen.
Beide waren ausgelaugt und müde. Vor allem mental müde.
Der Ritter hätte seinen Knappen zu gern zu den Schlafräumen begleitet, aber der drohte ihm leise schimpfend etwas Unverständliches an, sollte er ihn nicht allein gehen lassen.
Lachend ließ Jarel Jakob allein gehen. Die beiden trennten sich für diese Nacht. Jakob in den Schlafsaal, Jarel in das kleine Gebäude, dass er allein bewohnte.
Und zumindest Jarel schlief in dieser Nacht traumlos und tief.
- Jakob von Nagall
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- Registriert: Sonntag 7. November 2021, 10:18
- Lebenslauf: Jakob von Nagall
Er gabelte sein Ei, den Speck hatte er abgelehnt. Eine gute Sache an Jarel war, dass man mit diesem schweigen konnte und er nicht das Gefühl hatte, dieses mit Geschwätz füllen zu müssen. So herrschte einfach gefräßige Stille. Dann spülten sie das Geschirr und Jarel hätte ihn wohl am liebsten bis ans Bett gebracht und noch zugedeckt. Grummelnd schickte Jakob den Ritter seiner Wege - für heute hatte er sich genug blamiert. Er drohte ihm noch an, ihm Federn an den Wappenrock zu nähen, wenn er sich weiter aufführte wie eine Glucke, aber er tat es leise und auf Deutsch, den eigentlich wollte er keinen Zank mehr. Nicht mehr in dieser Nacht. Es reichte auch so, dass Jarel ihn ziehen ließ.
In seinem Bett lag er noch eine ganze Weile wach, durchlebte die Minuten des Rituals wieder und wieder, stellte sich selbst und sein irrationales Verhalten in Frage. Ein Kreisel, auf dem seine Gedanken sich drehten und immer wieder am gleichen Punkt anfingen, nur um ihn vom Schlaf abzuhalten.
Irgendwann dämmerte er doch weg, mitten hinein in Trugbilder voller brennender Schatten. Sein Vater erschien, sein Gesicht zur Hälfte geschmolzen, als sei es ais Wachs und er presste ihm das Schwert des Komturs in die erhobenen Hände wie Jarel noch Stunden zuvor. Die Klinge glühte, verbrannte seine Handflächen und schnitt zugleich tief hinein. Hinter ihm wuchs ein riesiges Kruzifix in den Himmel, an dessen Holz Miriam genagelt war, anklagend starrte sie zu ihm herab. Jemand lachte, Jakob drehte sich um und da stand Gabriel, das Gesicht zu eine Maske des Grauens verzogen, ein teuflisches Glühen in den Augen. Er wollte das Schwert am Heft greifen, doch seine Finger waren mit dem Metall verschmolzen.
Gabriel fletschte die dolchlangen Zähne und sprang...
Schweißgebadet fuhr Jakob hoch, atmete hart gegen die Effekte des Traumes an. Es war noch immer dunkel, doch aus dem Bett neben sich konnte er Henselts geweitete Augen sehen. Der andere Knappe hatte sich auf einen Arm hoch gestützt, schwieg aber.
Jakob schwang die Beine aus dem Bett und rieb sich das Gesicht, dann stand er auf. "Schlaf weiter."
"Wo willst du hin?"
"Nur frische Luft schnappen."
Dann war er fort. Doch statt einfach nur frische Luft zu schnappen, lief er. Runde um Runde um den Tempelkomplex, den Hof, die Gärten und Gebäude. Er lief bis er glaubte, das Ei in den Dreck spucken zu müssen, dann machte er eine kurze Pause und begann von vorn.
Der Morgen dämmerte erst schwach - bis zu seiner Einladung zum Kaffee konnte er noch einige Runden drehen, bevor er sich säubern und umkleiden sollte...
In seinem Bett lag er noch eine ganze Weile wach, durchlebte die Minuten des Rituals wieder und wieder, stellte sich selbst und sein irrationales Verhalten in Frage. Ein Kreisel, auf dem seine Gedanken sich drehten und immer wieder am gleichen Punkt anfingen, nur um ihn vom Schlaf abzuhalten.
Irgendwann dämmerte er doch weg, mitten hinein in Trugbilder voller brennender Schatten. Sein Vater erschien, sein Gesicht zur Hälfte geschmolzen, als sei es ais Wachs und er presste ihm das Schwert des Komturs in die erhobenen Hände wie Jarel noch Stunden zuvor. Die Klinge glühte, verbrannte seine Handflächen und schnitt zugleich tief hinein. Hinter ihm wuchs ein riesiges Kruzifix in den Himmel, an dessen Holz Miriam genagelt war, anklagend starrte sie zu ihm herab. Jemand lachte, Jakob drehte sich um und da stand Gabriel, das Gesicht zu eine Maske des Grauens verzogen, ein teuflisches Glühen in den Augen. Er wollte das Schwert am Heft greifen, doch seine Finger waren mit dem Metall verschmolzen.
Gabriel fletschte die dolchlangen Zähne und sprang...
Schweißgebadet fuhr Jakob hoch, atmete hart gegen die Effekte des Traumes an. Es war noch immer dunkel, doch aus dem Bett neben sich konnte er Henselts geweitete Augen sehen. Der andere Knappe hatte sich auf einen Arm hoch gestützt, schwieg aber.
Jakob schwang die Beine aus dem Bett und rieb sich das Gesicht, dann stand er auf. "Schlaf weiter."
"Wo willst du hin?"
"Nur frische Luft schnappen."
Dann war er fort. Doch statt einfach nur frische Luft zu schnappen, lief er. Runde um Runde um den Tempelkomplex, den Hof, die Gärten und Gebäude. Er lief bis er glaubte, das Ei in den Dreck spucken zu müssen, dann machte er eine kurze Pause und begann von vorn.
Der Morgen dämmerte erst schwach - bis zu seiner Einladung zum Kaffee konnte er noch einige Runden drehen, bevor er sich säubern und umkleiden sollte...
- Jarel Moore
- Spieler Level 5
- Beiträge: 1049
- Registriert: Freitag 25. März 2022, 23:06
- Lebenslauf: Jarel
Es klopfte gerade in dem Moment, in dem Jarel sich fertig angezogen hatte.
Es klopfte drei Mal. Kurz, präzise, mit Nachdruck. Das war keiner der Knappen.
Nachdenklich steckte Jarel sich das Tuch mit dem er sich gerade den Schweiß abgewischt hatte zurück in den Ärmel des Hemdes. Er hatte geplant mit Jakob zu frühstücken, sich beim Großkomtur abzumelden und Ljerka aufzusuchen.
„Ja?“
Die Tür wurde geöffnet. Die Person, die dort stand hatte Jarel nicht erwartet. Und dass der Adjutant des Großkomturs schnaufte wie ein Schmiedebalg verhieß nichts Gutes.
„Eelco, alles in Ordnung?“
Auf das du ging der Buchhalter nicht ein. Stattdessen der scharf gebellte Befehl.
„Zum Großkomtur. Sofort.“
Der Ritter blinzelte kurz, dann nahm er Haltung an. „Jawohl.“
Nur Minuten später stand er vor der Tür des Büros des Obersten. Wischte sich noch einmal den Schweiß vom Gesicht, strich sich ein weiteres Mal seine Kleidung glatt und atmete durch.
Ärger. Das bedeutete Ärger.
Verdient.
Nun, das würde er schon durchstehen. Wie hart das für ihn werden würde ahnte Jarel nicht. Nicht einmal ansatzweise.
Der Ritter hob die Hand um zu klopfen, doch als hätte der Großkomtur ihn gerochen, rief eine Stimme von innen „Eintreten! Sofort.“
Der ehemalige Schattenläufer zog eine Augenbraue hoch, schluckte. Er trat augenblicklich ein.
Wenzen von Herreloh, der schon so lange das gewählte weltliche und geistliche Oberhaupt seines Ordens war, stand mit im Rücken verschränkten Armen am Fenster.
Kein gutes Zeichen. Der Großkomtur hatte von Anfang an immer eine unglaubliche Geduld mit ihm gehabt. Und eben diese schien nun am Ende.
"Das, Jarel Moore, war ein Desaster! Ein Fiasko!"
Von der üblichen Ruhe seines Vorgesetzen keine Spur.
Der Ritter hatte seine liebe Mühe seine Nervosität nicht zu zeigen.
Er tat in das kleine Büro ein und schloss die Tür hinter sich. Einen Moment wollte der ehemalige Schattenläufer die Arme hinter den Rücken verschränken. Im letzten Moment entschieden seine Arme sich jedoch von allein, sich vor seinem Körper zusammenzufinden.
Er schob die Füße für einen stabilen Halt leicht auseinander atmete bewusst ein und aus und erwartete das Donnerwetter.
Das Donnerwetter kam.
"Was denkst du, Jarel, wieso ich DICH deinen Knappen selbst wählen lasse, anstatt dir eine der Rotznasen aufzudrücken, die Frideric hier dauernd anschleppt?"
Der Ritter dachte nach. Nunja, von den Rotznasen hätte keiner länger als ein paar Wochen unter seiner Knute ausgehalten.
Seinen Schwertherren zu unterbrechen wagte er jedoch nicht.
"Wieso, frage ich dich, lasse ich diesen von DIR gewählten jungen Mann ALLEIN vor die Ewige Flamme treten, anstatt gemeinsam mit all den anderen?"
Das hatte Jarel auch gewundert. Ja. Durchaus. Aber hinterfragt hatte er es auch nicht, sondern es auf Jakobs Herkunft geschoben. Von den anderen getrennt um im Falle eines Ausrutschers nur den richtigen aufzufallen. Ohnehin war er viel zu abgelenkt gewesen in den letzten Wochen um wirklich hinter diese Tatsache zu blicken.
Damit war von Herrenlohs scharfer, schneidender Monolog noch nicht zu Ende.
Es bildete sich bereits wieder ein Schweißfilm der Stirn des Ritters. Doch der ehemalige Schattenläufer wagte es nicht sich zu rühren. Nicht einen Millimeter.
"Jarel, ich war der festen Überzeugung, dass du längst begriffen hast, was der halbe Orden schon ahnt! Und jetzt so etwas! Willst du mich verspotten?"
Der Ritter wollte antworten, doch über ein „Nein, Syre.“, kam er nicht hinaus.
Mit einer harschen Handbewegung brachte der Großkomtur ihn zum Schweigen.
"Du warst MEIN Knappe, beim Licht! MEIN Schwert hat dich zum Ritter geschlagen! Verstehst du was das heißt? Wie man dich sieht? Und nun ihn?"
Die Wangen des sonst so unnahbaren Mannes begannen zu brennen.
Natürlich hatte er die Gerüchte gehört. Und nie dementiert. Es brachte ihm schließlich Respekt, für den nächsten Großkomtur gehalten zu werden.
Doch für WAHR hatte er sie nie gehalten. Er war kein Anführer. Die Präsenz seines Herrn würde er niemals erreichen. Und seine Führungsqualitäten schon gar nicht.
Der Schweiß begann ihm zu laufen, rann ihm über den Rücken, versickerte in den Augenbrauen.
"Er hat erwidert, er glaube an die Ewige Flamme! Lüge? Antworte! Und wage es nicht, auch zu lügen."
Der Ritter räusperte sich und setzte an zu sprechen, als Wenzel einmal mehr die Stimme erhob und ihn zum Schweigen brachte.
"Ein Glück der Hierarch hat sich in letzter Minute unpässlich gemeldet! Nicht auszudenken...! Ach, er wird es ohnehin erfahren. Unglück! So ein Unglück."
Jarels Gedanken rasten. Es waren also die Wahrheit gewesen und kein überzogenes Gerücht. Wenzel von Herrenloh hatte IHN als seinen Nachfolger vorgesehen.
Schlimmer noch. SEIN Knappe hätte ihm wiederrum nachfolgen sollen. Seine Knie wurden ihm weich. Ihm wurde speiübel. Unter den hektischen roten Flecken wurde er kreidebleich.
Haltung bewahren! Nichts anmerken lassen.
Die Wangen des Ritters brannten weithin sichtbar und tat etwas, was im Orden allein Jakob schon einmal gesehen hatte. Er senkte hochgradig betroffen den Blick.
„Jakob steht hinter den Grundsätzen des Ordens.“, setzte er an und versuchte seiner Stimme Festigkeit zu verleihen. „Er war in seiner Welt Mitglied eines Ordens der in seiner Welt dieselben Aufgaben hatte wie wir hier.
Er ist ein guter Junge. Bevor er herkam, verlor er seinen ganzen Orden, seine Eltern, seine Schwester in den Flammen. Er sah sie brennen, Syre. Er kann seine Angst nicht überwinden. Aber der Glauben ist tief in ihm verwurzelt.“
Am liebsten hätte er ‚Tiefer als bei mir.‘ hinzugefügt. Von seinem gesenkten Haupt rollte ein Schweißtropfen über die Nase und tropfte zu Boden.
Dem Ritter fehlten die Worte. Würden er ihn wegschicken? Was würde dann aus Jakob?
Er hob den Blick obwohl er das Gefühl hatte, Wenzels Augen würden ihn auf der Stelle erstarren lassen.
Was auch immer jetzt kam. Da musste er durch.
Jedes: ‚Er tut mir leid.‘ wäre zu vielgewesen. Leer. Sinnlos.
Stattdessen fragte er: „Wie geht es weiter?“
Es klopfte drei Mal. Kurz, präzise, mit Nachdruck. Das war keiner der Knappen.
Nachdenklich steckte Jarel sich das Tuch mit dem er sich gerade den Schweiß abgewischt hatte zurück in den Ärmel des Hemdes. Er hatte geplant mit Jakob zu frühstücken, sich beim Großkomtur abzumelden und Ljerka aufzusuchen.
„Ja?“
Die Tür wurde geöffnet. Die Person, die dort stand hatte Jarel nicht erwartet. Und dass der Adjutant des Großkomturs schnaufte wie ein Schmiedebalg verhieß nichts Gutes.
„Eelco, alles in Ordnung?“
Auf das du ging der Buchhalter nicht ein. Stattdessen der scharf gebellte Befehl.
„Zum Großkomtur. Sofort.“
Der Ritter blinzelte kurz, dann nahm er Haltung an. „Jawohl.“
Nur Minuten später stand er vor der Tür des Büros des Obersten. Wischte sich noch einmal den Schweiß vom Gesicht, strich sich ein weiteres Mal seine Kleidung glatt und atmete durch.
Ärger. Das bedeutete Ärger.
Verdient.
Nun, das würde er schon durchstehen. Wie hart das für ihn werden würde ahnte Jarel nicht. Nicht einmal ansatzweise.
Der Ritter hob die Hand um zu klopfen, doch als hätte der Großkomtur ihn gerochen, rief eine Stimme von innen „Eintreten! Sofort.“
Der ehemalige Schattenläufer zog eine Augenbraue hoch, schluckte. Er trat augenblicklich ein.
Wenzen von Herreloh, der schon so lange das gewählte weltliche und geistliche Oberhaupt seines Ordens war, stand mit im Rücken verschränkten Armen am Fenster.
Kein gutes Zeichen. Der Großkomtur hatte von Anfang an immer eine unglaubliche Geduld mit ihm gehabt. Und eben diese schien nun am Ende.
"Das, Jarel Moore, war ein Desaster! Ein Fiasko!"
Von der üblichen Ruhe seines Vorgesetzen keine Spur.
Der Ritter hatte seine liebe Mühe seine Nervosität nicht zu zeigen.
Er tat in das kleine Büro ein und schloss die Tür hinter sich. Einen Moment wollte der ehemalige Schattenläufer die Arme hinter den Rücken verschränken. Im letzten Moment entschieden seine Arme sich jedoch von allein, sich vor seinem Körper zusammenzufinden.
Er schob die Füße für einen stabilen Halt leicht auseinander atmete bewusst ein und aus und erwartete das Donnerwetter.
Das Donnerwetter kam.
"Was denkst du, Jarel, wieso ich DICH deinen Knappen selbst wählen lasse, anstatt dir eine der Rotznasen aufzudrücken, die Frideric hier dauernd anschleppt?"
Der Ritter dachte nach. Nunja, von den Rotznasen hätte keiner länger als ein paar Wochen unter seiner Knute ausgehalten.
Seinen Schwertherren zu unterbrechen wagte er jedoch nicht.
"Wieso, frage ich dich, lasse ich diesen von DIR gewählten jungen Mann ALLEIN vor die Ewige Flamme treten, anstatt gemeinsam mit all den anderen?"
Das hatte Jarel auch gewundert. Ja. Durchaus. Aber hinterfragt hatte er es auch nicht, sondern es auf Jakobs Herkunft geschoben. Von den anderen getrennt um im Falle eines Ausrutschers nur den richtigen aufzufallen. Ohnehin war er viel zu abgelenkt gewesen in den letzten Wochen um wirklich hinter diese Tatsache zu blicken.
Damit war von Herrenlohs scharfer, schneidender Monolog noch nicht zu Ende.
Es bildete sich bereits wieder ein Schweißfilm der Stirn des Ritters. Doch der ehemalige Schattenläufer wagte es nicht sich zu rühren. Nicht einen Millimeter.
"Jarel, ich war der festen Überzeugung, dass du längst begriffen hast, was der halbe Orden schon ahnt! Und jetzt so etwas! Willst du mich verspotten?"
Der Ritter wollte antworten, doch über ein „Nein, Syre.“, kam er nicht hinaus.
Mit einer harschen Handbewegung brachte der Großkomtur ihn zum Schweigen.
"Du warst MEIN Knappe, beim Licht! MEIN Schwert hat dich zum Ritter geschlagen! Verstehst du was das heißt? Wie man dich sieht? Und nun ihn?"
Die Wangen des sonst so unnahbaren Mannes begannen zu brennen.
Natürlich hatte er die Gerüchte gehört. Und nie dementiert. Es brachte ihm schließlich Respekt, für den nächsten Großkomtur gehalten zu werden.
Doch für WAHR hatte er sie nie gehalten. Er war kein Anführer. Die Präsenz seines Herrn würde er niemals erreichen. Und seine Führungsqualitäten schon gar nicht.
Der Schweiß begann ihm zu laufen, rann ihm über den Rücken, versickerte in den Augenbrauen.
"Er hat erwidert, er glaube an die Ewige Flamme! Lüge? Antworte! Und wage es nicht, auch zu lügen."
Der Ritter räusperte sich und setzte an zu sprechen, als Wenzel einmal mehr die Stimme erhob und ihn zum Schweigen brachte.
"Ein Glück der Hierarch hat sich in letzter Minute unpässlich gemeldet! Nicht auszudenken...! Ach, er wird es ohnehin erfahren. Unglück! So ein Unglück."
Jarels Gedanken rasten. Es waren also die Wahrheit gewesen und kein überzogenes Gerücht. Wenzel von Herrenloh hatte IHN als seinen Nachfolger vorgesehen.
Schlimmer noch. SEIN Knappe hätte ihm wiederrum nachfolgen sollen. Seine Knie wurden ihm weich. Ihm wurde speiübel. Unter den hektischen roten Flecken wurde er kreidebleich.
Haltung bewahren! Nichts anmerken lassen.
Die Wangen des Ritters brannten weithin sichtbar und tat etwas, was im Orden allein Jakob schon einmal gesehen hatte. Er senkte hochgradig betroffen den Blick.
„Jakob steht hinter den Grundsätzen des Ordens.“, setzte er an und versuchte seiner Stimme Festigkeit zu verleihen. „Er war in seiner Welt Mitglied eines Ordens der in seiner Welt dieselben Aufgaben hatte wie wir hier.
Er ist ein guter Junge. Bevor er herkam, verlor er seinen ganzen Orden, seine Eltern, seine Schwester in den Flammen. Er sah sie brennen, Syre. Er kann seine Angst nicht überwinden. Aber der Glauben ist tief in ihm verwurzelt.“
Am liebsten hätte er ‚Tiefer als bei mir.‘ hinzugefügt. Von seinem gesenkten Haupt rollte ein Schweißtropfen über die Nase und tropfte zu Boden.
Dem Ritter fehlten die Worte. Würden er ihn wegschicken? Was würde dann aus Jakob?
Er hob den Blick obwohl er das Gefühl hatte, Wenzels Augen würden ihn auf der Stelle erstarren lassen.
Was auch immer jetzt kam. Da musste er durch.
Jedes: ‚Er tut mir leid.‘ wäre zu vielgewesen. Leer. Sinnlos.
Stattdessen fragte er: „Wie geht es weiter?“