Ard Skellige - Einars Fischerhütte

Die Skelligen bzw. die Skellige-Inseln gehören zu den nördlichen Königreichen und liegen im nördlichen Meer.
Sie liegen von der Westküste von Cidaris und Verden sowie vom Nordwesten her von Cintra zu erreichen.
Auf den Skellige-Inseln wird ein eigener Dialekt gesprochen.
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Einar
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von/nach: Wald von Ard Skellige --> Einars Fischerhütte
Datum: Herbst 1277
betrifft: Avarion DeSpaire
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Er beobachtete den Elf, der beim Anblick der Burg sichtlich bestürzt reagierte. Als er denn auf die kleine Erhebung kletterte, war Einar schon drauf und dran, den Hirsch abzuwerfen, um dem Flüchtigen nachzusetzen, doch es war keine Flucht. Der Fremde wollte sich eher einen Überblick verschaffen und schien ratlos ob seiner Situation - der Seebär krauste die Stirn, wartete jedoch ab. Aufmerksam verfolgten die blauen Augen dabei jede Bewegung des Elfen und seine guten Ohren nahmen die Worte wahr. Was er hörte oder besser wie es gesagt wurde, denn verstehen konnte er es nicht, machte ihn zusehends misstrauischer. Ungleiches Augenpaar, wechselnder Timbre der Stimme. Der Elf sprach zu sich, antwortete sich und benahm sich in Gänze höchst sonderbar. Einar war selbst ein Verfluchter, daher fiel es ihm leicht, nicht vorschnell zu urteilen, aber er wollte den seltsamen Fremden nun möglichst schnell zu Mäussack bringen, damit Licht ins Dunkel kam. So hoffte er jedenfalls.
Der Wanderer brauchte eine Weile, um sich zu sammeln, doch dann richtete er sich auf und blickte herüber. Einar begegnete dem Blick der ungleichen Augen mit den Ruhe seines inneren Bären und wartete mit der Geduld des Seemanns in der Flaute. Dann endlich kehrte sein neuer Begleiter zu ihm zurück und sagte etwas in seiner fremden Sprache. Er konnte nur vermuten, dass es Zustimmung war oder sonst eine Vermeldung, dass es weiter gehen konnte. Der Seemann sparte sich eine Erwiderung und nickte statt dessen nur, bevor er sich wieder auf den Weg machte und dem gewundenen Pfad am Berg hinab zum Hafen folgte.

Der große Mann hüllte sich in Schweigen und schleppte seine Last Richtung Dorf. Die Sonne und das Gewicht trieben ihm doch allmählich den Schweiß aus allen Poren und ließen dunkle Flecken auf seiner Kleidung erscheinen. Der Hirsch baumelte an ihm herab, schlug mit dem Nacken rhythmisch gegen seinen Oberschenkel und piekte ihn hin und wieder mit dem Geweih, was er quittierte, indem er ihn etwas anders positionierte. Der Bär war stark und ausdauernd, aber auch nicht ewig und so war er denn doch froh, als sie bei Einars Hütte ankamen, vor der er den Hirsch auf den Boden fallen ließ, bevor er die Tür öffnete und dem Elf winkte, ihm zu folgen.
Sein bescheidenes Heim bestand nur aus einem Raum mit einer abgetrennten Schlafnische, auf der mit Bohnenstroh gefüllte Säcke unter Tuch und Fellen seine Schlafstatt bildeten. Außerdem gab es eine Kochstelle, einen Tisch und zwei Bänke, eine Truhe und ein paar Regale für Töpfe, Teller und was man so brauchte, um sich einfach zu versorgen. Ausgediente Fischernetze hingen an der Decke, Seesterne, Muscheln und allerlei Dinge vom Grund der See oder ihrem Rand waren hinein geflochten. Der Tisch war wie immer bedeckt mit Karten, die er teils irgendwo erstanden und teils selbst gezeichnet hatte. Navigation und Kartografie waren von jeher zwei seiner Steckenpferde und machten ihn zusammen mit seinem Wesen zu dem Kapitän, der er war.
Er ließ den Elf mit sich und seinen Gedanken einen Moment allein und ging zur Kochstelle, um einen Wasserschlauch von einem Haken zu nehmen. Dem Elf füllte er einen Becher, stellte ihn auf den einzigen freien Flecken des Tisches und wies darauf. "Wasser.", informierte er den Fremden, ahnend, dass er es sowieso nicht verstand. Dann setzte er den Schlauch an die bärtigen Lippen und leere das Gefäß fast bis zur Hälfte, bevor er mit einer Geste anbot auch dem unfreiwilligen Gast nachzufüllen. Dabei trat er an den Tisch, auf dem zuoberst eine Karte der westlichen Küstenlinie mit Skellige, Cintra und einem Teil Nilfgards lag. Nachdenklich betrachtete er die Karte und dann den anderen Mann. Inzwischen war er sich relativ sicher, keinen Nilfgarder vor sich zu haben, aber woher kam der Kerl dann?
Den Wasserschlauch noch immer in einer Hand, ab und an einen Schluck nehmend, wies er auf das Archipel auf der Karte, damit der andere sich verorten konnte. "Skellige.", sagte er, auch wenn es auf der Karte geschrieben stand. Wer wusste schon, konnte der Mann lesen. "Du?", fragte er dann mit einer Geste auf den Kartenhaufen, besann sich dann scheinbar plötzlich und tappte sich mit der flachen Hand auf die Brust, wo unter dem Hemd die Bärentatze verborgen lag. "Einar Sversson. Man nennt mich auch Einar Bärenherz." Dabei beobachtete er den anderen Mann scharf. Unter den nilfgarder Seeleuten war sein Name bekannt und gefürchtet, kam er also von Süden und hatte mit der Marine zu tun, könnte er den Namen eventuell kennen und darauf reagieren.
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Avarion DeSpaire
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Schweigend war Ion gefolgt. Sein Blick war immer noch stets hin und her gewandert und hatte alles erfasst, was es zu sehen gab. Gerade der Hafen war interessant, aber zu dem ging es offensichtlich nicht direkt. An der Hütte angekommen behielt er einen leichten Abstand und beobachtete Einar, wie dieser sein Gepäck ablegte. Es war schon erstaunlich das er das Tier überhaupt so lange tragen konnte. Zumindest beruhigte es Ion ein wenig, dass der Mensch nicht gänzlich ohne Anstrengung geblieben war, was die Schweißflecken und der Schimmer auf der haut nur zu deutlich zeigte.
Auf Einars wink hin, war er in die Hütte gefolgt und sah sich drinnen neugierig um. Bei der Deko unter der Decke musste er schmunzeln, vermutete er, das es hier auch eine Frau gab. Denn Dekoration war etwas, was er für sich zu Hause nur in einer Form kannte und zwar in Papierform, gebunden in dicke Bücher.
Als er die Karten entdeckte trat er von selber an den Tisch heran und beugte sich darüber um sie sich an zu sehen. Sorgfältig ließ er den Blick über die einzelnen Karten wandern und suchte nach Anhaltspunkten, die er wieder erkennen könnte. Doch auch hier Fehlanzeige. Selbst die Buchstaben schienen allesamt Fremd zu sein, denn er erkannte nicht ein einiges Wort.
Entsprechend resignierend presste er kurz die Lippen aufeinander. Er richtete sich wieder auf und nahm das ihm gebotene Wasser entgegen. Er nickte dankbar. Erst jetzt merkte er wieder, wie durstig er war. Er kippte den Inhalt des Bechers regelrecht herunter und atmete erleichtert auf. Als Einar ihm Wasser zum nachschenken anbot, nickte er und hielt ihm den Becher hin. Diesen trank er deutlich langsamer und gesitteter und es schien ihn gewaltig zu erfrischen. Die Übelkeit die in seinem Inneren vorherrschte verschwand und er fühlte sich auch nicht mehr so leer und müde.
Der Mensch klopfte sich auf die Brust und Ion erkannte sofort das er sich vorstellte. Und da war er, der Elf, der in Ion steckte, denn er legte sich die Hand auf die Brust und deutete eine erhabene Verbeugung an. Dann sagte er ruhig und deutlich: "Avarion DeSpaire." Dann nahm er die Hand hoch und legte Daumen und Zeigefinger fast aneinander und ergänzte. "Ion."
Dann trat er wieder an den Tisch heran und studierte die Karten. Nicht eine davon zeigte etwas was er wieder erkannte. Er machte eine weit ausholende Bewegung über alle Karten und fragte: "Azeroth? Kalimdor?" Allerdings bezweifelte er, dass der Mensch auch nur von einem schon mal gehört hatte. Während er auf eine Antwort wartete stellte er die Tasche auf die Bank und zog seinen grauen dünnen Mantel aus, den er zum reiten über seiner Robe trug. Trotz der Strapazen im Wald hatte die Robe nicht viel abbekommen und war lediglich am unteren bestickten Saum leicht staubig. Auch waren kaum Falten zu sehen. Er legte den Finger auf die Insel, die den Namen Skellige auf der Karte trug und deutete mit der Hand drum herum. Dann seufzte er und zuckte mit den Schultern. Er sah ihn an und ein resignierender Ausdruck schlich sich auf seine Gesichtszüge. "Ich kann dir nicht sagen, wo ich herkomme." sagte er und schüttelte den Kopf.
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Einar
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Hätte er die Gedanken des Elfs erraten, er hätte wohl gelacht. Die Netze und all die Schätze darin waren sein eigenes Werk, seine Hommage an die Wunder der See und die Befriedigung einer gewissen Sammelleidenschaft, die er schon als Kind besessen hatte. Und dann musste das ganze Zeug ja irgendwo hin - also dahin, wo es niemanden störte. An Wände und an die Decke. Die Netze boten da eine gute Möglichkeit und waren für sich genommen ebenfalls Zeugen seiner Verbundenheit mit der See. Doch er konnte nun einmal keine Gedanken lesen und so würde der Elf mit seiner Vermutung allein und falsch gewickelt bleiben. Auch sonst zeigte die Hütte wenig Hinweise auf die ordnende Hand einer Frau, doch das entging dem Fremden, denn dieser beugte sich sogleich neugierig über die Karten, bevor er sich selbst vorstellte.
"Avarion.", wiederholte er. Als Seefahrer war es ihm leicht, fremde Laute und Intonationen aufzufassen und zu imitieren, daher brauchte er nur zwei Versuche, um den Namen hervor zu bringen, wie er wohl klingen sollte. Dann gab ihm Avarion eine Abkürzung zur Hilfe und er lächelte. "Ion also. Freut mich." Das Lächeln wurde zu einem Feixen. "Einar." Keine Abkürzung. Er hasste es, wenn man das versuchte und es war auch Punktlos. Was sollte man an 'Einar' abkürzen? Sein Name war ausgezeichnet, so wie er war und man konnte ihn fantastisch Brüllen. Und Ion schien mit seinem Namen rein gar nichts anfangen zu können oder er war ein guter Schauspieler.
Den Wasserschlauch in der Hand trat er noch etwas näher an den Tisch und lauschte. Azarott und Kali-was? Einar krauste die Stirn, zog ein paar ältere Karten der Südlande aus dem Stapel und warf einen kritischen Blick darauf, doch die dort liegenden Provinzen hatten allesamt Namen, die mit dem, was Ion fragte, nichts gemein hatten. Ratlos schüttelte Einar den Kopf. Noch einer, der von den Sternen gefallen war, so wie Saga? Vielleicht kannte sie ja dieses Azarott. Während er seinen Gedanken dazu nachhing, legte Ion Tasche und Mantel ab. Darunter erschien eine schwarze Robe, die selbst ihm altertümlich vorkam. Es hieß, die Zauberer trugen solche Kleidung, wenn sie sich zu einem Rat versammelten, aber dann auch noch einen spitzen Hut und einen Stab. War der Fremde also vielleicht Zauberer? Zumindest sprach er weiter in seinem elfischen Kauderwelsch auf Einar ein, zuckte die Schultern und schüttelte den Kopf, sichtlich ratlos. Er fand sich auf den Karten also nicht wieder.
Einar hängte den Wasserschlauch weg, räumte dann Bogen und Köcher auf und wechselte ganz ungeniert das Hemd. Es war schweißnass und wenn sie zum Druiden in die Burg wollten, legte er ein wenig Wert auf geordnete Kleidung. Außerdem könnte es ja sein, dass ihnen Saga über den Weg lief und dann wollte er nicht riechen wie das Tier, dessen Tatze in Form einer Narbe auf seiner rechten Brust prangte und das in seiner Seele hauste. Er schlüpfte also in ein Wams, schnürte es zu und wandte sich dann Ion wieder zu.
"Keine Ahnung, was du redest, Ion - ich bringe dich zu unserem Druiden. Wenn einer dein elfisches Geschwafel versteht, dann er.", ließ er den Anderen wissen, ohne Hoffnung, dass der ihn verstand. Die Ratlosigkeit im Gesicht Ions bestätigte diese Vermutung und er fuchtelte mit der Hand grob in Richtung Burg. "Kaer Trolde. Du und ich. Druide. Reden." Dazu machte er die entsprechenden Gesten. "Komm." Damit trat er vor die Hütte, wo er sich an den Hirsch erinnerte und fluchte. Richtig, schon wieder halb vergessen. Er packte das Tier bei den Läufen, schleifte es um die Hütte und hängte es an den Hinterbeinen in ein Gestell, dass offensichtlich genau diesem Zweck diente. Lange würde er nicht fort bleiben können - er musste das Tier ausweiden und abziehen, bevor es sich in einen Ballon verwandelte. Kritisch beäugte er seinen Fang, dann seufzte er und machte sich auf den Weg. Ion bedeutete er mit einem Wink, ihm zu folgen.

Der Weg zur Burg führte zunächst zwischen den Häusern des Dorfes hindurch, dann durch das untere Tor, welches sie ohne Probleme passierten. Einar war den Wächtern bekannt und sie grüßten ihn freundlich, während sie Ion mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen beäugten. Schwarz war einfach eine Farbe, der man in den freien Königreichen mit Argwohn begegnete. Der Pfad wand sich entlang des Felsens empor, tauchte manchmal in gehauene Tunnel oder führte über steinerne Brücken bis zur großen Brücke, die zum Haupttor führte. Auch hier wechselte Einar nur ein paar wenige Worte mit den Kriegern Ubbes und wurde eingelassen. Und auch hier folgten dem Elf in nilfgaarder Schwarz wieder misstrauische Blicke, doch niemand hielt ihn auf, war er doch in Begleitung des Seebären. Dieser schritt zielsicher durch die verwinkelten Gänge der Burg, erklomm Treppen und durchquerte Räume, bis sie schließlich in jenem Teil der Burg ankamen, den Mäussack bewohnte, wenn er nicht gerade in Höhlen oder Hainen herum stöberte.
Einar klopfte kräftig an die beschlagene Tür.

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Zuletzt geändert von Einar am Mittwoch 15. Juni 2022, 11:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Avarion DeSpaire
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In Einars Hütte hatte Ion seinen Becher mit Wasser geleert und ihn auf den Tisch zurück gestellt. Es hatte ihm sichtbar gut getan, wirkte er nicht mehr so müde und erschöpft. Auch war die Übelkeit verschwunden und der Elf konnte in Ruhe sein Umfeld wahrnehmen. Die neuen Karten, die der Mensch herausgesucht hatte, gaben leider auch keinen Aufschluss für ihn wo er sich befand. Er trug es mit Fassung und atmete durch.
Als Einar dann anfing sich in seiner Gegenwart einfach oben herum zu entkleiden fokussierte sich Ion etwas mehr auf die Karten, kam aber nicht umhin, ihn verstohlen einmal zu mustern. Am interessantesten fand er dabei die Narbe auf der Brust. Ob er mal von einem wilden Tier angegriffen worden war? Die Form war auf jeden Fall ungewöhnlich.
Fast schon aus den Gedanken gerissen blinzelte Ion den Menschen an, als dieser ihn ansprach. Wie auch Einar mit dem Elfisch, so verstand Ion kein einziges Wort. Erst als der Mensch betont das "Kaer Trolde" und die Worte danach sprach, hatte er das Gefühl zumindest einen Teil davon verstanden zu haben. Das "Du" und das "Ich", das "reden" und das "Komm" konnte er herleiten. Ion nickte, zog sich seinen Mantel wieder über die edle Robe und hängte sich die Tasche um.
Dann folgte er ihm nach draußen und sah etwas verlegen auf den Hirsch. Von seiner Mutter, die ihr Handwerk als Jägerin verstand, wusste er, das das Wild nicht lange liegen durfte. Er wollte gerade irgendwie symbolisieren, das Einar das Tier in Ruhe erst ausnehmen konnte, bevor sie irgendwo hin gingen, da schleppte er es auch schon weg. Langsamen Schrittes folgte er dem Menschen und beobachtete ihn dabei, wie er das riesige Tier aufhängte, doch fing er nicht an dieses aufzubrechen. Einen Blick auf den Hirsch zurück werfend folgte er dem Menschen.
Der Weg durch die Stadt war höchst interessant für Ion. Neugierig sah er sich um und alles an an dem sie vorbei kamen. Unter dem Tor blieb er stehen und betrachtete es von unten sich einmal um die eigene Achse drehend. Den Blick der Wachen hatte er schlicht nicht mitbekommen und die Blicke der Leute kannte er zu genüge, war er solchen oft genug ausgesetzt gewesen, aus den verschiedensten Gründen. Auch die Wege entlang der Felsen fand er sehr faszinierend und in den Tunneln hätte er am liebsten seine Stimme laut erklingen lassen, nur um die Akustik zu vernehmen. Er musste weit ausschreiten um mit Einar Schritt halten zu können. dabei hielt er mit einer Hand weiter seine Tasche so fest, dass sie auf dem Rücken lag und ihm nicht ständig vor den Beinen baumelte und mit der anderen hielt er den Mantel geschlossen. In seinen Augen sah man die Faszination, die der Ort auf den jungen Mann ausübte. Immer wieder blieb er kurz stehen um sich etwas an zu sehen. Was seinem Reiseleiter wahrscheinlich tierisch auf die Nerven ging.
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Einar
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von/nach: Burg von Kaer Trolde --> Einars Fischerhütte
Datum: Herbst 1277
betrifft: aktuell niemanden
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Einar verließ die Burg auf dem gleichen Weg, den er gekommen war, allerdings hielt er diesmal am unteren Tor für ein Schwätzchen mit der Wache. Sie lümmelten gemeinsam an der Mauer, hinter der es steil abwärts zum felsigen Strand hinunter ging und redeten - was auch sonst - vom Krieg. Skellige war mehr denn je von Nilfgaard bedroht, die Schiffe der Schwarzen segelten dreist mitten durch ihre Hoheitsgewässer und die Drachenboote waren nicht zahlreich genug, um sie alle in Schach zu halten. Sollte Emhyr sich in den Kopf setzen, Skellige zu erobern, würde viel Blut fließen. Die Krieger der Inseln waren furchtlos und gefürchtet, doch die bloße Zahl der Nilfgaarder war erdrückend. Sie musste sie auf See stellen, mit den schnellen, wendigen Booten. Dann hatten sie gegen die schweren Kriegsschiffe des Kaiserreichs vielleicht eine Chance. Und sie brauchten Verbündete. Die Hoffnung des Soldaten lag eindeutig auf der Heirat Arias in die freie Stadt Nowigrad. Es würde den Handelsrat und Redanien stärker für Skellige verpflichten, sodass man sich von dort Unterstützung erhoffen konnte. Ob er schon Neues wüsste. Einar hatte den Kopf geschüttelt - bisher war aus Nowigrad keine Nachricht gekommen, dass Aria angekommen war, doch der Weg war auch weit. Wenn er richtig rechnete, würde die Kutsche noch Zeit brauchen.
Man verabschiedete sich und Einar marschierte auf kürzestem Weg zu seinem Haus. Quer durch das Dorf.

Der Hirsch hing noch, wie er ihn aufgehängt hatte - das glasige Auge auf den Jäger gerichtet. Einar holte ein scharfes Messer und machte sich ans Werk. Brach den Hirsch bis zum Waidloch auf, ließ das Messer dann zu beiden Schenkeln hin durch das weiche Bauchfell gleiten. Der Aufbruch fiel ihm zu Füßen, während er geschickt alles Bindegewebe und Sehnen bis zum Schlund hin vom Tierkörper trennte. Schon scharten sich gilfernd die Hunde am Straßenrand, doch sie wagten sich nicht an den riesigen Mann heran, der begonnen hatte, ein Liedchen zu pfeifen. Fett, Leber, Herz, Magen und Nieren wanderten in eine hölzerne Schale. Im Magen würde er noch nach Steinen suchen - man sagte ihnen Wunderkräfte zu und daher würde er sie mit nach Hindarsfjall nehmen. Alles weitere warf er den Hunden zu, die sich darauf stürzten wie ein wütendes Rudel Wölfe. Einar beachtete sie nicht weiter und machte sich daran, dem Hirsch das Fell über die Ohren zu ziehen. Geschickt führte er das Messer um die Fesseln und dann zwischen Haut und Fettgewebe entlang. Den Kopf mit dem schönen Geweih hatte er zuvor abgetrennt und in eine weitere Schale verfrachtet.
Blutig und nackt hing der Hirsch nach einer Weile über einer Lache Blut, von der ein Rinnsal zur Straße hin floss und dort von den Hunden aufgeleckt wurde, die nichts ab bekommen hatten. Das Fell hatte Einar auf einen weiteren Rahmen gespannt, wo es etwas trocknen konnte, bevor er es zusammen mit einigen guten Stücken Fleisch zu Brundhild bringen würde. Kurz stand er vor seinem blutigen Werk, beide Arme bis zu den Ellenbogen mit Blut besudelt und ging im Geiste die Schnitte durch, die das Tier in seine Teile zerlegen würden. Dann machte er sich auch an diese Arbeit.
Bratenstücke, Kochfleischstücke, Knochen, Reste für Trockenfleisch. Nichts würde verschwendet werden und alles wanderte Stück für Stück in die eine Besonderheit, die seine Hütte hatte: einen tiefen Keller, in dem er Eis lagerte, das er im Winter schlug. Jetzt im Herbst war das meiste davon geschmolzen, doch er konnte bereits Nachschub von den kalten Hochlagen besorgen. Die Idee zu diesem Keller hatte er aus der Fremde mitgebracht, wo es solche in einem großen Hafen gegeben hatte, um Waren zwischen zu lagern. Im kleinen war die Sache nicht so effizient, doch sie reichte aus, um einen Teil der Jagdbeute zumindest ein paar Tage länger frisch zu halten. Außerdem war der Keller gut genug verschlossen, dass die Fliegen nicht so leichtes Spiel hatten.
Den Anteil für Brundhild, den Schädel und das Fell verpackte er und machte sich auf den Weg zu seiner Familie, um danach das Badehaus und dann den "Neuhaven", den einzigen Gasthof des Dorfes, aufzusuchen. Die Aktion hatte ihn den Gutteil des restlichen Tages gekostet.

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Einar
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Wenn Einar auffiel, dass Ion sich unter seiner ungezwungenen Körperlichkeit unwohl fühlte, dann zeigte er das in keinster Weise. Wenn man wochen- oder sogar monatelang mit vielen Männern auf engstem Raum lebte, dann verlor man irgendwann das Gespür für die den Menschen - und wohl auch Elfen - natürlich gesetzten Grenzen, innerhalb derer man andere Wesen der eigenen Art tolerierte. Diese Radien schrumpften mit der Zeit, wenn in einer Flaute die Sonne auf das Deck brannte und alle bis auf einen Lendenschurz nackt Schulter an Schulter ruderten oder man sich in einer eiskalten Nacht auf See unter Pelzen aneinander drängte, um die Körperwärme zu teilen, bis es keine wirklichen Grenzen mehr gab. Einmal daheim kam es Einar dann die ersten Tage seltsam vor, Raum zu haben oder gar allein zu sein. Doch der Habitus blieb einfach erhalten.
Dafür schaute er etwas erstaunt drein, als der Elf bei der Erwähnung der erwarteten Nachkommenschaft aus der Wäsche schaute, als wollte er sich als Amme anbieten. Einar gelang es gerade so, einen entsprechenden Kommentar herunter zu schlucken, zumal Brun sofort dazu gesprungen kam. Er konnte die Frage zwar nicht verstanden haben, aber ihn beschäftigte die Sache wohl sehr und so kam er sofort gelaufen, kaum dass Einar die Sprache darauf brachte.
"Die Seherin sagt, es werden Zwillinge. Hoffentlich Jungs. Mädchen sind so langweilig und heulen dauernd." Damit sprang er behände über die Reling und rannte die hüpfende Planke hinunter zum Steg, bevor Ion oder Einar diese betreten konnten. Letztere ließ Ion mit einer Geste den Vortritt und den Stein dafür los. Mehr als Höflichkeit - ein Kapitän verließ sein Schiff selbst im Hafen noch stets als letzter. Sein Blick glitt noch einmal über das Deck, dann folgte er Ion an Land. Immer ein komisches Gefühl nach dem weichen Wiegen des Schiffskörpers plötzlich den unbewegten Fels unter den Füßen zu haben.
Brun war längst außer Sicht und Einar schritt eine Weile schweigend neben Ion her. Endlich unter vier Augen überlegte er angestrengt, wie er seine Fragen von gestern Abend platzieren konnte, ohne den Gast ähnlich vor den Kopf zu stoßen wie Saga und sich zugleich nicht selbst zu weit zu öffnen. Im Ergebnis ging er lange wortlos einher, grüßte nur gelegentlich Leute und schwatzte einem rundlichen Mann drei Eier ab. So recht fand er keinen Ansatz, also beschränkte er sich vorerst auf die Stadtführung, wobei das Dorf nicht allzu viel zu bieten hatte.
Er zeigte Ion den Platz, der in Kaer Trolde als Markt diente, führte ihn in die Handwerkergasse und wies ihn auf die winzige Tuchhandlung an deren Ende hin, da der Elf Schneiderei als seine Profession genannt hatte. Immer darauf bedacht, den Stein in Reichweite zu haben, sollte sein Begleiter Fragen haben - und wie er ihn inzwischen kannte, hatte der ein ganzes Buch davon.
War der Himmel anfangs noch von zerrissenen Wolken gefleckt gewesen, schob sich nun zusehends eine dunkelgraue Wand von Westen herein und der kalte Wind frischte weiter auf, sodass sogar der hart gesottene Skelliger seinen Plaid enger schloss. Sorgenvoll blickte er in den Himmel, dann auf die graue Fläche des Meeres, auf der sich weiße Schaumkronen zur Küste hin türmten. Die Götter wollten den Inseln dieses Jahr wohl schon früher einen Hauch von Winter schicken. Doch er schwieg vorerst, nicht ahnend, dass die grauen Wolken den ersten Schnee und der Westwind das erste Eis bringen würde.
Allerdings beeilte sich Einar nun, zu seiner Hütte zu kommen, denn gemütlich war es draußen langsam nicht mehr, zumal sich nadelscharfe Regentropfen in den Wind mischten. Er ließ Ion ein, schloss die Tür und zog zusätzlich einen schweren Vorhang vor diese, um den Wind, der sich durch die Ritzen drücken wollte, vollends auszusperren. Wie ein nasser Hund schüttelte er sich, um die Kälte zu kommentieren, warf den Plaid auf einen Schemel und machte sich am Herd zu schaffen, schürte das Feuer neu. Immerhin war der Tisch noch aufgeräumt, da er ja noch vor kurzem mit Rowan und Brun hier gesessen hatte.
Einar rieb sich die Hände vor den Flammen. "Ein Wetter ist das.", murmelte er nun doch. "Dann wollen wir mal sehen... Eier, Zwiebeln... ich hab doch vorhin noch, ach da ist er ja, der Schinkenspeck... dann hol ich noch was vom Hirsch. Magst du gewürzten Wein, Ion? Heiß?" Er zog schon die kleine Luke auf, hinter der es in seinen Keller ging und aus dem fast ebenso eisige Luft empor schlug, wie jene, vor der sie eben geflohen waren. Das es noch früher Morgen war, schien ihn bei der Wahl der Getränke nicht sonderlich zu beeinflussen.
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Avarion DeSpaire
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Den Erstaunten Gesichtsausdruck hatte Ion bemerkt und sagte mit einem Schulter zucken. "Mein Großvater ist Hebamme und ich bin selber Vater. Ich liebe Kinder. Neues Leben uns so." letztes Sagte er mit einer Andeutung von Jubel und halb erhobener Arme. Als Brun dann die Zwillinge erwähnte und seinen Wunsch nach Jungs, musste er doch schmunzeln. So unterschiedlich konnten die Meinungen zu diesem Thema sein. Er selber mochte sowohl seine Jungs als auch seine Mädchen und wenn er genauer darüber nachdachte, so war der Unterschied bei ihnen nicht sehr groß. Musste an seiner Frau liegen. Roana hatte es auch faustdick hinter beiden spitzen Ohren und nahm es mit jedem Mann auf. Für die werdende Mutter hoffte er das die Seherin sich irrte, denn zwei Kinder zu gebären und zeitgleich groß zu ziehen war vor allem die ersten Jahre eine ganz andere Herausforderung.
Ion sah dem Jungen nach, wie dieser von Bord gesprungen und davon geeilt war und folgte seinem Beispiel, nur deutlich gesitteter und die Planke benutzend. Er wartete bis auch Einar sein Boot verlassen hatte und folgte ihm fast auf gleicher Höhe durch die Stadt. Während des Gehens steckte er die Hände in die Manteltaschen und sah sich neugierig um.
Tatsächlich stellte sich so etwas wie wiedererkennen bei ein zwei wenigen Gebäuden ein und das Gefühl, hier schon mal gewesen zu sein. Die Verhandlungen um die Eier verfolgte Ion teilweise mit Hand am Stein, teils ohne um ein Gefühl für die Sprache zu bekommen. Ein sehr euphorisches Vorhaben für seinen zweiten Tag in dieser Welt und nicht von Erfolg gekrönt.
Der Gang durch die Handwerkergasse war für ihn äußerst faszinierend und den Tuchhändler hätte er am liebsten sofort besucht. Er schaffte es sogar ganze drei Schritte an diesem Vorbei, bevor er Ruckartig herum fuhrt, Einar beim Handgelenk packte und diesen hinter sich her in den Laden zog, wie eine kaufwütige Frau ihren Mann.
Auch hier schienen Elfen nicht sonderlich oft zu verkehren, was der Händler aber sehr gut verbarg. Ion bat Einar für ihn zu übersetzen und stöberte durch die Auswahl an Stoffen. Zu seinem persönlichen Leidwesen, waren die Stoffe hier nicht annähernd dass was er von zu Hause gewohnt war und doch wurde er fündig. So landete ein dichter dunkelblauer Stoff und ein helles Leinen auf den Tisch und Ion maß mit der Hand selber ab, wie viel er brauchte. Dafür spreizte er den Daumen und den kleinen Finger entgegengesetzt soweit ab wie es ging und legte die anderen drei Finger dazwischen in die Handfläche. Die Hand in dieser Haltung legte er so zum Abmessen auf den Stoff das die Fingerknöchel der drei mittleren Finger den Stoff berührten. Er fing an der Schnittkante an und ließ abwechselnd kleinen Finger und Daumen stehen, während er die Hand in der Haltung einmal rechts und einmal links herum drehte um die benötigte Menge abzumessen. Offensichtlich machte er das öfters so.
Die Verhandlungen danach verfolgte er äußerst fasziniert, denn ans Feilschen hatte er schlicht nicht gedacht. Wieder etwas was ihm in den letzten Jahrzehnten abhandengekommen war. Solange ihm der Preis nicht horrend vorkam, hatte er einfach bezahlt. Hier aber kam er sich vor, als ob Einar um Kopf und Kragen feilschte. Am Ende wurden sie sich einig und bevor das für ihn selber noch peinlicher würde, gab er das Geld schlicht dem Hünen in die Hand. Der Händler hätte sich sonst garantiert gefühlt, als ob sie ihn verspotten wollen. Erst verhandeln bis aufs Blut und dann ein Vermögen auf den Tisch legen. Ion klemmte sich die Stoffe unter der Arm und folgte Einar weiter durch die Stadt. "Danke. Das war sehr nett von dir." sagte er unterwegs.
Es hatte angefangen haarfein zu regnen und Ion zog seinen Mantel enger. Sein Blick folgte Einar in Richtung Meer und so wie es aussah zog schlechtes Wetter auf. Mit den ersten Tropfen hatte es Einar dann deutlich eiliger nach Hause zu kommen und Ion kostete es tatsächlich etwas Mühe Schritt zu halten ohne gleich zu laufen.
In der Hütte angekommen war Ion von außen Nassgeregnet und unter der Kleidung leicht am Schwitzen, eine klamme Kombination aus Stoff. Er legte den gekauften Stoff auf einen freien Schemel und wollte gerade anbieten sich um das Feuer zu kümmern, als Einar sich schon selber daran zu schaffen machte. Aus der Tasche holte er den Stein hervor und legte ihn auf den Tisch, so dass sie beide jederzeit die Chance hatten diesen zu berühren wenn es erforderlich war.
Den Satz mit dem Wetter hatte er nicht verstanden, lagen Ions Finger in dem Augenblick nicht am Stein, dafür verstand er aber den Rest, weil er sofort den Kontakt zu dem kleinen Dolmetscher suchte. Klang nach einer Rustikalen Mahlzeit, aber um diese Uhrzeit schon Wein und dann auch noch heiß. Er nickte vorsichtig und deutete mit dem erhobenen Zeigefinger, dass er einen Wein mit trinken würde. "Der Hirsch von gestern?" fragte er nach und nahm dann auf einem der Schemel Platz, während Einar die Luke öffnete. "Oh. Ein Kühlkeller. Das hätte ich gar nicht erwartet. Sehr gut." Im sitzen öffnete er den Mantel, zog ihn aber nicht aus. Auch wenn er nass war, so schützte er immer noch etwas mehr vor der Kälte als wenn er ihn ausziehen würde. Außerdem musste seine Kleidung wieder trocken werden und da Magie gerade tabu war, musste es halt von selber gehen.
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Einar
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Ein Großvater, der Hebamme gewesen war... während Einar im Keller nach der Flasche suchte und dann noch ein Stück Fleisch vom Haken nahm, war ihm diese Bemerkung wieder eingefallen. Der Opa Hebamme, der Enkel Schneider... Er urteilte selten vorschnell, aber sein Bild von den weibischen Elfenmännern bekam ein paar neue Farbkleckse. Obwohl er unter den Nilfgaardern durchaus herausfordernde Gegner mit spitzen Ohren gehabt hatte, konnte er oft einfach nicht anders, als sich diese Art mit Laute, Blumenkranz und - jetzt - Säugling im Arm vorzustellen.
In seiner Welt war Geburtshilfe Sache der Frauen und andersrum wachten diese eifersüchtig über dieses Privileg. Wo Freya regierte, hatten Männer nichts verloren. Diese Schlachten schlugen Frauen allein und er war sich auch nicht sicher, ob er so genau wissen wollte, wie dieser Prozess von statten ging. Er wusste, wie es hinein ging, aber wieder hinaus? Beunruhigend... Ein wenig war er froh, dass er sich darum nie würde Gedanken machen müssen. Sein Fluch verbot ihm Nachkommen.
"Heißt es dann Hebammer?", ließ er seinen Gedanken freien Lauf, während er die Stiege wieder empor stieg. Immerhin hatte er schon eine Weile vergessen, den tumben Kraftprotz zu miemen. Gedankensprünge von der langsamen Art gehörten da zwangsläufig hinzu, immerhin gab es kluge Leute wie Ion, deren Kopf flexibel schaltete. Und Fetzen der Älteren Rede zu beherrschen kam auch nicht in Frage, weswegen er die erste Frage geflissentlich überhörte und erst als seine Finger den Stein berührten, einen Blick zurück auf die Klappe zum Keller warf.
"Hm ja, in Kovir macht man das so in den großen Umschlaghäfen. Im Winter kommt Eis rein und das hält den Sommer über ganz passabel kalt. Und Eis haben wir im Winter reichlich.", sprach er im Plauderton, während er anfing das zarte Stück, das er ausgewählt hatte mit einem sichtlich scharfen Messer in hauchdünne Scheiben zu schneiden. Einer wanderte direkt vom Messer in seinen Mund und er wirkte überaus zufrieden mit der Aussicht auf diese Leckerei. Ein weiteres Messer und die Zwiebeln hatte er vor dem Elfen abgelegt, ohne Aufforderung. Sein Blick glitt zu dem Bündel Stoff, dass er für Ion heraus gehandelt hatte und er wies mit dem Kinn darauf.
"Was hast du vor damit?" Das alle Handgriffe dadurch verlangsamt wurden, dass jeder von ihnen immer wieder eine Hand an den Stein legen musste, störte Einar überhaupt nicht. Zu Hause war er die Geduld in Person. Er würfelte Speck, sah immer wieder nach dem Gewürzwein und begann schließlich eine Pfanne zu erhitzen. Brun tauchte kurz auf, brachte das Brot und die Nachricht, dass er einen Bruder und eine Schwester hatte - immerhin ein Junge. Sein Vater würde die beiden zum nächsten Rat anerkennen und ihnen Namen geben. Bis dahin würde Brundhild ihnen alberne Kosenamen geben. Damit sprang er wieder davon, aufgekratzt, wie nur Kinder es sein konnten.
Einar stellte zwei dampfende Becher auf den Tisch. "Auf meinen Neffen und meine Nichte. Der Götter Hand über ihr Schicksal.", sagte er durchaus mit dem Ernst eines gläubigen Mannes.
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Avarion DeSpaire
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Ion nahm das Messer und die Zwiebel zur Hand und schnitt diese mit erstaunlichem Geschick klein. Er fragte nicht, ob Streifen oder Würfel. Da sie in die Pfanne sollten war die Form zweitrangig. Erstaunlicherweise wurden seine Augen nicht rot und er fing auch nicht an zu weinen. Im Gegenteil. Naschte Einar von dem Fleisch, so nahm Ion sich einen Streifen Zwiebel und aß diesen, als wäre es normal.
Für Einars Frage hatte er kurz inne gehalten und legte das Messer nieder. "Ich werde mir etwas für drüber nähen. Meine Robe scheint nicht ganz so unauffällig oder gar ungefährlich zu sein. Und wenn es richtig kalt wird sollte ich auch was warmes haben. Und aus dem Leinen werde ich noch ein Hemd für drunter nähen. Ich bereite mich einfach ein wenig auf die Weiterreise vor, da ich nicht weiß wie lange es dauern wird, bis ich wieder zu Hause bin. Auf Dauer werden da noch ein paar Sachen dazu kommen. Und auf dem Festland werde ich mir wohl auch ein Pferd zulegen, es sei denn wir finden meinen Wolf wieder. Gesehen hattest du ihn nicht zufällig, oder war gehört?"
Als der Junge herein kam und Brot brachte, nickte Ion ihm grüßend zu. Die Nachricht von der Geburt der Kinder ließ ihn lächeln. Scheinbar war alles gut gegangen. Seltsamerweise beruhigte ihn das sofort ein wenig. Ein Junge und ein Mädchen. Sehr schön. So hatten beide Eltern was von den Kindern. Den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, war der Junge auch schon wieder zur Tür raus. "Ganz schön lebhaft der Gute. Wie alt ist er?" fragte Ion nach und sah dann zu Einar, der ihm einen Becher mit dem Gewürzwein hingestellt hatte. Er nahm den Becher an sich und roch daran, erinnerte ihn der Duft direkt an die beschauliche Zeit, wenn es draußen kalt und drinnen gesellig wurde.
"Auf das neue Leben." erwiderte er und trank einen ordentlichen Schluck. Der Wein schoss ihm sofort intensiv in den Kopf und heiß die Speiseröhren herunter. Über all wo er vorbei kam, erfüllte er Ions Inneres mit einer angenehmen Wärme, die dem Elfen sehr willkommen war, nach der hartnäckigen Kälte von draußen. dass es eigentlich noch ein wenig zu früh für Alkohol war, hatte er just vergessen. "Konntest du Saga gut unterbringen?" fragte er völlig aus dem Kontext gerissen und behielt den Becher in einer Hand, um mit der anderen den Stein berühren zu können.
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Einar
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Einars Kochstelle bot für die Inseln erstaunlich vielseitige Möglichkeiten, denn von seinen Reisen hatte er allerlei Ideen mitgebracht, die über einen Kessel oder einen Spieß hinaus gingen. So lehnte an der Wand ein dicker, flacher Stein mit besonders glatter Oberfläche und in der Feuerstelle standen neben dem klassischen Dreifuß für einen Kessel, an dem in einem Solchen der Gewürzwein baumelte, Gestelle unterschiedlicher Höhe, in die man aus Eisen getriebene Kochgeräte einsetzen konnte. Unter anderem flache Pfannen und in eine solche ließ er nun den Speck gleiten, wo mit lautem Prasseln das Fett ausbriet. Dann folgten die Zwiebeln, die er immer wieder schwenkte, bis sie goldbraun waren. Dabei entzündete sich ab und an das heiße Fett - ein Spektakel, dass Brundhild immer zur Weißglut trieb, weil sie fürchtete, er würde die Hütte dabei anzünden.
Er schlug Eier auf und spielte zwischendurch immer wieder mit dem Stein, während er Ion zuhörte und warf oder schob ihn zurück, wenn er dessen Fragen beantwortete. So entwickelte sich eine Choreographie, deren Zentrum der Stein bildete und deren Randpunkt Herd, Tisch und die zwei ungleichen Männer.
"Wäre mir ein Wolf der Größe aufgefallen, dass man darauf reiten kann, hätte ich mir seinen Pelz geholt.", erwiderte er munter. Er lachte gutmütig. "Wenn er sich nicht vorher meinen geholt hätte... Also nein. In den nördlichen Reichen gibt es Pferdeleiher in allen größeren Städten. Hat den Vorteil, dass man sich keinen Kopf um Unterbringung und Hufschmied machen muss.", fügte er an und prüfte, ob das Ei schon fest wurde. Dann setzte er die Pfanne auf das nächst höhere Gestell, ging in die Knie und kramte in einem Schrank hinter einem Vorhang herum. Er zog diverse Tongefäße heraus, öffnete sie und stellte die einen zurück und die anderen oben auf den Rand des Herdes.
"Brun ist zehn Winter alt, fast ein Mann. Seine Schwester Isold ist sechs. Eigentlich sagten die Heiler, meine Schwester könne nach ihr nicht mehr empfangen. Die Göttin war wohl anderer Meinung. ...Ah!" Triumphierend stellte er ein weiteres Tongefäß auf den Herd, warf wieder einen Blick in die Pfanne und stellte dann seine Ausbeute auf dem Tisch ab. Das eine entpuppte sich als Honigbehälter, aus dem anderen schüttete Einar eine Mischung aus getrockneten Früchten und Nüssen auf einen Teller, nachdem er kurz an der Öffnung gerochen hatte .
"Letzte Jahr Qualität.", flaxte er und begann noch das Brot zu schneiden. Selten genug, dass er sich dafür die Zeit nahm. Normalerweise riss er einfach Stücke ab. Doch heute hatte er einen Gast. Als sich dieser nach Saga erkundigte, wurden die Bewegungen des Hünen kurz etwas langsamer und er schien zu überlegen. Tatsächlich erwog er, die Vorlage zu nutzen, war sich aber noch einen Moment unsicher. Die Stimmung war gerade noch angenehm entspannt...
"Achso, ich hab vergessen zu erwähnen, dass sie die Seherin war, die meiner Schwester Zwillinge vorher gesehen hat und sie ist es auch, nach der Brundhild verlangt hat. Man hat mich also ihrer beraubt, kaum dass du dich von uns getrennt hattest.", berichtete er dem Brot unter seinen Händen. Erst dann sah er auf, ließ die wachen Augen prüfend auf Ions Zügen ruhen.
"Was hat sie getan, gestern? Was hat dich verärgert?", ließ er die Frage dann doch zu, wenn auch in abgeschwächter Form. Am liebsten hätte er gefragt, was den Bären alarmiert hatte, aber das wäre von beiden Seiten der zweite Schritt vor dem ersten.
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Avarion DeSpaire
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Ermangelung einer besseren Aufgabe folgte Ion Einar mit den Augen bei fast allen Handgriffen und unterhielt sich im Rahmen der Möglichkeiten wirklich gut mit ihm. Der Hüne überraschte ihn immer wieder. Da war das Kochen, die Tatsache, dass seine Küche fast besser ausgerüstet war als seine eigene und immer noch die Deko, obwohl er nun wusste, dass Einar alleine lebte. Ion machte es sich so gemütlich wie es ging auf dem Schemel und wirkte in sich ruhend, was nicht zuletzt auf den Alkohol zurück zu führen war. Innerlich war er sehr dankbar dafür, an Menschen geraten zu sein, die ihn nicht sofort töten oder schlimmeres wollten. Eher war es das Gegenteil davon. Würde er länger bleiben, könnte er sich vorstellen mit diesem Menschen so etwas wie eine Freundschaftliche Beziehung zu pflegen. Dann würden solche Tage irgendwann öfters vorkommen, wo sie zusammen saßen und einfach nur tranken und sich gegenseitig Geschichten erzählten. Bei den Differenzen ihrer Herkunft gäbe es für viele Jahre Gesprächsstoff.
Je länger Einar am Kochen war, umso mehr verbreitete sich ein herzhaftes Aroma in der Hütte und ließ dem Elfen schon jetzt das Wasser im Mund zusammen laufen. Bei der Erwähnung von Einar Plänen bezüglich des Wolfes, verschluckte er sich daran direkt. Hustend nahm er noch einen Schluck von dem Wein und räusperte sich angestrengt um nicht noch mehr husten zu müssen. "Jetzt hoffe ich sehr, dass Noir nicht mit durch das Portal gelaufen ist und bereits wieder zu Hause im Stall liegt." sagte Ion ehrlich und sah zu Einar. "Aber vorsichtshalber. Es ist ein Pferdegroßer schwarzer Wolf. Er trägt ein Reitgeschirr und ein Halsband und ist eher ein zu groß geratener Hund, was sein Verhalten angeht. Er wird wahrscheinlich etwas skeptisch sein, aber er tut keinem was. Also solltest du ihm je über den Weg laufen, versuch ihn nicht direkt an die Wand zu hängen oder vor deinen Kamin zu legen. Es wäre wirklich sehr schade um ihn." Ion zuckte mit den Schultern. "Wer weiß. Vielleicht mag er dich und folgt dir, dann hättest du einen wirklich beeindruckenden Freund hier zu Hause. Einen großen Wachtwolf für einen großen Menschen."
Als Einar von seiner Familie erzählte hörte Ion nur aufmerksam zu. Er vergaß immer wieder das die Menschen nicht so alt wurden sie Elfen und mit zehn alles andere als erwachsen für ihn war. "Hast du selber auch Familie?" fragte er nach, als der Mensch den Honig und die Nüsse auf den Tisch stellte. Er konnte nicht anders als sich eine Nuss zu stibitzen und sie zu probieren. Ja. devinitiv nicht mehr die frischeste, aber noch gut genießbar.
"So so. Sie hat es also Prophezeit?" sagte er nur feststellend und drehte nachdenklich den Krug vor sich auf dem Tisch. Was sie wohl noch alles sehen konnte? fragte er sich und bemerkte erst in dem Augenblick, wo er sich seinen Gedanken hingeben wollte, das Einar ihn ansah.
Kurz blinzelte er und erinnere sich dann an die Frage. "Was sie getan hat?" wiederholte er Einar Frage und erwiderte den Blick des Menschen. "Sie ist in meine Gedanken eingedrungen und hat sich diese angesehen." fing er an zu erzählen und tatsächlich überlegte er einen Herzschlag lang, es bei dieser Aussage zu belassen. Aber das alleine reichte vielleicht nicht aus, um sein Verhalten zu erklären. Er nahm noch einen Schluck und stellte den Krug gänzlich ab. Sein Blick wurde eine Spur ernster. "Magie ist bei uns zu Hause an der Tagesordnung und leider gab es schon wirklich sehr sehr viele, die meinten in meinen Gedanken herum zu pfuschen und sich Informationen und dergleichen zu nehmen, als wäre ich ein offenes Buch in dem man nach belieben alles nachschlagen kann. Über die Jahrzehnte habe ich angefangen immer empfindlicher darauf zu reagieren. Angefangen mit Kopfschmerzen und Übelkeit, bis zu schweren inneren Blutungen, wenn ich mich gegen einen solchen Zugriff gewehrt habe."
Kurz hielt er inne, bevor er weiter redete. "Ich sagte ihr, dass das Gefährlich ist. Nicht nur für mich, auch für Sie. Ich weiß nicht, ob du verstehen kannst, was ich jetzt sage, aber ich will er versuchen zu erklären." Kurz sah er etwas hilflos auf seine Hände, als suche er nach den Richtigen Worten. "Ich .. bin nicht ganz alleine in meinem Körper. Da wohnt noch jemand und der hat Saga gestern bemerkt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass er sich ruhig verhält, solange ich hier bin. Allerdings sind so geistige Übergriffe auf meine Erinnerungen, egal ob nun gewollt oder nicht, etwas, was ihn reizt. Er könnte das als Anlass nehmen und Saga in ihren Träumen heimsuchen. Das ist auch der Grund, warum ich gestern nicht mehr mitgegangen bin. Der Abstand zu Saga war für uns beide Wichtig." Ion lächelte leicht und versuchte es nicht allzu gezwungen aussehen zu lassen. Er musste Einar nicht brühwarm erzählen, dass Toralar und er selber nicht immer einer Meinung waren und das sie schon endlos viele Kämpfe um die Vorherrschaft über den Körper geführt hatten. "Sein Name ist Toralar und er ist so etwas wie mein Wächter über meine Erinnerungen."
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